Der düstere Oktober des Jahres 1918 war über Deutschland hereingebrochen.
Da ersuchte der deutsche Generalstab die demokratische Reichsregierung, den Feind um Waffenstillstand zu bitten.
Und die Regierung tat den demütigen Bittgang.
Das legte sich dumpf und schwer auf das müde Volk; das bewirkte Triumphgeheul im Ausland. Es war also nun so weit: das umstellte Deutschland war zur Strecke gebracht!
Betäubung, untermischt mit Spannung, was wohl der Präsident der amerikanischen Geldherrschaft antworten würde, lagen fortan auf den deutschen Herzen. Zusammengebrochen! Bismarcks Volk bettelt nach vierjährigem tapferen Ringen um Frieden! Nach vier so tapfer, zum Teil so großartig bestandenen Kampf- und Hungerjahren! Bulgarien, Türkei, Österreich-Ungarn — alle hintereinander vor der Übermacht zusammengebrochen!
Die Wendung geschah Anfang Oktober, um den Todestag des großen Franziskus von Assisi, des Heiligen der Liebesinnigkeit. Da setzte diese Demütigung ein; da wurde Deutschland in die Nacht geführt. Und nach peinlichem Notenwechsel ward uns endlich, um den Geburtstag eines Schiller und Luther, ein vernichtend schwerer Waffenstillstand auferlegt.
Die Meister aber standen auf den Wolkenhöhen und schauten auf ihr schwergeprüftes Deutschland. Sie wußten, daß ein beseeltes Volk aus den Düsternissen dieser Prüfung emporzutauchen bereit war. Rauch und Giftgase verrollten. Nun begannen sich die Geister im Innern zu scheiden. Und in den Lüften die Millionen gefallener Kämpfer wirkten mit, wirkten in wogenden Scharen hinunter auf ihres Volkes Seele ...
Johann Friedrich Arnold hatte etwas von einem Seher; er verbarg jedoch diese Besonderheit. An jenem Tage, als er zum Krankenbesuch ausging, begegnete ihm der Briefträger. Er nahm die Zeitung in Empfang. Und im Gehen las er das Waffenstillstandsangebot:
»Die deutsche Regierung ersucht den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, die Herstellung des Friedens in die Hand zu nehmen, alle kriegführenden Staaten von diesem Ersuchen in Kenntnis zu setzen und sie zur Entsendung von Bevollmächtigten zwecks Aufnahme der Verhandlungen einzuladen. Sie nimmt das von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika in der Kongreßbotschaft vom 8. Januar 1918 und in seinen späteren Kundgebungen, namentlich der Rede vom 27. September, aufgestellte Programm als Grundlage für die Friedensverhandlungen an. Um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, ersucht die deutsche Regierung den sofortigen Abschluß eines allgemeinen Waffenstillstandes zu Lande, zu Wasser und in der Luft herbeizuführen. Max, Prinz von Baden, Reichskanzler.«
Sofortigen Abschluß ... Man befürchtet also Dammbruch der Westfront! ...