Freund Lobsann hatte auf Arnolds Anfrage auf der Stelle freudig geantwortet. In seiner warmherzigen Art stellte er dem Freunde von ehedem sein Haus zur Verfügung. Wie in alten Zeiten zitierte er im Urtext Horaz und Homer, die er gründlich kannte, und schloß: »Mehercule, mi amice, das obere Stockwerk samt dem großen Altan, den Sie so lieben, freut sich, soweit sich eben Steine freuen können; und wieviel mehr wir lebendigen Menschen! Sie können sogleich einziehen. Es ist Raum genug für das Brautpaar — das ja wohl bis dahin Ehepaar ist — und für Sie selbst. Meine Frau übt ein Dutzend Lieder ein, damit uns diese bitter schwere Zeit nicht unterkriegt. Liselottchen hält ihr schönstes Sonntagslächeln bereit, das ihren zehn Jahren zur Verfügung steht; und was, notabene, die ganze Woche nachzuleuchten pflegt. Also satis de hac re mihi dixisse videtur, sagt Cicero, auf deutsch: Genug geschwätzt! Willkommen!«

Auch Bieler lebte auf. Eines Abends kam er zu Schwester Lisy herüber, mit der er sich ganz besonders gut verstand, schloß die Küchentüre hinter sich zu und teilte ihr angenehm erregt mit, Stürli habe ihm bereits eine ansehnliche Kaufsumme als Anzahlung auf den Tisch gelegt. Woher er denn wohl das Geld habe?

Lisy, die immer Gelassene, die sich noch mehr als Bieler auf das Diakonissenhaus und auf ihre Straßburger Kranken freute, pflegte bei solchen Anlässen verschwiegen zu lächeln.

»Seien Sie doch froh, Papa Bieler, daß sich das so schön macht!« meinte sie.

Aber der Alte witterte weiter und fragte mit pfiffigem Gesicht:

»Ist's wahr, daß der Nachbar« — so nannte er meist den Pfarrer, wobei er mit dem Daumen über die Achsel deutete — »sein Gut Windbühl verkauft hat? An den reichen Mülhäuser?«

»Kann schon so sein«, lächelte Lisy.

Und Bieler nickte:

»Na, dann weiß ich ja alles. Ein gutes Herz hat er halt doch, der Nachbar.«

Die Weinlese war vorüber. Ihr Duft lag noch über dem Dorfe. Und den Winzer überkam, als er nach Hause schritt, ein ganz leises Bedauern, eine unbestimmte Wehmut. Aber er wußte sein Haus in guten Händen.