Der türkische Einfluss hatte in Siebenbürgen seinen Höhepunkt erreicht. Der Sultan sprach es offen aus, es sei sein Erbland; ebenso unverhohlen erklärten die Stände, dass es nächst Gott von der Bewerbung um die Gunst der Türken abhänge.
Als die siebenbürgischen Stände nach Franz Rhedeis Wahl den Hof in Konstantinopel baten, er möge Rákóczyn wieder seine Gunst zuwenden, sah das Köprülü für Treulosigkeit an und forderte die Grenzfestung Jenö. Rákóczy ergriff die Gelegenheit mit Freuden, erklärte sich zum Verteidiger des Landes und für den rechtmässigen Fürsten und forderte die Ungarn, Szekler und Sachsen zum Kampf gegen die Türken auf. Rhedei rief hierauf einen Landtag nach Mediasch zusammen; an der Spitze von schnell aufgestandenen Szeklerhaufen kam unerwartet auch Rákóczy hin (25. Januar 1658); »ich will Fürst sein oder hier vergehen und mein Leben lassen«, hatte er hingeschrieben; unter drohender Waffengewalt und täglichen Gelagen, die die Betäubung der Sinne bis in die Landtagversammlungen verlängerten, wurde Rákóczy wieder als Fürst anerkannt. Rhedei kehrte auf seine Güter nach Ungarn zurück. Da entbrannte der Zorn der Pforte, der bisher nur Rákóczyn gegolten, auch über das arme Land. Der Grossvezier brach mit hunderttausend Mann auf und lagerte vor Jenö, der Tatarenchan, der Pascha von Silistria, die Vojvoden der Moldau und Walachei fielen anfangs August mit zahllosen Heerhaufen ins Burzenland ein; der Brand von Zaizon und die Plünderung der Siebendörfer verkündeten ihre Ankunft. Silberne Giesskannen und 1 600 Reichtaler wandten im ersten Augenblick den Zorn der feindlichen Häupter von Kronstadt; nachts darauf kaufte der Richter Michael Hermann mit 20 000 Talern die Stadt von Mord und Brand frei. Tartlau, Honigberg, Petersberg wurden verbrannt. Am 11. August brannten die Tataren am hellen Mittag Neustatt und Weidenbach, tags darauf Zeiden und Rosenau nieder; allerorts wurden die Einwohner gefangen, gebunden, misshandelt; wer durch die Schärfe des Schwertes fiel, konnte noch glücklich gepriesen werden. Bei der steinernen Brücke vor Blumenau war Menschenmarkt; um zehn Taler verkauften sie Ältere, um vier Hufeisen war eines Kindes Leben feil; was nicht aufging, wurde in die Sklaverei geschleppt oder in Stücke gehauen. Über den weiteren Verlauf dieser Plünderungen spricht sich Teutsch im gedachten Werke II. 223 ff. aus.
Den Hauptschlag gegen Siebenbürgen führten die Türken im September 1659 aus. Kurz vorher hatte der Vezier von Ofen dem Lande geschrieben: »Gott sei eueren Unternehmungen günstig! Wenn Ihr jedoch auf die truglistigen Worte Rákóczys abfällt, so wird keiner von Euch entkommen; samt Weib und Kind werdet Ihr mit eisernen Ketten an die Sklaverei geschmiedet und alle Eure Güter der Plünderung preisgegeben werden, das glaubet mir sicherlich. Ihr wisst, was im vergangenen Jahr in Siebenbürgen geschehen ist und wisst auch, was der strenge Zorn des mächtigen Kaisers und die Schärfe seines glanzvollen Schwertes bedeutet. So lasset Euch durch die Worte der Teufelsöhne nicht zum Abfall bringen und werdet nicht Urheber der Verwüstung Eures Landes. Unser Segen und Gruss sei mit Euch.«
Im November 1659 wurde Rákóczy bei Déva von Sari Husein, dem Bruder Ziawušpaschas, dem Sandžak von Erlau, und von Sidi Ahmed, dem Statthalter von Ofen, geschlagen, hatte sich nach Szászváros (Broos) geflüchtet, dreitausendsiebenhundert der Seinigen auf dem Kampfplatze, sechzig Fahnen und sieben Feldstücke in der Sieger Hände gelassen. Im folgenden Frühjahre (16. April 1660) wurde Seid Ali zu Adrianopel feierlich als Serdar wider Siebenbürgen eingekleidet, und nach Belgrad mit der Weisung, dort die weiteren Befehle zu erwarten, gesandt, der Zagardžibaschi und fünfzehn Regimenter Janičaren unter seine Befehle gestellt. Rákóczy hatte auf die Nachricht von Sidi Achmeds Anzuge die Belagerung von Hermannstadt aufgehoben und mit Aufgebot aller Waffenfähigen Klausenburg erreicht, wo er zwischen Kapus und Gyalu lagerte. Am rechten Ufer der Szamos, zwischen Klausenburg und Szamosfalva, kam es zur Schlacht, in welcher Rákóczy geschlagen und schwer verwundet, am achtzehnten Tage darnach auf der Burg von Grosswardein starb. Viertausend von Rákóczys Niederlage eingesandter Köpfe wurden zu Adrianopel von Griechen und Armeniern auf Spiessen im Triumphe einhergetragen, vor die Füsse des Grossveziers geworfen, der darüber ritt, und dann den Hunden zum Frass geboten.
Das Lied sang mir am 9. Mai 1885 der Guslar Halil Marić im Dörfchen Ravčići bei Mostar, dem ich auch die erste Fassung des »Fräuleins von Kanizsa« (in Anton Herrmanns Ethnolog. Mitt. aus Ungarn B. IV u. V abgedruckt) verdanke. Dort gab ich auch eine Lebenbeschreibung dieses ausgezeichnet tüchtigen Guslaren. Beim Vortrag rast und tobt er, wie ein Besessener. Er sitzt dabei auf flacher Erde, die Guslen zwischen den Beinen, und rutscht allmählich von der Wand bis zur Zimmermitte vor. Er lebt in solcher Verzückung das Lied förmlich seelisch mit durch. Er kann aber auch ohne solche mimische und Gesangungeheuerlichkeit vortragen. Ich bestellte ihn später nach Mostar, wo ich im Hotel an einem Tische nach unserer Art bequem sitzend ruhige Rezitationen aus seinem Munde aufnahm. Er passt dabei freilich wie ein Haftelmacher auf, um keine Zeile zu überspringen. Džanüms Heerzug erlernte er noch als Knabe (etwa in den Jahren 1830–35) von einem Guslaren, dessen er sich nicht mehr erinnern konnte oder wollte. Er wusste nur soviel noch, dass jener ein Frächter (kiridžija) aus dem Nikšićer Džemat (Bezirk) gewesen, der Erwerbes halber mit seinen Pferden Güter aus Sarajevo nach dem Herzogtume zu befördern pflegte. Ich erzählte Halilen von seinem Kunstgenossen Alija Cigo (Zigeunerlein), einem slavisierten Tataren in Pazarići, der mir das Lied von Köprülüs Vezierschaft gesungen. Er sagte darauf: ‘Ich kenne ihn und kenne das Lied, aber ich wüsste dir noch ein besseres zu singen.’ Er meinte das vorliegende, das ich sodann aufzeichnete. Wahrscheinlich führt auch Halil Alija Cigos Lied im eigenen Vorrat; denn in beiden Stücken decken sich gewisse Redewendungen und Zeilen derart, dass man ohne bestimmte Kenntnis des Sachverhaltes annehmen müsste, dass beide von ein und demselben Guslaren herrühren. Möglich ist’s, dass sowohl Alija der Tatar als Halil Marić den gleichen Guslaren zum »Lehrer« gehabt.
