Aber der Pfarrer sprang zu Hilfe.
»Das Haus Bieler zu begreifen, muß man sich lang und liebevoll mit dem Elsaß beschäftigt haben, Herr Hauptmann.«
Dem Oberstleutnant waren Wolffsche Depeschen gebracht worden, die er während dieser Hin- und Herreden durchblätterte. Dann stellte er noch einige kurze Fragen und beendete die Unterredung. Alle erhoben sich.
»Herr Oberstleutnant,« sagte Bieler, als er sich verabschiedete, und der gebeugte Mann in seinem langen Sonntagsrock war nicht ohne Würde, »sehen Sie, ich hab' dazumal Frankreich gedient und hab' meiner Regierung Treue gehalten, wie sich's für einen Ehrenmann schickt. Aber mein Sohn hat seiner Regierung keine Treue gehalten. Das ist mein heimlicher Kummer, ihr Herren. Andre Eltern verlieren ihren Sohn draußen im Krieg; ich hab' halt meinen Sohn auf dem Schlachtfeld der elsässischen Ehre verloren.«
Trotzendorff reichte dem Alten die Hand. Und in seinem festen Händedruck war Wärme.
»Gehen Sie ruhig nach Hause, Herr Bieler! Die Sache ist erledigt.«
Die Bürger gingen. Der Hauptmann blieb noch einen Augenblick, um unter vier Augen eine kurze, aber eindrucksvolle Ansprache des Oberstleutnants in Empfang zu nehmen.
Dem Weihnachtsfeste fliegen Engel der Liebe voraus. Es sind die Engel der Überraschungen, des liebevollen Versteckspiels. Wochen hindurch ist manche Seele auf Heimlichkeiten bedacht. Schon in den langen Spätherbstabenden sitzen Mütter oder Töchter mit der unendlichen Geduld der Frauen über irgendeiner Arbeit und sticken, stricken, nähen oder malen, um zum Feste der Liebe mit einem erfreuenden Geschenk unter den Weihnachtsbaum zu treten. Nur die Absicht des Freudemachens ist mit solchen heimlich vorbereiteten Gaben verbunden. Und so ist um die nahende Wintersonnenwende viel Herzlichkeit in der Lufthülle des Erdballs wirksam.
An jenem Tage, als Arnold und der Winzer bei Trotzendorff ihre Sache verfochten, saßen Madam Bieler und ihre Tochter Jacqueline vor einem Korb mit Stoffresten, deren farbige Fülle sich um die beiden Straßburgerinnen ausbreitete.