Denn wie angenehm verändert war Gustav!
Beide junge Menschenkinder waren allein in der Wohnstube. Unter ihnen, im Keller, probten und tranken der Hausherr und sein Gast. Salome hatte im Garten zu tun; Schauli und sein Schwiegersohn Stürli pochten an den Fässern im Schuppen rüstig herum, denn die Weinlese nahte heran. Es war bedeckter Himmel und ging bereits dem frühen Abend zu.
Der Braut schlug das Herz bis an den Hals hinan vor Freuden über Gustavs zuversichtliche Sprechweise.
»Ja, fort vom Elsaß, Fanny! Wir ersticken hier. Wir müssen in reine Luft. Papa hat recht. Nur diese sogenannte elsässische Frage ist meine Krankheit — und weiter gar nichts. Wenn ich von hier ganz weg bin, wirst sehen, dann bin ich sofort kerngesund! Das sind ja doch alles nur politische Kleingeister hier, die uns seit Jahrzehnten die Kehle zugeschnürt haben mit ihrer tückischen Französelei. Die haben uns verbittert und vergiftet. Gehst du mit, Fanny? Papa schickt mich geradewegs zu dir herüber, ich soll dich fragen: wir alle drei wollen zusammengehen! Was sagst du dazu?«
Die kleine Fanny schlug mit Kraft beide Arme um den langen Geliebten, überselig in ihrem liebevollen Herzen. Und innig sprach sie zu ihm die Worte der Ruth:
»Wo du hingehst, da will ich auch hingehen!«
Mit stürmischer Nervosität umarmte Gustav das holde Geschöpfchen, neigte sich zu ihr, und sie küßten sich glühend. Fanny konnte sich kaum von dem lang entbehrten Munde trennen. »Lieber, lieber, lieber Gustav« — so stammelte, so küßte sie — »du weißt ja, wie ich dich lieb habe! Ich gehe mit dir bis ans Ende der Welt!«
Er tastete nach dem Stuhl, setzte sich und zog die Geliebte auf den Schoß; sie behielt die Arme um seinen Hals, als wollte sie ihn nie mehr loslassen. Es war eine Liebesstunde, glühender als je zuvor; denn Freiheit und Erfüllung schienen nahe wie noch nie.
»Ja, Fanny, ja, das weiß ich, daß du mit mir gehst bis ans Ende der Welt! Und wenn der Stall hier rein ist, dann kommen wir zurück, vollgesogen mit deutscher Kultur und erwärmt durch viele Freundschaften. Ja, dann kommen wir zurück in die Heimat und arbeiten an der elsässischen Volksseele! Aber nicht mit Paragraphen, sondern von innen heraus!«
»Ach, hast du mich denn noch e bissele lieb, sag' doch, mein Gustav? Ach sag' doch, sag' doch! Ich hab' dich ja so lieb, so lieb! Ach, was liegt mir denn am Elsaß und an der ganzen Welt — ich babbel hochditsch und chinesisch und hottentottisch, was du willst — awer lieb han soll mich min Gustav, gel?!«