Für Halilen war die Hauptsache in der ganzen Geschichte die aussergewöhnlich grosse Beute und unerhörte Karrière Džanüms. Darnach führt das Lied bei ihm nachfolgenden Titel:
| Buljubaša
Džano primi pô muhura carskog. | Wie Buljukbascha
Džano die Hälfte des Kaisersiegels
erlangte. |
|
Tekla Drina ispod Varadina
|
Es floss die Drina unterhalb Wardeins
|
|
a Dunava ispod Biograda,
|
und unter Belgrad floss der Donaustrom,
|
|
ladna Sava ispot Temišvara.
|
die kühle Save unter Temesvar.
|
|
Tu veziri zimovali zimu
|
Hier hielten Rast im Winter die Veziere,
|
| 5 |
Avdipaša i š njim Seidija.
|
Herr Avdipascha und Herr Seïdi.
|
|
Kat proleće pramaleće dojgje,
|
Als sich der Lenz, der Frühlinganfang
zeigte,
|
|
sva procmilje od Erdelja raja
|
da drang ein Weh von Siebenbürgens Raja
|
|
už koljeno dva vezira mlada.
|
wohl vor die Knie der jungen zwei Veziere.
|
|
Teško raja od Erdelja cvili:
|
Es klagt die Raja schwer von Siebenbürgen:
|
| 10 |
— »Dva vezira, careva
većila!
|
— »O zwei Veziere,
Kaiserstellvertreter!
|
|
što durasmo veće ne moremo
|
was wir ertrugen, nimmer zu ertragen,
|
|
od zuluma Rakocije kralja!
|
an Räuberstreichen König
Rákóczys!
|
|
siće momke a vodi divojke.
|
Er mordet Burschen und entführt die
Mädchen.
|
|
Vet zuluma trpit ne moremo,
|
Schon sind wir satt der Vergewaltigungen;
|
| 15 |
vet nam kakvog adaleta tražte
|
so sucht uns endlich irgend einen Rechtschutz
|
|
od devleta i cara našega!
|
von unserm Kaiser und der Reichverwaltung!
|
|
Ako l nama adaleta nejma
|
Wofern jedoch uns Rechtschutz nicht zu teil
wird
|
|
od našega cara čestitoga,
|
von unsrem Kaiser, mög’ ihn Glück
betreuen,
|
|
hoćemo se i mi odmetnuti,
|
so sehn auch wir gedrängt uns hin zum Abfall
|
| 20 |
ne davati danka ni harača!«
|
und zahlen weder Auflag noch die Steuer!«
|
|
A vele im dva vezira mlada:
|
Zur Antwort drauf die jungen zwei
Veziere:
|
|
— »Hajte doma od Erdelja
rajo!
|
— »Zeuch heim in Frieden
Siebenbürgens Raja!
|
|
pisaćemo Rakociji kralju,
|
wir schreiben schon dem König
Rákóczy,
|
|
nek s ostaje Erdelja i raje.«
|
er geb der Raja Ruh und Siebenbürgen.«
|
| 25 |
Ode jadna od Erdelja raja.«
|
Heim zog beleidet Siebenbürgens
Raja.
|
|
Dva vezira nakitiše nâmu:
|
Die zwei Veziere schrieben nun ein
Schreiben:
|
|
»O ču li nas Rakocija kralju!
|
»O hörst du uns, o König
Rákóczy!
|
|
ostaj nam se Erdelja i raje!
|
gib Frieden Siebenbürgen und der
Raja!
|
|
Ako je se ostanuti ne ćeš
|
Magst du sie nicht in Ruh und Fried
belassen,
|
| 30 |
zadrmaće carevina listom
|
wird auf das ganze Kaiserreich sich
rütteln;
|
|
pa ću tebi udariti spravno,
|
ich werd bereit auf dich den Angriff
machen,
|
|
sa stolice tebe pomjestiti;
|
von deinem Throne dich hinunterschleudern
|
|
goniću te do Kraljova ravna,
|
und hin dich jagen bis zur eb’nen
Karlsburg
|
|
gje no leži do sedam bajloza,
|
allwo den Hof die sieben Fürsten
halten,
|
| 35 |
gje kuveta ot sve sedam kralja.
|
wo aller sieben Herrscher Macht
versammelt.
|
|
Svije ću vas sedam pomjestiti!
|
Euch alle sieben stürz ich von den
Sitzen
|
|
Goniću vas sa Kraljova ravna,
|
und werd euch jagen von der ebenen
Karlsburg,
|
|
sa Kraljova do majdana zlatna,
|
von Karlsburg weiter bis zum Goldgewerke,
|
|
što je majdan svije sedam kralja.
|
zum Goldgewerk von allen sieben
Herrschern.
|
| 40 |
Svije ću vas sedam ufatiti,
|
Ich werd euch alle sieben fangen lassen
|
|
caru vas pekšeš
učiniti!«
|
und unserm Kaiser zum Geschenk euch
weihen!«
|
|
Taku paše nâmu
učiniše,
|
Die Paschas schrieben solcher Art das
Schreiben
|
|
spremiše je Rakociju kralju.
|
und sandten’s ab an König
Rákóczy.
|
|
A kad nâma Rakociju sijgje,
|
Als Rákóczy den Schreibebrief
empfangen —
|
| 45 |
nâmu štije a na nju se smije,
|
las er den Brief und lachte drüber herzlich
—
|
|
Odma drugu sitnu nakitio:
|
schrieb er sofort ein ander feines Briefchen:
|
|
»O čujete dva mlada vezira!
|
»O hört Ihr wohl, o junge zwei
Veziere!
|
|
Eto vama čarovite nâme!
|
Da habt auch Ihr ein buntbeschrieben
Schreiben!
|
|
Raje vam se ostanuti ne ću;
|
Ich lass euch nicht die Raja mehr in
Frieden;
|
| 50 |
zadrmaću svije sedam kralja,
|
aufrütteln werd ich alle sieben
Herrscher
|
|
udariću vami na Mišvara,
|
und werd euch euer Temesvar berennen,
|
|
prifatiću grada Temišvara,
|
und dann die Burg von Temesvar erobern,
|
|
ufatiti oba dva vezira
|
gefangen machen alle zwei Veziere,
|
|
obje paše kâtal
učiniti.
|
und beide Paschas lass ich letzt
erdrosseln.
|
| 55 |
»Otolen ću vojsku okrenuti
|
»Von dorten werd ich meine Heermacht
wenden
|
|
niza zemlju niz Anadoliju,
|
entlang durchs Land, entlang durch
Anatolien,
|
|
vas Anadol prifatiti listom,
|
mit Sack und Pack erobern Anatolien
|
|
ufatiti dvanajes vezira
|
und zwölf Veziere zu Gefangenen
machen
|
|
i mladije deve deribega.
|
neun junge Deribegen auch dazu.
|
| 60 |
Sve ću paše katal
učiniti
|
Erdrosseln lassen will ich alle Paschas,
|
|
i mladije deve deribega.
