»Liebe Fanny, keinen Spaß machen! Mir ist mein Vaterland heilig, und Deutschlands Not ist groß« — —
»Ich mach' auch gar keinen Spaß, Liebster, will dich ja nur e bissel zum Lachen bringen! Gelt, bist wieder ganz mein? Gelt, hast mich wieder ganz arg lieb?«
Sie suchte nach den innigsten, eindringlichsten Worten und Kosenamen.
»Von Kind an hab' ich dich lieb, ja Fanny, ja, du gutes, heißes Herz! Nur dich von Kind an! Und wenn ich eingesperrt oben in meiner Dachkammer g'sessen bin, hab' ich dich erst recht lieb gehabt, Fanny, unter heimlichen Tränen lieb! Weißt noch, wie ich zu dir g'sprungen bin über die Gartenmauer? Fanny, ich muß dich ja um Verzeihung bitten, Liebste, ich hab' da neulich so dumme Sachen von dir gedacht, wie der Hauptmann da g'sin isch — es sin d'Nerve, nur d'Nerve, ich mein's nit so« — —
»Red' nit davon, Gustav! Ach weißt denn noch, wie wir als oben im Wald hinter den Rosenhecken g'sessen sin? Und du hast mir ein Kränzel gemacht aus Heckenrosen, weißt noch? Und jetzt darf ich bald 's Kränzel aufsetzen« —
»'s Myrtenkränzel, ja, Fanny! Kriegstrauung! Papa hat mich direkt beauftragt: wir sollen den Tag festsetzen. Deine Ausstattung ist ja fix und fertig; und dein Vater will sich schon lang ins Diakonissenhaus zu seinem Freund Sorgius zurückziehen und das Haus dem Stürli verpachten; und Tante Sophie geht zu ihrer Schwester nach Pfalzburg — das haben wir ja hundertmal besprochen. Und jetzt wird's Wahrheit! Fanny, dann schaffen wir zusammen. Du tippst mir auf der Schreibmaschine meine Arbeiten ab und« —
»Ja, Gustav, ja, und weißt, was ich in diesen Tagen schon immer tu'? Ich sitz' oben und — aber sag's keinem Menschen, gel, ja nicht! — und schreib' deines Vaters Handschriften ab. Er weiß es selber nicht, Lisy und ich haben die Papiere gemaust. Und zu Weihnachten leg' ich sie ihm unter den Tannenbaum!«
»Ach, Fanny, Fanny, neben all deiner Arbeit?! Du goldiges, kleines Fannjele du!«
Sie saßen in trautester Umarmung. Das Abendlicht schimmerte durch verschleierndes Gewölk noch einmal herüber. Die Ebereschen im Hofe mit ihren glutroten Beeren schienen aufzuleuchten. Und die Braut flüsterte ihrem Geliebten zu, nach dem Innigsten suchend, was sie ihm sagen könnte:
»Gustav, ich bet' jede Nacht zum lieben Gott, er soll dich g'sund machen. Wenn ich deine Frau bin — dann gibt's nimmer so viel Tränen auf der Welt. Ach, ich weiß ja allein, wie mein Papa heimlich unter alledem leidet. Und er versteckt's vor allen und macht ein freundlich G'sicht. Gustav, wir wollen uns recht lieb haben, gelt! Arg lieb! Doppelt so lieb als alle andren Menschen. Es ist ja so viel Haß in der Welt.«