Frau Katharina dachte nach.

»Dann erzieh' ich meinen Kindern Charakter ins Blut« —

»Ja, ja, schon gut, wenn aber die Franzosen unsre Obrigkeit werden?«

»Dann sag' ich: Kinder, seid untertan der Obrigkeit, denn sie hat nun einmal Gewalt über euch; aber in euren Herzen bleibt mir freie Männer, die Gott mehr gehorchen als den Menschen! Und ich denke, meine Dickköpfe werden das tun. Denn die haben ihres Vaters Schädel und sind eigensinnig wie Förstersdackel.«

Sie lachte. Der Pfarrer lächelte mit.

»Noch etwas andres, Frau Stürli! Liebkost Ihr Mann noch immer den Gedanken, Bielers Haus und Gut zu pachten?«

»Und ob er's tut! Ach, der gut', gut' Mann! Er ist ja so ein Braver, Herr Pfarrer, das glaubt man ja gar nicht! Wie oft am Abend rechnet er mir vor, setzt sich da an den Bettrand und überschlägt seine Ersparnisse. Es ist ja so schön, Pläne zu machen oder auch einander vorzulesen, wenn die Kinder schlafen gegangen sind. Aber es langt halt nicht!«

»Ein fleißiger, kluger und sparsamer Mann, das ist wahr,« lobte Arnold. »Und ein guter Mensch dazu. Aber Bielers Weinberg ist keine Kleinigkeit.«

»Wir haben ja noch eine Erbschaft im Hintergrund,« meinte Frau Stürli kleinlaut und wollte etwas weitschweifig ihre Familienverhältnisse auseinandersetzen.

»Schicken Sie mir einmal in der Dämmerung oder nach dem Nachtessen Ihren Mann ins Pfarrhaus!« unterbrach Arnold. »Ich will die Dinge gemütlich mit ihm durchsprechen. Was geschehen kann, soll gern geschehen. An mir soll es jedenfalls nicht fehlen. Aber, Frau Stürli« — und er hob den Zeigefinger —, »wenn's Ihrem Herzen und Ihrer Zunge möglich ist, so sprechen Sie nicht darüber!«