|
neun junge Deribegen obendrauf!
|
|
»Otolen ću zemlji Tatarhanu,
|
»Dann zieh ins Land ich des
Tatarenchans
|
|
Tatarhan ću prifatiti listom,
|
und nehm’s Tatarenland in Bausch und
Bogen
|
|
tatarskoga cara ufatiti.
|
und fang mir ein den Kaiser der Tataren.
|
| 65 |
»Otolen ću okrenuti vojsku,
|
»Von dorten werd ich meine Heermacht
wenden
|
|
pot Stambol ću isturiti vojsku,
|
und will das Heer gen Stambol rücken
lassen,
|
|
pot Stambola na Silistru carsku,
|
gen Stambol, auf das kaiserlich
Silístra.
|
|
»Pâ ću nâmu sitnu
načiniti,
|
»Sodann verfass ich noch ein zierlich
Briefchen
|
|
pa je caru u Stambolu spremit,
|
und schick es an den Kaiser in Istambol,
|
| 70 |
nek car prtlja is Stambola grada,
|
der Kaiser troll sich aus der
Stambolstadt,
|
|
neka prtlja Šamu i Medini,
|
er troll sich nach Damaskus und Medina,
|
|
gje no je caru djedovina,
|
allwo gehaust des Kaisers Ahnen einst.
|
|
»A, Stambol je naša
postojbina
|
»Doch unsrer Heimat Wiege heisst
Istambol,
|
|
a našega cara Kostadina;
|
der Stammsitz unsres Kaisers Konstantin,
|
| 75 |
jer je Kosta Stambol načinio.
|
denn Konstantin hat Stambol auferbaut.
|
|
»Ako l care isprtljati ne će,
|
»Doch mag sich nicht hinweg der Kaiser
trollen,
|
|
na Stambol ću caru udariti,
|
so greif ich an den Kaiser in Istambol
|
|
a s tachta ću cara pomjestiti
|
und stürze von dem Thron herab den
Kaiser,
|
|
a Stambol ću njemu prihititi!«
|
Istambol aber werd ich ihm
entreissen!«
|
| 80 |
Taku sitnu nakitio nâmu.
|
Er schrieb ein zierlich Briefchen solcher
Art.
|
|
A kad nama Temišvaru sijgje
|
Als nun der Brief nach Temesvar gelangte
|
|
a na ruke dva mlada vezira
|
zu Handen jener jungen zwei Veziere,
|
|
Avdipaše i š njim Seidije,
|
des Avdipascha und des Seïdi,
|
|
dvije paše preučiše nâmu,
|
da lasen beide Paschas durch das Schreiben
|
| 85 |
svojijem se rukam podbočiše,
|
und stützten in die Hüften ihre Arme,
|
|
od očiju suzam oboriše:
|
und Tränen ihren Augen nun entstürzten:
|
|
— »Jadne ti smo ot sat do
vijeka!
|
— »Wir sind von jetzt in Ewigkeit
in Jammer!
|
|
Kako svoje poharčismo glave!
|
Wie haben unsre Köpfe wir verloren!
|
|
Evo rata su sve sedam kralja!
|
Der Krieg ist da mit allen sieben Herrschern!
|
| 90 |
Kako će se do Stambola pisat?
|
Wie lässt sich dies denn nach Istambol melden?
|
|
Ko će caru dževap učiniti?
|
Wer wird dem Kaiser den Bericht erstatten?
|
|
Car će nami glave isijeći!«
|
Der Kaiser wird die Köpf uns
niedersäbeln!«
|
|
U jadu im na um pripanulo
|
In ihrem Leide sie den Einfall hatten,
|
|
te su sitnu nâmu načinili,
|
ein zierlich feines Briefchen zu verfassen
|
| 95 |
spremiše je ka Stambolu gradu.
|
und es nach Stambol in die Stadt zu senden.
|
|
A kad nâma do Stambola sijgje,
|
Und als der Brief gekommen war nach
Stambol,
|
|
namjera je i sreća nanijela
|
so hat es das Geschick und Glück gewollt,
|
|
te najprije zapala u ruke
|
dass er zu allererst gelangt zu Handen
|
|
a turčinu Ćuprilić veziru,
|
des echten Türken Köprülü des
Veziers;
|
| 100 |
a Ćuprilić caru na muhuru!
|
und Köprülü ist Kaisers
Siegelhüter!
|
|
Vezir vidje šta mu nâma
piše,
|
Der Vezier sah, was in dem Brief
geschrieben
|
|
dade nâmu caru na divanu.
|
und legt im Divan vor den Brief dem Kaiser.
|
|
Car čestiti preučio nâmu,
|
Der wackre Kaiser nahm den Brief zur
Kenntnis
|
|
Ćupriliću veli na divanu:
|
und sprach im Divan so zu Köprülü:
|
| 105 |
— Moja lalo Ćuprilić
veziru!
|
»Mein Vezier Köprülü,
getreuer Lala!
|
|
Evo nâme od moga Mišvara,
|
hier dieser Brief aus meinem Temesvar
|
|
od moja oba dva vezira
|
ist ausgestellt von meinen zwei Vezieren
|
|
Avdipaše i ot Seidije.
|
von Avdipascha und von Seïdi.
|
|
Evo rata su sve sedam kralja!
|
Nun gibt es Krieg mit allen sieben Herrschern!
|
| 110 |
Sat što ćemo od života svoga?
|
Was fangen jetzt wir an mit unsrem Leben?
|
|
Kako ćemo pisat dušmaninu?
|
Wie sollen wir dem Erbfeind Antwort
schreiben?
|
|
Ali ćemo Stambol ohaliti
|
Wie, sollen Stambol wir vielleicht verlassen?
|
|
ali ćemo s vlahom zaratiti?«
|
Wie, gar den Krieg beginnen mit dem
Christen?«
|
|
A veli mu Ćuprilić vezire:
|
Doch spricht zu ihm der Vezier
Köprülü:
|
| 115 |
— »Sultan care, mjesta ti
svečeva!
|
— »O Sultan, Herr, beim Sitze des
Propheten!
|
|
Zemlja tvoja a uprava tvoja,
|
Das Land ist dein und dein ist die Verwaltung,
|
|
piši care kako tebi drago!«
|
so schreib denn Kaiser, wie’s dir lieb und recht
ist!
|
|
— »Ćupriliću moja lalo
prva,
|
— »O Köprülü,
zuoberst du mein Lala!
|
|
jesi danas na muchuru mome,
|
heut hältst mir du mein Siegel in
Bewahrung,
|
| 120 |
radi lalo kako tebi drago!
|
drum, Lala, tu nach deiner Lust und Liebe!
|
|
što ti rečeš, car ti poreć ne
će!«
|
Was auch du sagst, der Kaiser dir’s
versagt nicht!«
|
|
Kat to čuo Ćuprilić
vezire,
|
Als dies der Vezier Köprülü
vernommen,
|
|
tad veziru suze poljećeše,
|
entrannen dem Veziere heftig Tränen,
|
|
pola bjele a pola krvave:
|
die Hälfte hell, die andre Hälfte blutig:
|
| 125 |
— »Fala Bogu, care ot
Stambola,
|
— »O Gott sei Dank, o Kaiser von
Istambol,
|
|
kat smo ovog vakta dočekali,
|
dass diese Zeit wir durften noch erleben,
|
|
kad je rata su sve sedam kralja,
|
die Zeit des Kriegs mit allen sieben Königen,
|
|
tebi care hizmet učiniti,
|
um dir, o Kaiser, einen Dienst zu leisten
|
|
dušmanina kàherm učiniti!
