Arnold senkte den Kopf, hob ihn dann wieder und fragte: »So brauchen wir auch über den Offenen Brief an Wilson, den ich Ihnen entwurfsweise mitsandte, heut' abend in unsrer deutsch-elsässischen Gesellschaft nicht zu beraten? Hat er noch Zweck?«

»Das sind Dinge, die mich amtlich nicht kümmern dürfen. Wenn Sie mich persönlich fragten, so würde ich etwa sagen: Einige rosenrote Politiker wagen noch an die Möglichkeit eines Pufferstaates oder dergleichen zu glauben. Ich nicht. Haben Sie übrigens Dank für die freundliche Übermittlung!«

Und er legte das Schriftstück, einen von Arnold entworfenen Brief an den Präsidenten Wilson, wieder in des Verfassers Hand zurück.

Jetzt meldete ein Unteroffizier unmittelbar hintereinander den Winzer Bieler und den Hauptmann.

Trotzendorff war wieder ganz Soldat und Beamter. Die Rücksprache wurde knapp und sachlich. Papa Bieler fand nach anfänglicher Verlegenheit seinen unbefangenen Ton, ja einen schlichten Freimut.

»Herr Oberstleutnant,« sprach er treuherzig, »daß ich's nur gradheraus sag': mich trifft viel Schuld, mich trifft die allermeist' Schuld. Ich hab' die Dummheit gemacht, Herr Oberstleutnant, ich hätt' den Herrn Hauptmann nicht in den Keller führen sollen. Mehr brauch' ich nicht zu sagen.«

»Ihr Keller spielt dabei allerdings eine verhängnisvolle Rolle.«

»Herr Oberstleutnant, ich bin ein einfacher Bürgersmann und ein alter Soldat von Anno siebzig. Hand uffs Herz, Herr Oberstleutnant: ich für mein' Person hab' nie agitiert gegen die Rejierung, aber ich steh' halt von wegen meinem Sohn auf der schwarzen Liste. Soll ich's dann in solchem Fall mit dem Herrn Hauptmann verderben? Man wird charakterlos, Herr Oberstleutnant, ich sag's und g'steh's ganz offen: man wird ein schwacher Charakter.«

»Danke, Herr Bieler. Angenehm für Ihren Ruf ist die Geschichte freilich nicht.«

Trotzendorff wandte sich zum Hauptmann; seine Stimme hatte äußerst kalten Klang, wenn auch der Unwille beherrscht war: »Die Sache ist für mich bereits geklärt. Ich bedaure, daß wir mit solchen Dingen in solchem Augenblick unsre Zeit verlieren mußten. Es ist kein Grund zu einem gerichtlichen Einschreiten. Ich möchte nur in Gegenwart dieser Herren von Ihnen hören: was ist es mit der deutschfeindlichen Gesinnung, deren sich angeblich alle, auch der Unteroffizier Arnold, schuldig gemacht haben?«