[45] Vgl. oben S. [45], [46]. L.

[46] Auch der Kalewsohn raubt die Schätze der Unterwelt. L.

[47] Erinnert an »das in verborgener Schmiede von unterirdischen Meistern« (Mā-alused, vgl. [Märchen 17]) gefertigte Schwert, welches der Kalewsohn zum Ersatz für sein von dem Finnenschmied geschmiedetes und von dem Zauberer des Peipus-Strandes entwendetes Schwert aus der Hölle nimmt. L.

[48] Nota zu 9 u. 10. Beide Märchen behandeln einen und denselben Stoff: die Entwendung des Donnerwerkzeugs durch den dasselbe über Alles fürchtenden Teufel, welchem es der in einen Fischerknaben verwandelte Donnergott wieder abnimmt.

Was zunächst den Namen des Donnerwerkzeugs betrifft, so heißt es in beiden Märchen »pil«, womit zwar im Ehstnischen jedes Instrument bezeichnet wird, hier aber nur ein Blaseinstrument gemeint sein kann. Und zwar kein anderes als der bei den Ehsten seit uralter Zeit sehr beliebt gewesene Dudelsack, schwedisch dromm-pîp, drumm-pîpa. Drumm ist das Trompeten-Ende dieses Instruments, es brummt stets denselben Baßton und erweckt den Ehsten die Vorstellung des Donners. Im Inlande Jahrg. 1858, Nr. 6 ist eine Version unseres [Märchens 10] abgedruckt, welche die Ueberschrift führt Müristaja mäng, was mit Donnertrommel übersetzt ist. Aber mäng bedeutet nicht Trommel, sondern Spiel, Spielzeug, und da es im »Inland« gegen den Schluß heißt: »er holt den »Himmelsbrummer« hervor und setzt die fünf Finger an denselben,« so deutet dies offenbar keine Trommel, sondern ein Blaseinstrument an, den Dudelsack, der speciell toru-pil, Röhreninstrument, heißt, aber auch pil schlechtweg, wie in unserm [Märchen 23], Pilli-Tiidu, Dudelsack-Tiidu. Von Trommel und Pauke heißt es im Ehstnischen trummi löma, die Trommel oder Pauke schlagen, und weder an Schamanentrommel noch an ein Tambourin ist bei dem Ausdrucke pil oder müristaja mäng zu denken. Nach Neus, myth. u. mag. Lieder der Ehsten S. 12. 13. vgl. mit 41. hängt das ehstnische müristamine, das Donnern, mit einem finnischen Verbum zusammen, welches vom Brummen des Bären gebraucht wird, und weist auch der ehstnische Name des Donnergotts, Kõu, auf ein finnisches Nomen für Bär zurück. Auch der nordische Donnergott, Thunar-Thor, führte den Beinamen des Bären. Also nicht der Schall einer Trommel, sondern das Gebrüll eines Thieres oder eines daran erinnernden Instruments wird dem Donner verglichen. Der ehstnische Donnergott entlockt dem Dudelsack furchtbare, aber auch liebliche Töne — schrecklichen Donner, aber auch sanft rieselnden Regen. Wenn die Vorstellung von dem Erregen des Gewitters durch ein Instrument wie die Sackpfeife eigentümlich ehstnisch ist (nach Rußwurm, Sagen, Reval 1861. S. 134, ist der Dudelsack Erfindung Tara's, und steht mit den altheidnischen Volkssitten und Götterdiensten in Zusammenhang, weßhalb christlicher Eifer das Instrument auf den Teufel zurückführte), so kennt die ehstnische Sage doch auch den Äike oder Pikker, der Donner und Blitz hervorbringt, indem er auf einem Wagen mit erzbeschlagenen Rädern über Eisenbrücken dahin rasselt, Kalewipoëg III, 12 ff. vgl. mit XX. 728 ff. Hier wird man sogleich an Thunar-Thor erinnert.

Was den »Donnersohn« betrifft, so theilt Kreutzwald zu Boecler auf S. 11 mit, er (Kreutzwald) habe in Wierland (dem nordöstlichen Uferdistrict Ehstlands) den Namen Pikse-käsepois, d. h. des Gewitters Befehlsknabe, gehört, aber nicht erfahren, wer damit gemeint sei. Nach ehstnischer Tradition ist der Lijonsengel, der in unserm Märchen 9 zum Fischer, und in 10 zum Fischer Lijon umgestaltet ist, Vermittler zwischen den Sterblichen und dem Tara oder Altvater, und »der Gott auf der Erde, der mit dem Gewitter zusammengeht.« So liegt die Vermuthung nahe, daß der Lijons-Engel (stamme er nun von dem biblischen »Legion« oder von dem ebenfalls biblischen »Elias«, russisch »Iljá«), der oben angeführte Befehlsknabe des Gewitters, und unser Donnersohn — eine und dieselbe Hypostase des Donnergottes selber sind. Nach Rußwurm Sagen, 1861. S. 131 hat auch der ehstnische Teufel einen kleinen Sohn, Thomas, der dem eigenen Vater zuweilen Possen spielt. Wie in unseren Märchen, so entweichen auch im Kalewipoëg, vgl. die oben citirten Stellen und X, 198, die bösen Geister vor ihrem »Züchtiger« und seinen Pfeilen in die Flut — das Wasser macht den Blitzstrahl unschädlich. Daß der Donnergott sich in einen Fischerknaben verwandelt, erinnert einigermaßen an Thors Fischfang mit Hymir. Mannhardt, Götterwelt, I, 218. L.

[49] S. die [Anm. S. 67] zum Märchen vom Tontlawald. L.

[50] Castrén bemerkt in seinen Vorlesungen über finnische Mythologie, daß man den Donner viel mehr fürchtete als den Blitz, und daß man noch jetzt hie und da in Finnland beim Donnerwetter nicht wagt den Namen Ukko (Beherrscher des Himmels) zu nennen, oder irgend etwas Ungebührliches zu reden oder zu thun. L.

[51] Kõu heißt der Donnergott; Pikne, Genitiv Pikse, war eigentlich der Blitzstrahl, wird aber auch für den Donnergott gebraucht. Auch die Formen Pitkne und Pikker kommen vor. Der Kalewipoëg X, 889 kennt eine Wetterjungfrau als Kõu's Tochter. L.

[52] Im Kalewipoëg wird diese Kraft einem aus Nägelschnitzeln gemachten Hute zugeschrieben, den der Kalewsohn dem Höllenfürsten entwendet und nach gemachtem Gebrauche verbrennt. Vgl. die betr. [Nota zu 11], der Zwerge Streit. L.