Dann erhob er sich, gefaßt, wieder seiner selbst Herr:
»Fanny, wir müssen nun scheiden. Sieh, ich werde elsässische Erde nicht mehr betreten, so lange dieses Land französisch ist. Du weißt aber, Fanny, daß auch in der Ferne jemand mit innigster Teilnahme an dich und mit heißer Liebe an das Elsaß denkt. Mehr will ich nicht sagen. Und wenn du glaubst, daß es im Sinne dieses braven Jungen ist, deinen Vater und seinen Vater aufzugeben und nach Frankreich zu ziehen und dort Haß zu nähren — so tu's, wenn du es vermagst!«
Er stand vor ihr. Die letzten Worte hatte er stark betont. Sie sprang auf, wischte mit dem Taschentuch heftig in den nassen Augen und packte dann seine Hand. Und mit der alten raschen Entschlußkraft sagte sie voll Inbrunst:
»Nein, Onkel Arnold, Gott im Himmel weiß: ich tu' nichts, was Gustav betrüben könnte!«
»Dann, liebe Fanny, atme ich auf, dann scheid' ich beruhigt. Kommst du mit hinunter ins Haus? Es hat schon zu Nacht geläutet.«
»Ja, Onkel Arnold, ich komme mit,« sprach sie, und die ganze weiche Liebe und Güte ihres Wesens hatte sich wieder hindurchgerungen und zitterte nun aus der warmen Stimme des schönen Mädchens, indessen immerzu die Tränen über ihre Wangen flossen.
»Und hör', Onkel Arnold, ich will dir noch schnell etwas sagen: ich lasse dich nicht allein ziehen. Es muß dir jemand bei der Einrichtung helfen. Nimm mich mit nach Heidelberg!«
Elftes Kapitel
Stille Menschen
Ihr kommt, Winde, fern herüber,
Ach, von des Knaben,