»Babbe, qu'est-ce que tu fais? Dü schenksch dem Mann au' noch e Schnaps in?« rief Fanny.

Und der Hauptmann, der schon in der Türe stand: »Nu auch noch französisch?! Das fehlt gerade noch! Nur heraus mit eurem wahren Gesicht, ihr Franzosenköppe! Euch kenn' ich nun! Erst führt ihr einen ehrlichen Kerl in den Keller und macht ihn besoffen — und unterdessen sitzt die hübsche Tochter irgendeinem Unteroffizier auf dem Schoß!«

Gustav sprang mit geballter Faust auf ihn zu:

»Ich bin kein Franzosenkopf! Ich ersuche Sie, mein Eisernes Kreuz zu achten! Ich hab' an der Somme für mein Vaterland geblutet — und Sie, Sie, Sie?! Ich kenne Sie jetzt ganz genau! Mein Vater ist der Pfarrer hier im Ort — der kennt Sie, der weiß, wie Sie's da drüben im Städtchen treiben! Das ist die Sorte, die in einer Minute mehr verdirbt im Elsaß, als zehn Jahre Kulturarbeit wieder gutmachen! Eine Affenschande sind Menschen wie Sie für den deutschen Namen — eine Affenschande!«

So tobte er auf den Hauptmann ein und trieb ihn mit geballten Fäusten geradezu vor sich her. Wie es kam, daß der Betrunkene draußen fiel, war nicht zu erkennen; er hatte Besinnung genug, einige Leute von der Einquartierung, die im Dorf lag, herbeizurufen; er ließ den Unteroffizier abführen und seine Personalien feststellen, stieg dann in den Kraftwagen und fuhr mit sausendem Hirn davon an die Stätte seines Wirkens.

Hinter ihm blieb eine händeringende Braut. Und bei ihr der gänzlich verstörte Papa Bieler, der sein freundlich einladendes »Noch e Schnäpsel, Herr Hauptmann?« noch einmal gestammelt hatte — worauf er in Grimm und Schmerz Gläschen samt Inhalt in die Stube schleuderte.

Sechstes Kapitel
Das Weinberghäuschen

Ich baw für mich

Sih du für dich!

Alter elsässischer Hausspruch