»Und das hübsche Mädel da in der Bauernkappe? Ist das nicht Ihr reizendes Töchterchen, das ich vorhin leider nur auf einen Augenblick zu begrüßen die Ehre hatte?«
»Joh, 's isch 's Fanny. Schad', daß die netten Trachten fast ganz verschwunden sind. Es isch halt nimmer so viel Freud' auf der Welt, Herr Hauptmann.«
»Ein Prachtsmädel! Zum Anbeißen! Wenn man so 'was sieht, möchte man sich ja gleich Knall und Fall in so 'ne hübsche Elsässerin verlieben.«
Bieler lachte kurz auf, stieß das Käppchen auf das linke Ohr und kratzte hinter dem rechten, ging aber auf den Ton ein.
»Ha, jetzt, wissen Sie halt: ein Preuß' als Schwiegersohn« —
»Würde Ihnen ausgezeichnet bekommen! Und das Bild da, der französische Soldat —?«
»So hab' ich einmal ausgesehen. Ich hab' siebzig bei Fröschwiller mitgemacht.«
»Aha, Wörth?«
»Sehen Sie da: den Finger hat mir ein Bayer weggeschossen, Herr Hauptmann. Ich bin Zuave gewesen — vous savez: caporal! Und eine zweite Kugel da in den linken Arm. Am Kirchhof zu Fröschwiller bin ich gelegen bis in die Nacht und fascht gar verblutet — ah, bigre! Na, aber es hat sich wieder gemacht. Mein Handwerk als Winzer oder Winsticher, wie man hierzuland sagt, kann ich auch mit einem halbsteifen Arm besorgen. Lang mach' ich's freilich nimmer; ich verpachte meine Reben; es paßt mir nicht mehr recht, man wird alt. A propos wollen Sie meinen Keller sehen, Herr Hauptmann?«
»Sehen Sie, jetzt werden Sie warm, Herr Kriegskamerad! Da braucht man also nur auf den Knopf Fröschweiler zu drücken — was? Nu sagen Se mal, ist's denn wirklich wahr, daß ihr Elsässer wieder französisch werden wollt? Sprechen Sie mal frisch von der Leber weg! Ich las da neulich, der Maire eines von den Franzosen besetzten Dorfes im Sundgau hätte beim Empfang Poincarés vor Rührung geweint —«