„Riesiger industrieller Aufschwung in Deutschland! So 'ne Titanic — die übertrumpfen wir! Mittelmäßig? Steckt 'ne Masse Genie im modernen Deutschland!”

„I natürlich! In allen technischen Dingen, selbstverständlich! Zeppelin — bravo! Aber sonst? Genie? Wo denn? Was wissen Sie denn, Samuel, in Ihrem Verstandeskasten, was Genie ist? Wo sind denn die großen und ewigen Ideen in eurer Politik oder Literatur? Reporter seid ihr, ganz schwunglose Reporter und Photographen!”

„Na, und Richard Strauß?! Und Reinhardt! Gehen Se mal in den Berliner Zirkus und sehen Se so 'ne Aufführung! Und hat nicht Hauptmann den Nobelpreis gekriegt? Was wollen Se denn noch? Wollen Se wieder Vergißmeinnichts-Geschmack einführen, Sie?!”

„Mann, Markuse, machen Sie mich nicht wild!” schrie der Champagner aus Schaller. „Wo ist denn da Größe?! Größe, sag' ich, Sie, Sie — Sie Mann mit dem zweckdienlichen Verstandes-Apparat! Sie Nüchterling! Sie Mensch ohne Seele! Kurzum, Sie Geldbeutel!”

„Schaller, Sie schallen wieder mal brutal, aber brillant!” Der Kommerzienrat lachte sein meckerndes Lachen, ohne das geringste übelzunehmen. „Ihnen fehlt ein pikantes Weibchen — so wie da die Trotzendorff. Unter uns — die und der Stein, hä? Da ist auch nicht alles geheuer. Hat übrigens in Weibersachen Geschmack, dieses Mineral — seine Freundin ist hübscher als seine Bücher!”

Und Marx lachte und schlürfte zwinkernd seinen Mokka.

„Was halten Sie denn von seinen Büchern?” fragte Schaller unwirsch, denn er empfand für Ingo entschiedene Zuneigung.

„Nu, ich hab' se nich gelesen — aber was man so hört — Nee! Heroismus? Das Buch ist geschmacklos eingebunden. Und der Inhalt — süßliche Phrasen!”

„Phrasen? Dieser grundehrliche Stein? Sehen Sie sich doch dieses offene Gesicht an!”

„Ich nenne das Phrasen.”