Und er rieb ihre Hände scherzend zwischen den seinen und druckte zuletzt einen Kuß darauf. Es entging ihr nicht dieser plötzliche Ausbruch liebenswürdiger Heiterkeit.

So schritten sie, als die Heereszüge der Nacht von allen Seiten ins Rhonetal hereindrangen, miteinander hinab in die Lichter von Avignon.

„Himmel,” sprach Ingo, als er auf seinem Zimmer allein war, „was ist denn das mit mir? Ich freue mich ja kindisch, mit diesen Mädchen zu plaudern!”

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Avignon, im Lenz.

Meine reizenden Mozart-Mädchen!

Neben mir saß heute abend eine der liebenswertesten Frauen Europas und benachbarter Kontinente. Da ich mich bei Ihnen, meine Holden, als Troubadour eingeführt habe, so wollen wir auch meine Nachbarin nach der provenzalischen Landschaft benennen: sie heißt Eleonore von Poitou.

Frau Eleonore von Poitou empfindet es als unartig von mir, daß ich ohne Abschied von Ihnen geflohen bin. Sie erlaubt mir — nein, sie bittet mich, Ihnen diesen Entschuldigungsbrief zu schreiben. Denn sie merkt, daß ich so etwas wie Heimweh in mir herumtrage. Wonach? Nach Schönheit, Liebe, Glück, Frieden, Frohsinn — was weiß ich, wonach! Und nach wem? Ja was für ein innerstes Begehren ist denn eigentlich in unsren modernen Herzen?

So schreib' ich denn diese fliegenden Zeilen auf lose Blätter überseeischen Papieres, leichten, luftigen Papieres; Eleonore, meines Reiches Kanzlerin, wird das Geplauder genehmigen, in einer Nachschrift die Richtigkeit bestätigen und die Blätter nach Barcelona senden, wie man Tauben ausfliegen läßt, die aus dem Chaos des Meeres das feste Land suchen. Unter solchem Schutze plaudere ich nun mit Ihnen, wie wenn wir dort oben auf dem Hügel säßen, als meine Saiten von selber zu klingen begannen, weil sie berührt wurden von zwiefacher Anmut.