|
und unsre Feinde gänzlich zu zertrümmern!
|
| 130 |
Ne daj grada prez mrtvije glava
|
Gib nicht die Festung ohne tote
Schädel,
|
|
nit topova prez grdnije rana!
|
noch die Kanonen ohne grause Wunden!
|
|
Hala u tebe ima kachrimana,
|
Du hast ja Überfluss an solchen Helden,
|
|
što će stati poret sedam kralja,
|
die’s gen die sieben Herrscher nehmen auf,
|
|
kraljevima dževap učiniti!« —
*
|
und Red und Antwort stehn den Herrschern
werden!«
|
| 135 |
Šjede vezir pisati fermana.
|
Gleich fing der Vezier einen Ferman an.
|
|
Šta Ćuprilić kiti u fermanu?
|
Wie schmückt die Reden Köprülü im
Ferman?
|
|
»O čujete oba dva vezira
|
»O hört Ihr wohl, Ihr beiden zwei
Veziere
|
|
ot prostrana carskog Temišvara!
|
vom breiten, kaiserlichen Temesvar!
|
|
eto vami careva fermana
|
da habt Ihr einen kaiserlichen Ferman,
|
| 140 |
a eto vam carski hazan blaga!
|
da nehmt auch hin des Kaisers
Kammerschatz!
|
|
Vi čuvajte dobro Temišvara!
|
Behütet mir aufs beste Temesvar!
|
|
»Ne pustite vi careva grada;
|
»Nur gebt nicht preis die kaiserliche
Festung;
|
|
ak pustite grada Temišvara,
|
wofern Ihr Temesvar die Festung preis
gebt,
|
|
ja ću vaše ubojiti brade.
|
so werd ich euch zum Lohn die Bärte
färben
|
| 145 |
crnom krvi iz vaši vratova!
|
mit eurem schwarzen Blut aus euren
Hälsen!
|
|
»A eto vam jedne vojske brže,
|
»Schon rückt ein Heer zu euch in
Doppelmärschen,
|
|
silne vojske od Urumenlije
|
ein gar gewaltig Heer von
Urumélien,
|
|
i prid vojskom Halilpaše gazi,
|
und Halilpascha Glaubenhort befehligt
|
|
za njim vojske ko na gori lista!
|
das Heer, so zahllos, wie das Laub im
Hochwald!
|
| 150 |
»A ta hoće pod Otoku vojska,
|
»Dies Heer wird unter Szigetvár
sich lagern
|
|
pod Otoku u polje Mišvarsko.
|
um Szigetvár im Temesvargefilde.
|
|
Ongje će se kupit carevina
|
Allda wird sich die Kaisermacht versammeln
|
|
poret sedam vlaškije kraljeva.
|
den sieben Christenherrschern
gegenüber.
|
|
Vi čuvajte dobro Temišvara!
|
Behütet mir aufs beste Temesvar!
|
| 155 |
»Eto vami i još jedne
vojske,
|
»Schon naht euch auch ein ander Heer zu
Hilfe,
|
|
silne vojske od Anadolije
|
ein gar gewaltig Heer von Anatolien
|
|
i pred vojskom dvanajes vezira
|
und an des Heeres Spitze zwölf
Veziere,
|
|
i mladije deve deribega.
|
neun junge Deribegen noch dazu.
|
|
I ta hoće pod Otoku vojska.
|
Um Szigetvár auch dieses Heer sich
lagert.
|
| 160 |
Vi čuvajte dobro Temišvara.
|
Behütet mir aufs beste Temesvar!
|
|
»Eto šaha vam ot Tatarhana
|
»Schon naht der Schāh euch vom
Tatarenlande,
|
|
i za njime listom šahovina.
|
ihm folgt im vollen Lauf das Volk des
Schāhs.
|
|
Vi čuvajte dobro Temišvara!
|
Behütet mir aufs beste Temesvar!
|
|
»Eto vojske ot stojna Misira
|
»Schon naht das Heer vom Ruhmesland
Mizraim,
|
| 165 |
i prid vojskom Fazli paše gazi;
|
voran der Glaubenstreiter Fazli Pascha;
|
|
za njim nije kalabaluk vojske,
|
nicht allzugross ist wohl sein
Heergefolge,
|
|
jer je Misir kraju na ćenaru,
|
denn an des Reiches Grenzen liegt
Mizraim,
|
|
vazda se u njem muhafeza čuva.
|
drum stehn im Lande stets Besatzungheere.
|
|
»Vi čuvajte dobro
Temišvara!
|
»Behütet mir aufs beste
Temesvar!
|
| 170 |
»Eto vami i još vojske
brže,
|
»Schon naht euch schneller noch ein
ander Heer,
|
|
silne vojske od Bosne ponosne
|
ein mächtig Heer vom stolzen
Bosnaland
|
|
i prid vojskom buljubaše
Džane.
|
und vor dem Heere Buljukbascha
Džano.
|
|
»I ta hoće pod Otoku vojska
|
»Auch dieses Heer vor Szigetvár
wird lagern
|
|
poret sedam vlaškije kraljeva.
|
den sieben Christenherrschern
gegenüber.
|
| 175 |
Vi čuvajte dobro Temišvara!
|
Behütet mir aufs beste Temesvar!
|
|
»Et i mene do malo zemana,
|
»Nach kurzer Weile bin auch ich
zur Stelle
|
|
eto mene z butun carevinom
|
herangerückt mit ganzer Kaisermacht
|
|
pod Otoku u polje mišvarsko,
|
ins Temesvargefild bei Szigetvár
|
|
poret sedam vlaškije kraljeva.
|
den sieben Christenherrschern
gegenüber.
|
| 180 |
Vi čuvajte dobro
Temišvara!«
|
Behütet mir aufs beste
Temesvar!«
|
|
Taki vezir ferman nakitio.
|
Der Vezier schmückte solcher Art den
Ferman
|
|
Ferman spremi gradu Temišvaru
|
und sandt ihn nach der Festung Temesvar
|
|
i uz ferman carske hazne blaga.
|
und nebst dem Ferman auch des Kaisers Kriegschatz.
|
|
A kad ferman sijgje Temišvaru,
|
Sobald der Ferman Temesvar erreichte,
—
|
| 185 |
ferman uče dva vezira mlada,
|
die jungen zwei Veziere schaun den Ferman,
|
|
ferman uče, grohotom se smiju
|
sie schaun den Ferman, müssen schallend lachen
|
|
ot šenluka i od rahatluka.
|
vor Freudgefühl und eitel Wohlbehagen.
|
|
Bir se sitan ferman proučio,
|
Kaum dass die beiden Paschas durchgelesen
|
|
dvije paše šenluk
učiniše,
|
den Ferman fein, so gaben sie ein Fest;
|
| 190 |
šenluk čine a topove pale
|
Kanonen donnern und es währt die Feier
|
|
od dne do dne za nedjelu dana.
|
von Tag zu Tag durch einer Woche Tage.
