Mein Dirk, seit du fort bist, hat mich eine gute Kraft verlassen. Kein Buch schmeckt mir mehr, keine Zigarette, keine Mahlzeit. Nie hat wohl ein holderer Bote einen lieberen Freund entführt, als deine blonde Schwester meinen lieben Dirk. Ich werde sie künftig von Lilien nicht mehr trennen können, und muß auch immer gleich an Mörike denken, dessen Gedicht ich dir grade vorlas: »Wenn ich, von deinem Anschaun tief gestillt, mich stumm an deinem heil'gen Wert vergnüge« — als die blaue Gestalt eintrat und mit den Lilien an der Tür stand wie eine Erscheinung aus einer andren Welt. Gott sei Dank, daß es kein Todesengel war! Aber geholt hat sie dich doch. Wie ich ohne dich den Kummer über das Elsaß verwunden hätte, Dirkbruder, weiß ich nicht. Nun rollen wieder die Wolken über mein Gemüt. Schreibt mir doch bald ein Wort, zwei Worte, viele Worte! Grüße dein herrliches Mütterlein und, mit ein bißchen Groll, daß sie dich entführt hat, deine Schwester Hertha!

In Herzenstreue

Dein Erwin.


Hertha an Erwin.

Lieber Herr Ehrmann! Der Todesengel ist nun doch gekommen. Dirk ist soeben der Grippe erlegen. Es ist mir unmöglich, mehr zu schreiben. Er hat noch kurz vor seinem Sterben von Ihnen gesprochen. Wir danken Ihnen innig für alle Güte, die Sie meinem lieben Bruder so reichlich erwiesen haben. In namenlosem Schmerz

Hertha Maria Schütz.


Erwin an Dirks Mutter.

Verehrte gnädige Frau!