„Beweis!”
„Nu, ich sage Ihnen, ich nenne das Phrasen, und damit Punktum! Was ist da zu beweisen?! Und sein Drama: ‚Der Sängerkrieg’! Das hat ja schon der Wagner komponiert! Und was er sonst verfaßt hat aus der Mythologie, das kann man höchstens noch mit Musik goutieren! Für mich Schwulst, süßer Brei, Phrasen!”
Er trank erbittert und nervös seinen Mokka leer, hatte sich in Hitze geredet und schaute ergrimmt seinen Gegner an. „Nu, was wollen Sie noch? Im übrigen ein liberaler und honetter Mensch, sag' ich selber! Alles, was recht ist! Und ohne Adelsdünkel! Ein Charakter, aber ein sehr bescheidenes Talentchen!”
„Was verstehen Sie denn eigentlich unter Talent?”
„Nu, daß einer was kann!”
„Wer stellt denn fest, ob einer was kann oder nicht?”
„Die öffentliche Meinung! Wir! Leute von Geschmack! Ganz einfach!”
„Wenn aber die öffentliche Meinung auf Irrwegen läuft? Habt ihr euch nicht hundertmal geirrt, ihr Deutschen, und lebende Talente totgeschwiegen und totgeschwatzt?!”
„Mit dieser Ausflucht kann sich jeder erfolglose Dilettant decken”, bemerkte Marx nicht mit Unrecht. „Man hat denn doch im allgemeinen eine sichere Witterung, was ein moderner Mensch is und was nur so nachdichtet. Unsere Nerven brauchen ein Stimulans, Neutöner, Reizungen, pikante Probleme — verstehen Se? Ich protegiere da einen Dramatiker — was wetten wir, daß ich ihm den Schillerpreis verschaffe? Wissen Se, wie so wat gemacht wird?”
Marx rückte vertraulich näher; und Schaller starrte unbeholfen in ein Paar pfiffige Augen.