|
|
Sve Ćuprilić kitaše
fermane;
|
Fermane auf Fermane schmückt der
Vezier,
|
|
car čestiti tùre pritiskiva.
|
der Kaiser drückt nur seinen Namen drauf.
|
|
Sve rasturi turajli fermane
|
Verschickt sind alle Namenzugfermane
|
| 195 |
po butun evlećetu carskom.
|
durchs ganze kaiserliche Machtgebiet.
|
|
Rèda dojgje da on ferman sprema
|
Die Reihe kam, den Ferman abzusenden
|
|
u ponosnu Bosnu kalovitu.
|
ins Bosnaland, an Stolz und Kot so reich.
|
|
Šta Ćuprilić kiti u
fermanu?
|
Wie schmückt die Reden
Köprülü im Ferman:
|
|
»O Džanane bosanska gazijo!
|
»O Džanan, Glaubenhort des
Bosnalands!
|
| 200 |
Eto tebi careva fermana.
|
Da hast du einen kaiserlichen Ferman.
|
|
Piši Džano od Bosne
Bošnjakâ
|
Biet, Džano, auf von Bosna die
Bošnjaken
|
|
dvanajs hiljad od Bosne
Bošnjakâ
|
zwölf tausend Mann vom Bosnaland
Bošnjaken,
|
|
po izboru konja i junaka.
|
zu Fuss und Ross nur auserwählte
Mannen.
|
|
Nemoj Džano jedinka u majke,
|
Nur, Džano, nicht den einzigen Sohn der
Mutter,
|
| 205 |
da nas stare ne proklinju majke!
|
damit nicht alte Mütter uns
verfluchen!
|
|
»Vodi vojsku pod Otoku Džano!
|
»Das Heer, o Džano, führ nach
Szigetvár.
|
|
Ongje će se kùpit carevina
|
Es wird sich dort die Kaisermacht
versammeln
|
|
porèt sedam vlaškije
kraljeva.«
|
den sieben Christenherrschern
gegenüber.«
|
|
Taki vezir ferman nakitio
|
Der Vezier schmückte solcher Art der
Ferman,
|
| 210 |
još mu car čestiti turu udario.
|
den Namen drückte drauf der wackre Kaiser.
|
|
Tad mu veli Ćuprilić vezire:
|
Nun sprach zu ihm der Vezier
Köprülü:
|
|
— »Sultan care, iza gore
sunce!
|
— »O Sultan Kaiser, Sonne von den
Bergen!
|
|
da spremimo jednu haznu blaga
|
lass eine Kammer Schätze uns entsenden
|
|
u ponosnu Bosnu kalovitu
|
ins Bosnaland, an Stolz und Kot so reich,
|
| 215 |
megju naše junake Bošnjake;
|
zur Hilf für unsre Helden, die
Bošnjaken;
|
|
jer je zudžut Bosna na ćenaru,
|
denn Notstand ist daheim im Bosnagrenzland;
|
|
jer joj šalješ murtate vezire;
|
stets schickst du hin Verräter als Veziere,
|
|
sve uzeto do gola života!«
|
die rauben alles aus bis auf die Scham!«
|
|
A veli mu care na divanu:
|
Darauf zu ihm der Kaiser spricht im
Divan:
|
| 220 |
— Ćupriliću muhur
sahibija!
|
— »O Köprülü,
Bewahrer meines Siegels!
|
|
Eto hazan a eto ti blaga,
|
da steht die Kammer und da sind dir Schätze,
|
|
moje carstvo a tvoja uprava!
|
das Reich ist mein, doch die Verwaltung dein!
|
|
Spremaj lalo štagod tebi drago!«
|
Schick ab, mein Lala, was dir lieb und recht
ist!«
|
|
Vezir spremi u Bosnu fermana
|
Der Vezier schickt ins Bosnaland den
Ferman,
|
| 225 |
a uz ferman carske hazne blaga.
* * *
|
des Kaisers Kammerschätze nebst dem Ferman.
* * *
|
|
Ode tatar ot Stambola grada,
|
Der Feldtatar verliess die Stadt
Istambol,
|
|
ot Stambola niz Urumenliju.
|
von Stambol zog er durch das Land Rumelien.
|
|
Kudgogj igje na Kosovo sijgje:
|
Sein Weg, wie immer, führt nach Leitengeben,
|
|
sve Kosovo nogam pogazio.
|
das ganze Leitengeben er durchmass.
|
| 230 |
Tatar sijgje šeher Vučitrnu,
|
Der Feldtatar, der kam nach Vučitrn,
|
|
otolena šeher Mitroviću
|
von dorten wandt’ er sich nach Mitrovica,
|
|
a u Banjsku tatar udario
|
dann lenkte der Tatar ins Banjskafeld
|
|
i Banjsku je nogam pogazio:
|
und quer durchmass er auch das Banjskafeld.
|
|
Otolena niz Rogozu ravnu.
|
Und weiter zog er durch das
Schilfgefilde;
|
| 235 |
Tatar sijgje do novog Pazara.
|
dann kam der Feldtatar nach Novi Pazar.
|
|
Otolena niz Bosnu ponosnu;
|
Von dorten zog er durch das stolze
Bosnien;
|
|
svu je Bosnu nogam pregazio.
|
ganz Bosnaland durchmass er in die Quere.
|
|
Ne hće tatar ka Travniku gradu
|
Nicht mochte der Tatar zur Burg von Travnik,
|
|
vet okrenu šeher Sarajevu.
|
er wandte sich vielmehr zur Stadt Sarajvo.
|
| 240 |
A kat tatar Sarajevu dojgje
|
Als da in Sarajevo der Tatare
|
|
pred veliku carevu džamiju —
|
gekommen vor die Grossmoschee des Kaisers —
|
|
istom tatar pred džamiju dojgje,
|
just kam der Feldtatar vor die Moschee, —
|
|
taj je danak petak dnèvi bilo,
|
es war um Mittagzeit an einem Freitag,
|
|
navrvlješe u džamiju turci —
|
es wimmelten die Türken zur Moschee —
|
| 245 |
dok eto ti buljubaše Džane!
|
kam auch des Weges Buljukbascha Džano!
|
|
Na Džananu zelena libada
|
Ein grüner Rock umhüllt den Leib des
Džano,
|
|
a bijela priko pasa brada.
|
es wallt ihm über’n Gurt der weisse
Bart.
|
|
Kad ga tatar očima vidio,
|
Sobald als ihn der Feldtatar erschaute,
|
|
isprid njega na noge skočio,
|
erhob er ehrerbietig sich vor ihm
|
| 250 |
iz džuzdana ferman izvadio.
|
und zog heraus den Ferman aus der Tasche.
|
|
A kad Džanun ferman opazio,
|
Kaum hatte Džanan hier erschaut den
Ferman,
|
|
sedam puta zemlju poljubio,
|
so küsste wohl die Erd’ er siebenmal,
|
|
a dok ferman u ruke jamio.
|
bevor er in die Hand den Ferman nahm.
|
|
Pa rasklopi careva fermana;
|
Entfaltet drauf den kaiserlichen Ferman
|
| 255 |
śjede učit ferman avazile.
|
und liest mit lauter Stimme vor den Ferman.
|
|
Svak sluša, šta im ferman kaže.
|
Ein jeder lauscht, was wohl der Ferman kündet.
