Den Namen der Bäuerin will ich aus Mitleid verschweigen. Im Jahre 1876 war sie als 12jähriges Mädchen mit ihren Eltern aus Bosnien nach Slavonien geflohen. Damals waren, wie bekannt, anarchische Zustände in Herceg-Bosna eingerissen. Niemand war seines Lebens sicher. Unsere bosnische Familie fand in einem slavonischen Dorfe bei Bauerleuten Aufnahme. Die alten Leute starben bald und die Waise blieb bei den Gastfreunden im Hause. Sie besuchte drei Jahre lang die Dorfschule und lernte lesen und schreiben. Mit 18 Jahren heiratete sie einen armen Burschen im Dorfe. Da sie eigentlich niemandes Eigentum war, brauchte man sie niemandem abzukaufen. Sie war also eine gute, jedenfalls eine billige Partie. Weil sie aber niemandem angehörte, durfte es sich ihr zärtlicher Ehegespons erlauben, sie aufs jammervollste zu misshandeln. Sie hat ihn dafür zwar kirre gemacht, wie, mag sie selber erzählen:
| Žene su mi kazale pak sam mačiće i ćšeniće[5] palila pak sam čovjeku davala od nužde; jer me je na dan pet [puta] tuko; od nužde i nevolje; pušku je na me okrenijo da me ubije. Onda sam morala ići na sud. Dok smo raspravili, jedno sedam do osam puta sam od njega bižala. Dok me žene nisu na to naputile nije ništa bila asna. Onda me više nikada ni dodijo. J još su me to žene napućivale pak is tri mlina puva, omaje i masti onda kolačiće pekla pa sam mu davala jesti, da je mojemu ditetu bolji. Tijo je na dvi poklupke žege pak je tijo popaliti, a drugog je tijo megju svinje baciti, da ga svinje potrgaju. To je bilo uprav na svetog Mikolu[6]. Kat su mi to žene kazale onda je me bio dobar, al na kratko je živ bio pak je umro. I to ne bi bio radio, al se je sa rogjenom jetrvom držo pak ga je ona na to nagovarala. Onda priko toga svega sam tila sebe i obadvoje dice u Orljavu[da][7] utopim al su me žene odgovarale: nemoj, nego probaj,[8] što sam eto i radila. Onda sam i dva miseca i luda bila, što su njegove švaljerke[9] napravile. Onda sam odala po vračarama; dok sam opet ozdravila izdala sam sve što sam sirotinje imala. | Die Weiber haben (sind) mir gesagt und ich habe (bin) Kätzchen und Hündchen geröstet (gebrannt) und habe (bin) dem Gatten eingegeben vor (von) Not; denn mich hat (ist) er auf den Tag fünf (mal) geschlagen; vor Not und Ungemach. Das Gewehr hat (ist) er auf mich gewendet (gerichtet) damit er mich töte. Dann habe ich (bin) müssen gehen aufs Gericht. Bis wir uns ausgeglichen, einige sieben bis acht mal bin ich von ihm davongelaufen. Bis mich die Weiber nicht haben (sind) auf das (an)gewiesen, nicht ist nichts gewesen (ein) Nutzen. Dann mich mehr niemals nicht (einmal) berührt. Und noch haben (sind) mich dies die Weiber unterrichtet und aus drei Mühlen Staubmehl, Sprühwasser und Fetten, dann kleine Kuchen gebacken und habe (bin) ihm eingegeben [zu] essen, damit [er] sei meinem Kinde besser. Sollen hat [ist] auf zwei Stürze [legen] Glutkohlen und hat (ist) wollen verbrennen, aber den anderen hat (ist) er wollen unter die Schweine werfen, damit ihn die Schweine zerreissen. Dies ist gewesen gerade am heiligen Nikolaus. Als haben [sind] mir dies die Weiber gesagt dann ist [er] mir gewesen gut, doch auf kurze [Zeit] ist [er] lebend gewesen und ist gestorben. Und dies nicht hätte gewesen getan, doch sich hat (ist) mit geborenen Schwägerin gehalten und ihm hat (ist) sie auf dies angeredet. Dann über dieses alles habe (bin) wollen mich (sich) und beide Kinder in der Orljava ersäufen, doch haben (sind) mich die Weiber abgeredet lass, das, sondern versuch, was habe (bin) da siehe auch getan. Dann bin [ich] sogar zwei Monate selbst verrückt gewesen, was haben (sind) seine Buhlinnen gemacht. |
Dann bin [ich] gegangen zu Kräutlerinnen; bis ich bin wiederum gesund geworden, ausgegeben habe (bin) ich alles was ich habe (bin) [an] Armut besessen.
