Ingo wußte aus früheren Anfällen ähnlicher Art, daß sie nun stundenlang auf dem Diwan liegen und sich ausweinen würde.

Der Spielmann ging sorgenvoll im Zimmer auf und ab.

Der gestrige Tag dort auf dem Hügel, zwischen Kirschbaum und Zypresse, bei scheinbar so belanglosem Geplauder mit ein paar unreifen Mädchen, war eine Lebenswende. Jetzt galt es klaren Entschluß. Sollte er sofort hinaufgehen, diese bürgerliche Frau Frank-Dubois aus dem Elsaß, die hier in Sommerfrische weilte, aufsuchen und der jungen Schönheit schlankweg seine Hand anbieten? Denn jenes wunderschöne Gebilde hatte ihn berauscht. Aber was war denn an ihr, was ihn entzückte? Sie hatte ja kaum den Mund aufgetan. Warum verband er mit ihr die Empfindung von griechischer Landschaft und griechischem Tempel? War es nicht doch vielleicht nur ein allgemeiner Schönheitseindruck, der mit dem Bürgerkinde Martha menschlich nicht viel zu tun hatte? Sollte er die erprobte Freundschaft mit Richard und Friedel zerbrechen, um einem Helena-Phantom nachzujagen?

Mächtig wallte in ihm das Gefühl der Dankbarkeit empor.

„Sie haben mich gepflegt in meiner Krankheit”, sprach er zu sich selber; „Friedels beide Knaben lieben mich wie einen älteren Bruder. Sie selber nennt mich oft im Scherz ihren ältesten Jungen; sie ist besorgt um mich, wie eine Mutter um ihr Kind. Wohl hat sie sich damals zwischen mich und Elisabeth gestellt; aber es war ein Segen, denn meine verfrühte Heirat wäre Spießbürgerei geworden. Was weiß die Welt von den herrlichen Einzelheiten unsrer romantischen Freundschaft! Und wie taktvoll, wie verstehend hat sich Richard benommen!... Nein, ich will nicht glücklich sein ohne diese beiden trefflichen Menschen.”

Er pochte an Friedels Tür.

„Friedel, nur ein Wort!”

Es kam von drinnen keine Antwort.

„Öffne nur einen Finger breit!”