Die zehnjährige Anneliese mit ihren warmen Augen und ihrer herzlieben Kinderstimme schaltete in der sauberen Küche und hantierte so flink, daß die blonden Zöpfe flogen. Ihre Holzschuhe klapperten eifrig hin und her. Um das Häuschen herum schrien mit vortrefflicher Lunge bald Hans, bald Michel, bald Jakob Stürli in die herbstliche Luft; der älteste knallte mit der Peitsche; der Spitz gab durch zielloses Bellen seiner Daseinsfreude Ausdruck. Es war Leben im Weinberghäuschen. Selbst die Sonnenblumen standen wie mit lebendigen Gesichtern.

Arnold grüßte sich durch die magere, aber handfeste Schar hindurch zum Bette der Wöchnerin. Anneliese, die aus der Küche herbeilief, bekam Bildchen geschenkt, die von Schwester Lisy aus Zeitschriften für sie ausgeschnitten waren.

Frau Stürli entschuldigte sich seufzend und lächelnd wegen der ungezogenen Buben.

»Man gönnt's ja den Kindern gern«, meinte sie. »Wenn nur mehr Platz im Hause wär'! Wo soll denn das noch hin?«

»Woraus hervorgeht, Frau Stürli,« bemerkte der Pfarrer mit trockenem Humor, indem er sich einen Stuhl ans Bett stellte, »daß Sie entschlossen sind, das Halbdutzend fortzusetzen.«

»Ach jeh, Herr Pfarrer!« lachte die vergnügte Mutter. »Wie sollen wir sie denn durchfüttern? Es geht ja so schon mager genug her! Wenn wir nicht die Geißen hätten —«

»Hoho, ihr habt ja manchen Spargroschen,« erwiderte Arnold. »Und in euren Buben wachsen Arbeitskräfte heran. 's Anneliesel ist ja schon ein Hausmütterchen. Die Knirpse haben den Krieg trotz alledem gut überstanden.«

»Wenn er doch nur zu Ende wär'!« seufzte es aus den Kissen.

»Er geht zu Ende, Frau Stürli. Da steht's in der neuesten Zeitung: Deutschland bittet um Waffenstillstand.«

Die Frau schnellte empor. Sie hatte Politik in den Adern.