Freie Übersetzung.
Ich lebte mit meinem Manne in Unfrieden. Manchen Tag schlug er mich fünf mal. In meiner schweren Not gab ich meinem Manne auf Anraten der Weiber Kätzchen und Hündchen ein, die ich vorher durch Rösten zubereitete.[10] Im Zorn legte er (einmal) auch sein Gewehr gegen mich an, um mich zu töten. Ich sah mich genötigt, ihn bei Gericht anzuzeigen. Während die Klage anhängig war, behandelte er mich so schlecht, dass ich einige sieben bis achtmal seinetwegen aus dem Hause flüchten musste. Alles Zureden und Bitten blieb vergeblich, bis ich nicht wieder auf Anraten der Weiber mein Heil bei Gericht suchte. Von da ab rührte er mich nicht ein einzigmal mehr an. Ferner haben mich die Weiber auch mit einem Zauber bekannt gemacht, den ich in Anwendung brachte. Ich holte nämlich von drei Mühlen Mehl, welches als Staub in der Malkammer zu Boden fällt, Sprühwasser von den Mühlrädern und Fette, mit welcher die Mühlradachsen eingefettet werden, verbuk diese Sachen in Kuchen und gab sie meinem Manne zu essen, damit er meinen Kindern günstiger geneigt sein möge.[10] Die Kinder konnte er eben nicht ausstehen. So legte er einmal auf zwei irdene Backstürze Glutkohlen, um zwischen den Stürzen das eine Kind zu verbrennen, das andere Kind aber wollte er unter die Schweine in den Saustall werfen, damit es die Schweine zerreissen. Dieser Vorfall trug sich gerade am St. Niklastage zu. Das angegebene Mittel, welches mir die Weiber anzuwenden angeraten, half wirklich und mein Mann wurde mir und meinen Kindern wohlgesinnt, nur lebte er leider nur noch kurze Zeit. Bald darauf starb er. Eigentlich war er von Natur kein gar so bös gearteter Mensch, doch er unterhielt mit seiner leiblichen Schwägerin[11] ein ehebrecherisches Verhältnis, und sie war es, die ihn zu den Gewalttätigkeiten aufstachelte. Als ich auch seinem ehebrecherischem Leben auf die Spur kam, wollte ich aus Verzweiflung mich und meine beiden Kinder im Orljava-Flusse[12] ersäufen, doch redeten mir die Weiber nachdrücklichst davon ab, indem sie mir besagtes Mittel zu versuchen anrieten. »Lass die Selbstmordgedanken,[13] versuch eher die Wirkung unseres Mittels,« sagten sie, und wie bemerkt, befolgte ich ihren Rat. Nach dem Ableben meines Mannes war ich noch zwei Monate wie geistgestört. Das haben mir seine Buhlinnen mit ihren Zaubereien angetan. Ich zog von einer heilkundigen Kräutlerin[14] zur andern, um Heilung zu finden. Als ich endlich wieder zur Gesundheit gekommen, waren aber auch schon alle meine ärmlichen Habseligkeiten draufgegangen.
[1] Der grösste Teil davon entzieht sich der Wiedergabe in einem allgemein zugänglichen Buche. Mit der Publikation begann ich jedoch bereits im III. Band der Anthropophyteia S. 165–168 zur Beantwortung der Umfrage William Godelücks über den Liebezauber der Völker.
[2] Das fehlende Wort ist mir in meiner eigenen Handschrift unleserlich geworden.