Bieler lachte.
»Oh lala, Plän' von Paris! Wissen Sie, wie das G'schichtel passiert ist? Der Maire hat kein Französisch gekonnt, da hat seine Frau zu ihm gesagt: Dummer Kaib, du fängst an zu weinen — und richtig: ›Monsieur le Président‹, hat er hinausgeschmettert — so viel hat er nämlich behalten von der Rede, als er den Präsidenten empfangen sollte — dann ist er stecken geblieben, hat's Nastuch herausgezogen und erbärmlich geweint. Und der Präsident hat ihn umarmt: ›Embrassez-moi, Monsieur le maire!‹ und die Pariser Zeitungsleut' han Purzelbaum g'schlagen über den gerührten Maire! Aber sehen Sie, so sind die Franzosen! Sie machen aus allem e comédie!«
Der Hauptmann stimmte schallend in Bielers Lachen ein und fuhr dann in seiner etwas gönnerhaft-jovialen Tonart fort: »Aber von den Schwoben wollt ihr auch nicht viel wissen, was? Nu geben Sie mal Ihrem Herzen einen Stoß und sprechen Sie deutsch heraus: was ist denn eigentlich für euch eingesessene Elsässer, für euch widerspenstige, bockbeinige und doch wieder urgemütliche Alemannen ein Schwob? Ihr habt ja selber einmal zum Herzogtum Schwaben und Alemannien gehört! Ihr seid ja selber dickköpfige Schwaben! Also los!«
»Soll ich Ihnen emol e G'schichtel verzählen?«
»Immer los!«
»Unser junger Lehrer — er ist leider bei Ypern gefallen — hat einmal in der Dorfschule seine kleinen Kneckes gefragt: Kinder, was ist denn ein Schwob? Da hebt einer den Finger und sagt: Ein Schwob, das ist einer, der als sagt: ›geh' mal weg da!‹ Sehen Sie, das ist für uns Elsässer ein Schwob!«
Die Worte »geh' mal weg da« hatte der Winzer in schneidigstem Kasernenton hinausgedonnert. Der Hauptmann prustete vor Lachen und konnte sich gar nicht mehr beruhigen. »In Ihnen steckt ja ein tadelloser Feldwebel, Herr Bieler! Na, 's ist aber auch manchmal ganz verdammt nötig, euch Elsässer anzuschnauzen. Lieber den farnesischen Stier zum Rekruten drillen!«
Der Horizont drohte sich zu verfinstern; das Gespräch wurde heikel. Papa Bieler beeilte sich, seine Einladung auf das allerfreundlichste zu wiederholen. Und beide wanderten miteinander in den weitläufigen Keller.
An demselben Tage bat Arnold seinen Sohn um eine Unterredung.