|
|
Kat se sitan ferman preučio,
|
Nachdem der feine Ferman ward verlesen,
|
|
svako očim suze oborio,
|
entflossen jedem Tränen aus den Augen,
|
|
a svak Bogu dovu učinio:
|
entrang sich jedem ein Gebet zu Gott:
|
| 260 |
— »Fala Bogu po hiljadu puta
|
— »Gott sei gedankt gar viele
tausendmal,
|
|
kat smo ovog vakta dočekali
|
dass diese Zeit wir durften noch erleben,
|
|
te kat car za nas u Stambolu znade,
|
dass von uns weiss der Kaiser in Istambol,
|
|
te nam sitni dolaze fermani!
|
dass uns beehren zierliche Fermane!
|
|
Kad je rata su sve sedam kralja
|
Nun kommt ’s zum Krieg mit allen sieben
Herschern,
|
| 265 |
pa hoćemo na carevu vojsku,
|
wir sind bereit ins Kaiserheer zu zieh’n
|
|
caru našem hizmet učiniti,
|
und unserm Kaiser einen Dienst zu leisten,
|
|
dušmanina kàher učiniti!«
|
den Feind des Reichs zu Stücken zu
zertrümmern!«
|
|
Bir izišli iz džamije turci
|
Sobald die Türken die Moschee
verlassen,
|
|
odma turci šenluk učiniše.
|
begingen sie sogleich ein Freudenfest,
|
| 270 |
Šenluk čine za nedjelu dana.
|
begingen ’s festlich eine volle Woche.
|
|
Bir izišla nedjelica dana,
|
Kaum war das hohe Wochenfest verflossen,
|
|
śjede Džanun pisati Bošnjake
|
hub Džanan an die Bosner aufzubieten
|
|
po svoj Bosni i Hercegovini.
|
im ganzen Bosna- und im Herzogland.
|
|
Digod koga bjesnijeg znadijaše
|
Wo einen wilden Wehrmann er nur wusste,
|
| 275 |
na nâmu konja i junaka,
|
berühmt zu Ross, berühmt zu Fuss als
Kämpen,
|
|
svakog Džanun na vojsku upisa.
|
jedweden bot Herr Džanan auf zum Heer.
|
|
On ne piše jedinka u majke,
|
Er bot nicht auf der Mutter einzig
Söhnchen,
|
|
da je stare ne proklinju majke.
|
damit dem Heer nicht alte Mütter fluchen.
|
|
Kako koju knjigu opremaše,
|
In jedem Brief, den er ins Land
versandte,
|
| 280 |
svakoj Džanun spominjaše,
|
hob Džanan jedesmal hervor mit Nachdruck,
|
|
da se kupi silovna krajina
|
dass sich die mächtige Grenze sammeln
möge
|
|
na hiseta niže Sarajeva.
|
in Rottenteilen unterhalb Sarajvo.
|
|
Šjedoše se kupiti
Bošnjaci.
|
Es huben an die Bosner sich zu scharen,
|
|
Kupiše se dese, dvanajs dana,
|
in zehn, zwölf Tagen waren sie versammelt
|
| 285 |
kad rekoše da se okupiše.
|
und standen da zur festgesetzten Frist.
|
|
Jednom Džanum uzjaha alata
|
Einmal bestieg Herr Džano seinen
Goldfuchs
|
|
pa eto ga na hiseta sijgje,
|
und ritt hernieder zu den Rottenteilen
|
|
na hiseta u bosansku vojsku
|
ins Bosnaheer, dort zu den Rottenteilen
|
|
pa na saju izvede Bošnjake.
|
und stellte die Bošnjaken auf in
Reih’n.
|
| 290 |
Šjede brojit od Bosne
Bošnjake
|
Hub an vom Bosnaland die Wehr zu
zählen,
|
|
po tamanu dvanajes hiljada.
|
zwölftausend Mannen waren ’s
wohlgezählt.
|
|
Ondak jami punu haznu blaga;
|
Dann nahm er her den vollen Kammerschatz,
|
|
śjede blago po Bošnjacim d’jelit,
|
hub an im Bosnavolk den Schatz zu teilen,
|
|
najboljeme ko i najgoreme,
|
beteilte gleich den besten wie den letzten,
|
| 295 |
najgoreme kako bratu svome.
|
den letzten Mann, als wär ’s sein eigener
Bruder.
|
|
Onda puśća u vojsku telala;
|
Befahl dann einen Herold in das Heer;
|
|
telal mu po ordiji viče:
|
es ruft der Herold durch die Heereshorden:
|
|
— »Nek su hazur konji i
junaci!
|
— »Auf, marschbereit die Reiter
und die Schreiter!
|
|
svak na noge oput i opanke
|
und an die Füsse Riemen und Opanken
|
| 300 |
a prekivaj debele paripe!
|
und an die feisten Klepper Hufbeschlag!
|
|
Jer kad bude noći po akšamu
|
»Den Abends nach dem vierten
Abendbeten,
|
|
hoće sìlna polaziti vojska;
|
da bricht das mächtige Heer zur Wander auf.
|
|
Džanan dnèvi kros Sarajvo ne će,
|
Bei Tage mag Herr Džanan nicht durch Saraj,
|
|
dnevi proći ni provesti vojsku.
|
durchzieh’n bei Tag und nicht das Heer
durchführen.
|
| 305 |
Jer kad dnevno prolazi ordija,
|
»Denn brechen auf bei Tagelicht die
Horden,
|
|
hašikovat momci i djevojke
|
erfacht sich Lieb’ bei Jünglingen und
Mädchen
|
|
hoće njima sevdah ostajati!
|
und Liebeleid verbleibt in ihren Herzen!
|
|
Od sevdaha gorjeg jada nejma,
|
»Kein Leid befällt so schlimm wie
Liebeleiden,
|
|
ni tu bachta u ordiji nejma!«
|
und wo das weilt, da weilt kein Glück im
Lager!«
|
| 310 |
Hazure se konji i junaci,
|
Es rüsten sich die Reiter und die
Schreiter,
|
|
sve na noge obuše opanke,
|
sie stecken an die Füsse sich Opanken
|
|
prekuvaše debele paripe.
|
und ihre feisten Rosse sie beschlagen.
|
|
A kad noći po akšamu bilo,
|
Im Abendwallen war’s, nach dem
Akšām
|
|
dok pukoše dva topa velika.
|
als zwei Kartaunen grossen Schlags erdröhnten.
|
| 315 |
Tada Džanan uzjaha alata,
|
Auf seinen Goldfuchs sich Herr Džanan
schwang,
|
|
razvi mu se do sedam bajraka
|
aufrollten sich um ihn an sieben Fahnen
|
|
a povede do sedam jedeka.
|
und sieben edle Zelter nahm er mit.
|
|
Eto Džane na hiseta sijgje,
|
Da naht schon Džano zu den
Rottenteilen,
|
|
na hiseta u bosansku vojsku.
|
wohl zu den Rotten in das Bosnavolk.
|
| 320 |
Zakleptaše čugljenovi zlatni,
|
Hei! klapperten die goldnen Hammerkolben,
|
|
zalajaše sitni daulbazi,
|
da bellten jach die schrillen Mohrentrommeln,
|
|
zavikaše čaušovi mladi,
|
da scholl Gelärme junger Lagerrufer,
|
|
digoše se u nebo bajraci.
|
da flatterten zum Himmel auf die Fahnen!
