„O du Tiefstes meiner Seele, du kannst ja doch nicht hinauf! Wenn meine Seele tost wie die schäumende See und zitternd solche machtvolle Schönheit aushält, dann ist es in mir wie ein schweres, langsames Glockenläuten. Und das zu ertragen, dieses Gewaltige, hilft mir nur eins: die Seelensprache der Poesie und Musik. Sie segnet meine Herzensglut, und mit ihr ertrag' ich die Schönheit der gewaltigen Erde ...”
Lang noch saß er über Büchern und Papieren, Schwermut durch Arbeit bekämpfend. Spät entschlief er.
Heitre Mozart-Melodien vermischten sich im Entschlummernden mit der Notturno-Stimmung des „Don Juan” — der Anfang von Beethovens Sonate pathétique brauste herein, wuchtig, zornig — und die schwermütigen, harfenartigen Einleitungsakkorde des Brahmsschen Liedes „Der Tag ging regenschwer und sturmbewegt”. Doch in diesem Chaos von Tönen behauptete sich zuletzt Schuberts „Wandrer”: „Wo bist du, mein geliebtes Land?” ...
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... Marx und Schaller, die Unzertrennlichen, saßen noch beisammen, ließen sich einen Mokka brauen und sprachen von Dividenden und Prozenten.
Plötzlich warf Marx mit zweifelhaftem Blinzeln hin:
„Hm, sagen Se mal, was halten Sie von diesem Stein?”
„Ein sympathischer Mensch!” beteuerte Schaller, der ziemlich gezecht hatte. „Eine von jenen hochbegabten Naturen, die keinen Platz finden im hundsgewöhnlichen, miserablen, mittelmäßigen Reichsdeutschland! Verstanden, Otto S.?!”
„Na, na! Das glauben Sie ja selber nich!”
„Selber nicht? War ich nicht Referendar, ehe ich Kaufmann wurde? Warum bin ich ausgerissen? Weil mir der Atem ausging zwischen euren Hinter- und Vordermännern, die einander Hacken und Zehen abtreten!”