Das ward treuherzig und lächelnd, zuletzt in Züridütsch, aber doch recht wehmütig gesagt. Und sie schaute die junge Freundin so liebreizend dabei an, daß Fanny abermals den Arm um sie schlang. »Wie gut ihr alle zu mir seid!« Es tat der Elsässerin unendlich wohl, solche innige Teilnahme zu spüren.

»Was gedenkst du denn in Straßburg zu tun?« beharrte Frau Cäcilie.

»Ich werde meinem Bruder Georges den Haushalt führen«, erwiderte Fanny etwas kleinlaut. »Und überhaupt — ich werde arbeiten, arbeiten und vergessen.«

Jetzt kam das jüngere Fräulein Weller, eine rotwangige Blondine, eilig herauf und meldete einen Besucher, der Fräulein Bieler zu sprechen wünsche.

»Es ist ein Sanitäter aus Straßburg und hat ein Paket von Schwester Lisy.«

Fanny schnellte empor.

»Aus Straßburg? Aber die Grenzen des besetzten Gebietes sind ja abgesperrt!«

»Der Sanitäter ist doch durchgekommen. Da ist er!«

Ein großer, hagerer Mann im feldgrauen Mantel, mit runder Hornbrille trat schweren Schrittes ein und blieb in soldatischer Haltung stehen, ein längliches Paket in der linken Hand.

Hatte bei den Frauen alle Rede in zarten, hellen Schwingungen das Zimmer belebt, so erklang hier eine wortknappe, männliche Baßstimme, die fast rauh und rostig wirkte. Man spürte, daß dieser Soldat dem Tod ins Angesicht geschaut hatte und auf Redensarten des Salons nicht gestimmt war. In kurzen, schlichten Worten berichtete er, daß er bis zuletzt im Kunstschul-Lazarett zu tun gehabt.