Während der eine Teil unseres Volkes immer und immer wieder nach dem »starken Mann« ruft, der in dem Wirrwarr unserer Tage mit sicherer Hand Ordnung schafft, fürchtet die andere Seite nichts mehr als eine solche Persönlichkeit, die der nun erreichten, doch so lange ersehnten Volksherrschaft (Demokratie) ein Ende machen könnte. Wohl möchten diese Leute, daß der Fähige regiere, aber diese Fähigkeit soll nur Sachkenntnis sein, nicht ein zäher Wille, der auch der Wählermenge gegenüber durchgreift, wenn seine sachliche Einsicht es für geboten hält. Diese Leute wünschen Führer, die ihnen jede Unannehmlichkeit ersparen und die keine Anforderungen an die Willenskraft der Wähler stellen. Trotzdem aber sollen sie gut regieren.
Man sollte meinen, daß es nicht schwer zu erkennen wäre, wie unmöglich das ist. Und doch gibt es viele »Gebildete«, die das nicht begreifen. Ja, jene Sehnsucht nach dem starken Mann ist aufs engste verwandt mit dieser Auffassung; denn Sehnsucht allein gibt kein Anrecht auf Erfüllung. Wenn du Sehnsucht danach hast, auf der Spitze eines Berges den Blick in die Weite zu genießen, so führt das zu nichts: Erst wenn du deinen Willen anspannst und im Schweiße deines Angesichts die steilen Hänge überwindest, ja vielleicht unter Gefahr deines Lebens Felsen erkletterst, kannst du auf Erfüllung deines Wunsches rechnen.
Nicht anders steht es mit einem Volk, das in die Tiefe gestürzt ist: es wird aus eigener Kraft mit stärkster Willensanspannung wieder emporklettern müssen. Einen »Führer«, der es am Seil hochzieht, gibt es nicht. Wie aber dem, der heiß um den Weg sich bemüht, schließlich immer klarer die einzuschlagende Richtung in das Bewußtsein tritt, so wird dem Volk, das mit Anspannung aller Kraft um seinen Aufstieg ringt, schließlich der Führer entstehen, der auf einfachstem Wege zum Ziel führt.
Darum verzichte jeder auf den memmenhaften Ruf nach dem starken Mann; er kralle sich vielmehr an seinem Platz im Gestein fest und strebe nach oben, er bilde sich zu einem Muskel, einem Nerv, einer Sehne des Volkskörpers, womit sich dieser Körper emporziehen kann, und er bilde sich zu einem Geistesfunken, durch den auch jene Zellen dem Streben nach oben nutzbar gemacht werden können, die heute noch aus sinnlichem Wohlbehagen in der Mittelmäßigkeit die angenehmste Regierung sehen.
Diejenigen, die bewußt dem deutschen Gedanken dienen wollen, indem sie den Staat, den dieser Gedanke erfüllt, mit allen Kräften wollen, werden einen dicken Strich ziehen zwischen sich und jenen, die politisch unerzogen und ungebildet nur ihrem Vorteil leben. Sie werden mit Goethe sprechen:
»Jene machen Partei; welch unerlaubtes Beginnen!
Aber unsere Partei, freilich, versteht sich von selbst.«