»Der alte schwache Bieler rückt ratlos sein Käppchen von einem Ohr aufs andre. Und Fanny, die Braut, steht zwischen Bruder und Bräutigam in peinvollem Zwiespalt.«
Wieder ein Nicken: »Echt elsässisch!«
»Aber der Krieg klärt. Und so entscheidet sich's jetzt auch im Hause Bieler — das heißt: es hätte sich zugunsten Deutschlands auch dort entschieden, trotz alledem, wenn jetzt nicht das fatale Friedensangebot und Wilsons Antwort uns wiederum ins Unsichere zurückwürfen. Wie denken Sie denn, Herr Oberstleutnant, über die Lage?«
Der Pfarrer richtete den Blick fragend auf den Offizier. Dieser wandte mit kurzem Ruck den Kopf, an Schweigen gewöhnt, und schaute aus dem Fenster. Es entstand eine ernste, fast düstere Pause, so daß Arnold selbst wieder das Wort nahm und seinen Besorgnissen Ausdruck gab.
Plötzlich begann Trotzendorff selbst seine angestaute Bitterkeit zu enthüllen: »Sie betrachten als vertraulich, was ich Ihnen sage, Herr Pfarrer. Wir sind innerlich zersetzt. Wer und was uns zersetzt hat, das ist eine Frage für sich. Tatsache ist: die Heimat fällt der Front in den Rücken. Wir könnten noch aushalten, wenn im eignen Lande nicht der Feind nagte. In den ersten Jahren hatte der Generalstab mit preußischer Willenskraft das Ganze fest in der Hand. Aber die Helden liegen unter dem Rasen, die Händler sitzen in den Klubsesseln! Das ist die sogenannte Demokratie!«
Es klang kurz, scharf, bissig. Dann fuhr er mit zornig erhobener Stimme fort:
»Aber glauben Sie nicht, daß ich damit jenen Hauptmann entschuldige! Ihnen darf ich sagen: das ist jenes Zerrbild von Deutschtum, das auch mir, dem Altpreußen, ganz verflucht auf die Nerven fällt und das aus dem deutschen Wesen raus muß.«
»Sehr richtig! Das uns verhaßt macht im In- und Ausland!« stimmte der Elsässer kräftig bei.
»Das weder Zucht noch Innerlichkeit kennt«, fuhr der Preuße fort.
»Das in Gasthöfen mit Kellnern umspringt wie mit Lakaien des achtzehnten Jahrhunderts«, klang es vom Pfarrer her.