mit den Schlußworten:
»Ahnen sie des Jünglings Ehre?
Ahnen sie sein frühes Grab?«
Fanny, diese feinbesaitete Natur, saß nach ihrer Art zusammengekauert im Schaukelstuhl und hatte die graublauen Augen auf den Vorleser gerichtet, regungslos, die Arme um das hochgezogene Knie geschlungen. Sie sah ein Schlachtfeld der flandrischen Ebene, tiefhangende schwarze Wolken, ein schwefelgelbes schmales Abendrot, rauchende Dörfer darin und ragende Fensterhöhlen — und zwischen den schattenhaft hinziehenden Heeren die furchtbaren Flammen einschlagender Granaten ...
Plötzlich fuhr sie zusammen. Eine Stimme klang nahe an ihr Ohr: »Was krieg' ich fürs Vorlesen?« Und Erwins Gesicht beugte sich lachend und keck-verlegen zu ihr herab.
Fanny sprang auf und wollte ihn unbefangen auf die Wange küssen; doch er drehte sich ein wenig und nahm den Kuß voll und unmittelbar von ihrem Munde.
Bald darauf verabschiedete sich der junge Krieger mit etwas übertriebener Lustigkeit. Onkel Arnold und Gustav beschlossen, ihm eine Strecke das Geleit zu geben. Im Hausflur, als die andern schon draußen waren, packte Fanny den zuletzt gehenden schwermütigen Verlobten rasch von hinten her um den Hals und flüsterte ihm ins Ohr: »Ich hab' dich doch ganz allein lieb!«
Als Fanny durch die Seitentür des Hofes in ihr väterliches Haus zurückkehrte, ward sie Zeuge eines eigenartigen Vorganges.
War das nicht der lahme Schauli? Wollte er wieder einmal die etwas einfältige alte Salome necken?