68.
Da saß beim frohen Fest, in Mitte Fackelscheins
Und Lautenklangs, Suhrab, und trank die Becher Weins.
Auf seinem Haupte trug er, statt den Helm, den Kranz;
Er war ein Glanz, und war bestralt vom hellen Glanz.
Er blühte wie ein Reis von Schönheit und von Lust,
Von Jugend und von Kraft geschwellt war seine Brust.
Hoch hob er stolz das Haupt, und seiner Augen Stral,
Umgehend in die Rund, erleuchtete das Mal;
Da überzält' er froh die unzälbare Zal
Der Kriegsgefärten, die um ihn im Kreiße saßen
Als Trinkgenoßen nun, und ihren Wein vergaßen
Vor Staunen, wie sie ihn sahn prangen solchermaßen.
Da riefen sie laut einmal übers andre Preis
Und Heil, Lobpreis und Heil dem blühnden Ehrenreis!
Die Sterne selber sahn vom hohen Himmel nieder
Mit Wolgefallen auf die hohen Heldenglieder;
Allein sie schienen ihn mitleidig anzusehn,
Weil er ein Stern war, der so früh sollt untergehn.
Da sprach ein Himmelsstern zum andern mitleidvoll:
Schad um die Blüte, die im Lenz hinwelken soll!
Soviel des Schönen schon auf Erden sahn wir prangen,
Und eh wir einen Blick verwendet, wars vergangen.
Doch keine Knospe sahn wir glänzender und heller
Aufgehn, um trauriger dahinzugehn und schneller.
Wenn seine Mutter doch, die ihn, ihr einzig Glück,
Entsendet hat, und nie daheim empfängt zurück,
Wenn seine Mutter ihn mit unsrer Augen Stral
Noch einmal könnte sehn bei diesem Freudenmal,
In seiner Lust und und Kraft, den Baum im frischen Saft,
Den morgen schon villeicht dahin sein Schicksal rafft!
69.
So sprachen von dem Stern des Festes dort die Sterne
Des Himmels; eine Gunst erzeigten sie ihm gerne.
Da namen sie von Duft und Glanze, was im Raum
Von Erd und Himmel war, und woben einen Traum.
Wie einen Teppich bunt, mit reichem Gold gestickt,
Der Braut ein Bräutigam aus fernem Lande schickt,
Auf welchem sie erblickt mit staunendem Gefallen
Die Bilder abgeprägt von jenen Dingen allen,
Die ihr Geliebter selbst nun sieht in fremden Räumen,
Die Vögel unbekant auf unbekanten Bäumen;
Und so wie sie den Schmuck betrachtet, ist es ihr,
Sie reise dort mit ihm, er ruhe bei ihr hier:
Ein solcher Abdruck war vor allem eingewoben
Dem Traumgewebe, das die Sterne dort erhoben.
Leis hoben sie empor das glänzende Gewebe,
Und gaben es der Luft zu tragen, daß es schwebe
Nach Turan, wo im Schlaf die Mutter Suhrabs lag,
Da sah sie einen Traum so hell als wär es Tag.
Beim nächtlichen Gelag sah sie den Sohn da sitzen,
Den Becher in der Hand von Edelsteinen blitzen,
Sah seine Wangen blühn, und seine Lippen glühn,
Und seine Augen sprühn; ganz war er stolz und kühn;
Wie freut' es sie zu sehn ihr Reis der Hoffnung grün!
Gewachsen schien er ihr selbst in der kurzen Zeit,
Daß sie ihn ausgesandt, an Kraft und Herrlichkeit.
Sie sah auf ihren Sohn umher im Kreiß der Lichter
Gekehrt bekante viel und unbekante Gesichter;
Die alle sah sie hell in heitrer Freude funkeln,
Doch seinen Vater sah sie nebenaus im Dunkeln.
Sie war betrübt, es nam sie Wunder, warum nicht
Rostem zu seinem Sohn vortreten wollt ans Licht.
Doch wie ein Wolkenschaur so flog ihr Gram vorbei;
Sie freute sich, daß nah dem Sohn der Vater sei:
Er würde, wenn er nur säh das Erkennungszeichen,
Dem Sohne freudig nahn und ihm die Hände reichen.
70.
Von Suhrabs Mutter ward inzwischen so geträumt,
Er aber saß beim Fest vergnügt und aufgeräumt.
Er trank, und hieß im Kreiß die Trinkgenoßen trinken;
Zwei aber saßen ihm zur Rechten und zur Linken.
Zur Linken Baruman, den ihm Afrasiab
Aus Turan nicht aus Lieb und nicht zum Heil mitgab;
Zur Rechten aber Send, den hatte mitgegeben
Dem Sohn die Mutter, die ihn liebte wie ihr Leben.
Der war vom Königshaus Semengans ihm ein Vetter,
Und werden sollt er ihm im fremden Land ein Retter.
An allen Gliedern stark war er und hoch von Wuchs,
An allen Sinnen scharf, von Augen wie ein Luchs.
Er sah bei Nacht alswie bei Tag; und zu dem End
Entsendete sie auch mit ihrem Sohn den Send,
Damit, wenn Suhrab nun gekommen in die Nähe
Von Rostem wäre, Send den Vater ihm erspähe.
Er hatte Rostem selbst gesehn an jenem Tag,
Wo in Semengans Schloß er saß beim Gastgelag,
An jenem Abende, wo in der Nacht ihm kam
Tehmina, die als Weib er in die Arme nam.
Den Suhrab zeugt' er ihr, und als der Morgen graute,
Ritt er von dannen, den nie mehr die Gattin schaute.
Nun sandte sie den Sohn, den Vater dort zu schaun,
Und alles sagte sie dem Vetter im Vertraun.
An Suhrabs Seite nun trank er den Wein mit Schweigen,
Und dachte, morgen woll er ihm den Vater zeigen!