|
|
Stade pùka alajli bajraka,
|
Hei! welch Geschwirre von
Gefolgschaftfahnen,
|
| 325 |
stade škripa sitni čelenaka,
|
und welch Geknirsche schlanker Turbanbüsche,
|
|
stade zvèka rata i sehrata,
|
und welch Geklirr von Rossgezeug und Reitern
|
|
stade cika bistra venedika!
|
und welch Geknatter heller Gurtgewehre!
|
|
Stoji vriska átâ i
paripâ,
|
Hei! schallt Gewieher hell von Tross und
Rossen,
|
|
pjevljavina od Bosne Bošnjaka,
|
es hallt Gesang und Klang vom Bosnavolk,
|
| 330 |
na Sarajvu drmaju topovi,
|
dort dröhnt Kartaunendonner auf Sarajvo,
|
|
podbriskuju od Bosne Bošnjaci!
|
drauf tönt Gejauchz empor vom Bosnavolk!
|
|
Ode Džanan i odvede vojsku.
|
So zog Herr Džanan ab mit seinem
Heere;
|
|
Kudgogj igje na Glasince sijgje.
|
sie zogen fort und kamen auf Glasince.
|
|
Tu ga žarko ogranulo sunce.
|
Da war die heisse Sonne aufgestiegen.
|
| 335 |
On pogleda po svojoj družini,
|
Er liess den Blick aufs Heergefolge schweifen,
|
|
nešto mu se društvo porušilo
|
es schien ein wenig das Gefolg verstimmt;
|
|
a prida se oči oborilo.
|
denn jeder schlug betrübt die Augen nieder.
|
|
To Džananu vrlo čudno bilo
|
Das tät den Džanan stark und viel
verdriessen,
|
|
pa zavika Ibru bajraktara:
|
drum rief er seinen Bannerträger Ibro:
|
| 340 |
— »Bajraktare moje dete
drago,
|
— »O Bannerträger, o mein
liebstes Kind,
|
|
de zapjevaj tanko glasovito,
|
o sing einmal hellschmetternd uns ein Lied,
|
|
deder naše razgovori društvo,
|
erheitre fröhlich unsre Krieggefolgschaft;
|
|
zašto nam se porušilo pusto!«
|
denn hier ist trübe Stimmung
eingerissen.«
|
|
Tad zapjeva Ibro bajraktare:
|
Nun sang ein Lied der Bannerträger
Ibro:
|
| 345 |
— »Ostaj z Bogom zemljo Bosno
ravna
|
— »O bleib mit Gott, du eben Land
der Bosna!
|
|
i u tebe šeher Sarajevo,
|
mit Gott in dir die Sarajevostadt!
|
|
u Sarajvu naše tanke kule
|
in Sarajevo unsre schlanken Warten,
|
|
i u kulam ostarjele majke
|
und in den Warten unsre alten Mütter!
|
|
i naše milosnice seke
|
mit Gott! auch unsre herzgeliebten Schwestern!
|
| 350 |
i naše vijernice ljube!
|
mit Gott! auch unsre treuen Ehefraun!
|
|
Mi odosmo na carevu vojsku
|
Wir ziehen fort ins kaiserliche Heer,
|
|
preko Une, preko vode Save
|
die Una überschreiten wir und Save,
|
|
mimo trides i četiri grada,
|
wir ziehn vorbei an dreiundvierzig Burgen
|
|
sedamdese i sedam konaka
|
und halten siebundsiebzig Lagerrasten,
|
| 355 |
dok se sijgje niže Temešvara;
|
und dann erst kommen wir vor Temesvar!
|
|
mi odosmo pram sve sedam kralja!
|
Wir ziehen fort gen alle sieben Herrscher!
|
|
Naše majke ne nadajte nam se!
|
Erhofft nicht, Mütter, unsre
Wiederkehr!
|
|
mile seke ne veselte nam se!
|
O liebste Schwestern, freut euch nicht auf uns!
|
|
v’jerne ljube vi se udajite!
|
Ihr treuen Fraun sucht neuen Ehebund!
|
| 360 |
mi ćemo [se] izženiti amo
|
Wohl werden wir uns hierzuland beweiben
|
|
crnom zemljom i zelenom travom!
|
mit grünem Rasen und mit schwarzem Erdreich!
|
|
Sretnijeg će kuća
pričekati,
|
Wer glücklich fährt, den wird sein
Heim erwarten,
|
|
nesretnjega niggje vigjet ne će!«
|
den Ohneglück erschaut es nimmer
wieder!«
|
|
Istom im se iskahari društvo.
|
Da wurde sein Gefolg erst völlig
traurig,
|
| 365 |
To Džananu vrlo dèspet bilo.
|
und Džanan ganz und gar darob ergrimmt.
|
|
Odma njemu bajrak izmaknuo
|
Sofort entriss er ihm die Heeresfahne
|
|
pa ga dade krajèm sebe drugu,
|
und übergab dem Freund sie an der Seite,
|
|
svomu drugu Hasan odobaši.
|
wohl seinem Krieggenossen Hauptmann Hasan.
|
|
Onom Džanan ćèhru
udario:
|
Doch jenem schlug ums Maul er eine
Schelle:
|
| 370 |
— »Šta uradi božji
nesretniče!
|
— »Was tatst du da, du Gottes
Unglückmensch!
|
|
a šta naše okahari društvo!
|
was machtest du betrübt uns die Gefolgschaft!
|
|
Hajde doma božji nesretniče
|
So troll dich heim, du Gottes Unglückmensch
|
|
pa ti ljubi na dušeku ljubu!«
|
und kos mit deinem Liebchen auf dem Kissen!«
|
|
Vjera i Bog Sarajvu ga vrati!
|
Bei Gott und Treu, er jagt ihn heim nach
Saraj!
|
| 375 |
Tad tapjeva buljubaša Džanan:
|
Nun sang ein Liedchen Buljukbascha Džanan:
|
|
— »Ostaj z Bogom zemlja Bosno
ravna
|
— »O bleib mit Gott du eben
Bosnaland!
|
|
i u tebi šeher Sarajevo
|
mit Gott! in dir die Sarajevostadt,
|
|
i po njemu naše tanke kule
|
darinnen unsre schlanken Warten stehn,
|
|
iz okala plotom opletene
|
die rund umflochten sind mit Zaungeflecht
|
| 380 |
a ozgara slamom pokrivene,
|
und obenauf mit Stroh sind überdacht,
|
|
i u kulam vijernice ljube!
|
und in den Warten unsre treuen Fraun!
|
|
One nose do koljena sukno,
|
Sie tragen bis zum Knie herab ein Tuch,
|
|
jednu kravu niza kule muze
|
sie melken vor den Warten eine Kuh,
|
|
a što hrani bijesna junaka,
|
die pappelt einen wilden Helden auf,
|
| 385 |
â junaka za vakoga dana
|
den Helden wohl für einen solchen Tag!
|
|
Ovnovi se hrane za kurbana,
|
Man füttert Widder für den
Opfertisch,
|
|
dobri konji za duga mejdana
|
die guten Renner für die lange Bahn,
|
|
a junaci za vakije danâ!
|
die edlen Helden nur für solche Tage!
