[71] Die Grundzüge dieser phantasievollen Schilderung finden sich im Kalewipoëg X, 378 ff. vgl. mit XIII, 491 ff. Auch dort scheinen auf der Straße zur Wohnung des höllischen Geistes weder Sonne, noch Mond und Sterne — nur von den Fackeln zu beiden Seiten des Höllenthors geht ein trüber Schimmer aus, der die Ankommenden leitet. L.

[72] Reminiscenz aus dem Kalewipoëg XIII, 401 ff., wo dem Kalewsohn über den in der Eingangshöhle zur Hölle kochenden Kessel Auskunft ertheilt wird. Erst kostet der Gehörnte, dann die alte Mutter, dann kommen Hund und Katze dran, in den Rest theilen sich Köche und Knechte. L.

[73] Die eine der in der Unterwelt gefangen gehaltenen drei Schwestern erzählt dem Kalewsohn, daß des Gehörnten Base die Höllenhündin, seine Großmutter die weiße Mähre sei. Kalewipoëg XIV, 428. — Auf einem weißen Rosse sitzt der Kalewsohn als Höllenwächter, ibid. XX, 1005. Vgl. eine von Rußwurm über Kalews Tod mitgetheilte Sage. Rußwurm, Sagen aus Hapsal u. s. w. Reval 1861. S. 9-10. L.

[74] Vgl. das Glühendmachen der künstlichen Hand und das Darreichen derselben an die Hexe im Pfortenriegel, in dem Märchen von Schnellfuß, Flinkhand und Scharfauge, S. [54]. L.

[75] Rõugataja, dessen Frau hier (wie im Märchen 13 S. [173]) eine so häßliche Rolle spielt, erscheint im Kalewipoëg II. 501 ff. als geburtshelfender Gott. Er und der Gott Ukko, welcher gleichbedeutend ist mit dem Fruchtbarkeit verleihenden Obergotte Tāra treten an das Lager der kreißenden Wittwe Linda, welche ihre Hülfe angerufen hatte, und nachdem beide Götter eine Stunde bei ihr geweilt, kommt der Kalewsohn glücklich zur Welt. Nach Castrén. Vorl. S. 45, wurde der finnische Ukko nur bei schweren Kindesnöthen in Anspruch genommen. Auch sonst kennt die ehstnische Ueberlieferung den Rõugataja als Schützer der Wöchnerinnen und Neugeborenen; auch bei Heirathen wurde ihm geopfert, damit der mütterliche Schooß nicht unfruchtbar bleibe. S. Kreutzwald zu Boecler S. 18. 42. 43. Dann tritt Rõugataja mit abgeschwächter Bedeutung nur noch als Schutzgott der Neugeborenen auf, den die Wärterinnen beim ersten Bade eines Kindes, so wie beim Baden kranker Kinder anrufen. Ebend. S. 49. 53. 54. u. Kreutzwald u. Neus, myth. u. mag. Lieder S. 108. Zuletzt ist der Gott Rõugataja (etwa wie Knecht Ruprecht) zum Popanz entstellt, mit welchem man die Kinder erschreckt und beschwichtigt. — Der Name, der auch in der Form Raugutaja vorkommt, scheint mit dem finnischen Roggen- oder Saatengott Ronkoteus zusammenzuhängen. Daß ein Gott der Saaten mit dem Gebären des Weibes in Verbindung gesetzt wird, kann nicht auffallen, auch Thor ist Saatgott und zugleich Gott der Ehe, und der Mythus von der Persephone weist auf dieselbe Combination. Die griechische Braut betritt mit gerösteter Gerste das Haus des Bräutigams. Auffallend ist es, daß die ehstnische Mythologie, die doch sonst an weiblichen Personificationen reich ist, keine Gestalt wie die griechische Eileithyia, oder die römische Lucina aufzuweisen hat. L.

[76] Sfoba, »ein Stück des festlichen Anzuges, ein weißes wollenes Tuch mit bunt ausgenähten Kanten und mit Troddeln an den kurzen Rändern, auf der Brust mit einer Spange zusammengehalten.« Wiedemann, Wörterb. s. v. L.

[77] Vgl. [Nota zu dem Märchen von den zwölf Töchtern S. 89]. L.

[78] Vgl. [Anm. zum Märchen 1, die Goldspinnerinnen S. 2]. L.

[79] Die Unterirdischen (ma-alused) »die geheimen Schmiede Allvaters« schaffen bei nächtlicher Weile und ruhen am Tage. Legt man zwischen Weihnacht und Neujahr um Mitternacht das Ohr an die Erde, so hört man das Schmieden der als Zwerge gedachten Unterirdischen — ja man unterscheidet, ob Eisen, Silber oder Gold bearbeitet wird. In der Neujahrsnacht werden sie sichtbar und treiben mit dem nächtlichen Wanderer Schabernack. Da die Unterirdischen in der Weihnachts- und Neujahrsnacht auch in menschlicher Gestalt erscheinen, so ist man gastfrei gegen jeden Unbekannten; läßt auch den Tisch mit Speisen besetzt stehen und verschließt die Speisekammer nicht. Nach Rußwurm, Sagen aus Hapsal und der Umgegend, Reval 1846, S. 20, erhalten die Unterirdischen, was am Sonnabend Abend oder Donnerstag Abend ohne Licht gearbeitet wird. Die Unterirdischen verlieben sich zuweilen in schöne Mädchen, woraus beiden Theilen Leid und Unheil erwächst. Die verlassenen Bräute hören noch Wochenlang das nächtliche Wehklagen der Geister, und werden von diesen geplagt, wenn sie später Verbindungen mit ihres Gleichen eingehen.

Die Unterirdischen wollen nicht gestört sein; wer sich (erhitzt!) auf den feuchten Boden setzt, unter welchem sie gerade hausen, wird mit einem Hautausschlag bestraft, der Erdhauch (norweg. alvgust, Elb-, Elf-Hauch) oder Erdzorn heißt, und den man heilt, indem man die Urheber durch ein Opfer von geschabtem Silber besänftigt. (Nach Kreutzwald und Neus.)