»Und nun will ich dir etwas vorschlagen, Gustav«, schloß der gleichfalls belebte Pfarrer und legte dem Jungen beide Hände auf die Schultern. »Jetzt läufst du stracks zu Fanny hinüber und sagst ihr einige recht, recht gute Worte, gel? Sie ist ja ein so liebes, ein so grundvornehmes Geschöpf! Man kann ihr ja gar nicht genug dankbar sein, wie sie all das Schwere hell und heiter trägt. Ach, Gustav, eine so lebendig liebe Menschenseele ist mehr wert als alle Politik Europas!«
»Du hast recht, Vater! Ich danke dir für diese Stunde. Du glaubst nicht, wie mir diese Aussprache gut getan hat! Ich bin ein ganz neuer Mensch. Und jetzt geh' ich zu Fanny.«
»Setzt gleich den Hochzeitstag fest!« rief ihm der Vater nach.
Der feldgraue Unteroffizier eilte stürmischen Schrittes davon.
Und Arnold schritt noch lange in seinem Zimmer auf und ab, glühend bewegt. Er hatte einen Sturmangriff auf seines Sohnes Herz gewagt; und der Sturm war gelungen.
»Menschen gewinnen« — das waren die Gedanken, die ihn durchgluteten — »Herzen in Flammen versetzen, damit sie zu Entschlüssen fähig werden! Ich verstehe den Flammenspender von Golgatha nun auf neue Weise: er hat Wolken hinweggerissen, die uns von der Sonne der Liebe getrennt haben; nun kann die göttliche Wärme wieder herein. Ach, was war ihm das ganze riesige Römerreich mit seiner Weltpolitik! Schattengebilde! Aber die unsterblichen Seelen, die er dem Reich Gottes gewann, die waren ihm alles. Das ist der Sinn der Kreuzigung: wir sind der äußeren Welt gekreuzigt, doch um so funkelnder lebt, liebt, leuchtet das Herz, das ewig ist, das aus dem Kosmos kommt und den schattenhaft dahinrollenden Planeten samt Geburt und Tod sieghaft überdauert« ...
Er nahm den Hut und ging auf Krankenbesuche.
»Fort vom Elsaß?«
Das waren Fannys erste freudig-bange Worte, als Gustav seines Vaters Vorschlag stürmisch vor der Geliebten ausschüttete. Den Vater im Stich lassen, in fremde Umwelt auswandern, in die ungewisse Ferne — und zwar bald, in wenigen Wochen?! Ihr schoß es heiß in beide Schläfen. Und doch! Und doch war es mehr Glück als Bangigkeit.