|
|
Mi odosmo na carevu vojsku
|
Wir zogen fort zum kaiserlichen Heer
|
| 390 |
mimo trides i četeri grada
|
an vierunddreissig Burgen wohl vorbei
|
|
sedamdese i sedam konaka
|
und halten Rast an siebnundsiebnzigmal
|
|
dok se sijgje niže Temišvara.
|
bevor wir langen an vor Temesvar.
|
|
Mi odosmo pram sve sedam kralja!
|
Gen alle sieben Herrscher ziehn wir los!
|
|
Ako nami Bog i sreća dade,
|
Wenn uns gewogen Gott ist und das
Glück
|
| 395 |
te mi vlahu sablju udarimo,
|
und wir die Christen kleben an das Schwert,
|
|
barem ćemo dobro śićariti
|
so machen wir doch gute Beute noch,
|
|
kàzam màta kaurskoga posta!
|
beim Kafirfasten Baszam atta ja!
|
|
Pa mi Bosni kalovitoj sići,
|
Dann kehren wir ins kotige Bosna heim
|
|
pa mi tanke kule pograditi,
|
und bauen unsre schlanken Warten auf,
|
| 400 |
našim ljubam skrojit anterije!
|
und schneiden unsren Frauen Mäntel zu!
|
|
Ako l nami vakt i sahat dojgje
|
Und wenn uns einst das letzte Stündchen
naht,
|
|
te pomremo niže Temišvara,
|
und wir versterben unter Temesvar, —
|
|
svakako je jednom umrijeti.
|
nun, sterben muss man jedenfalls einmal!
|
|
Ja, šta junak ne žaliti ne
ću?
|
Muss ich, ein Held, beklagen gar kein
Leid?
|
| 405 |
Ostala mi u Sarajvu kula;
|
Die Warte blieb in Saraj mir zurück;
|
|
tri su joj se oborile ćoše
|
drei Ecken erst sind wohl ihr eingestürzt,
|
|
a četvrta sohom podaprta.
|
doch ist die vierte mit Gebälk gestützt!
|
|
Oko kule niggje ništa nejma,
|
Rund um die Warte nirgend nichts zu sehn:
|
|
koza bara i ćorava gara,
|
die Gais Mekmék, dazu ein blind
Blöckblöck,
|
| 410 |
seka Ajka i starica majka,
|
die Schwester Puter und betagt die Mutter,
|
|
kvočka kokoš i troje pilićâ.
|
drei junge Küchlein und die Gluck
Gluckglúck!
|
|
Bog ubijo iz planine orla!
|
O töte Gott den Aar vom Hochgebirg!
|
|
odnese mi kvočku ot pilića,
|
er trug mir von den Küchlein fort die Gluck
|
|
ostade mi troje siročadi!
|
drei arme Waislein blieben mir zurück!
|
| 415 |
Toga jedan žalim u Sarajvu!«
|
Ach! dies allein beklag’ ich in
Sarajvo!«
|
|
Kad to čula Džanina
družina,
|
Als Džanans Heergefolge dies
vernommen,
|
|
sve vrisnulo, puške zapalilo,
|
aufjauchzten alle, knallten aus den Flinten
|
|
sve dva i dva zapjevaše zajdno:
|
und sangen je zu zwei und zwei zusammen:
|
|
— »Baš je nako kako
Džanun
|
— »So, traun, ist’s wahr,
wie Džanan singt
|
|
kaže!«
|
und sagt!«
|
| 420 |
Ode Džanun i odvede vojsku
|
So zog Herr Džanan ab mit seinem
Heere,
|
|
mimo trides i četiri grada!
|
er zog vorbei an vierunddreissig Burgen
|
|
sedamdese učini konaka.
|
und hielt an siebnundsiebzig Lagerrasten.
|
|
Sijgje Džanun niže
Temišvara
|
Es kam Herr Džanan unter Temesvar
|
|
na Koviju zelenu planinu;
|
auf Kóvija, das grüne Hochgebirge,
|
| 425 |
otalen se vidi pod Otoku.
|
von wo der Ausblick bis gen Szigetvár.
|
|
Kad vidješe od Bosne
Bošnjaci
|
Als die Bošnjaken von dem
Bosnaland
|
|
u polju silovitu vojsku,
|
im Felde dort das mächtige Heer erblickten,
|
|
tad vrisnuše, puške zapališe.
|
da jauchzten sie und knallten aus den Flinten.
|
|
Začula ji careva ordija;
|
Wie dies die kaiserlichen Horden
hörten,
|
| 430 |
svak se tomu čudu začudijo,
|
bass tat ein jeder sich darob verwundern,
|
|
kakav je ono adet u Bošnjakâ.
|
was dies für neuer Brauch im Bosnavolk?
|
|
Odma sokak kroz ordiju grade
|
Sie bauen gleich durchs Lager eine Gasse,
|
|
kraj čadora paša i vezirâ
|
knapp am Gezelt der Paschas und Veziere,
|
|
kut će proći od Bosne Bošnjaci.
|
wo’s Bosnavolk zu defilieren hat.
|
| 435 |
Kad u polje sijgjoše
Bošnjaci,
|
Als ins Gefild das Bosnavolk gestiegen,
|
|
Džanan viče svojim
Bošnjacim:
|
beriet Herr Džanan seine Bosnamannen:
|
|
— »Djeco moja od Bosne
Bošnjaci!
|
— »O meine Kinder, Bosner von der
Bosna!
|
|
kad udremo kroz ordiju carsku,
|
wann wir durchs kaiserliche Heer marschieren,
|
|
svaki dobru ćèru izgubite
|
verlier’ ein jeder seine gute Laune
|
| 440 |
a preda se oči oborite;
|
und schlag als wär’s im Trotz die Augen
nieder.
|
|
Ovaki ćemo adet zametnuti!«
|
Lasst uns mit solchem neuen Brauch beginnen!«
|
|
Kad udriše kroz ordiju carsku,
|
Als sie durchs kaiserliche Heer
marschierten,
|
|
svaki dobru ćèru izgubio.
|
verlor ein jeder seine gute Laune.
|
|
Svak se tomu čudu začudio
|
Darüber tat sich alles bass
verwundern,
|
| 445 |
kakav je ovo adet u Bošnjaka?
|
was dies für neuer Brauch im Bosnavolk?
|
|
Kad najaha buljubaša Džano,
|
Als Buljukbascha Džano kam geritten
|
|
selam pašam dade i vezirim
|
begrüsst’ er wohl die Paschas und
Veziere,
|
|
a s pašam se zagrljaše, ljubi.
|
die Paschas aber küsst er noch umhalsend.
|
|
Tu ga paše suval
učiniše:
|
Nun stellten ihm die Paschas eine Frage:
|
| 450 |
— »O Džanane bosanska
gazijo!
|
— »O Džanan, Glaubenshort
vom Bosnaland!
|
|
kakav je ono adet u Bošnjaka?
|
was ist das für ein Brauch im Bosnavolk?
|
|
Kad vi biste na Kovij planinu
|
Als Ihr auf Kovij dem Gebirge waret,
|
|
što vrisnuste, puške zapaliste?
|
was jauchztet Ihr und knalltet aus den Flinten?
|
|
Kakav je ono adet u Bošnjaka?«
|
Was ist das für ein Brauch im
Bosnavolk?«
|
| 455 |
— »Onaki je adet u
Bošnjakâ;
|
— »Das ist schon so ein Brauch im
Bosnavolk;
|
|
kad vide silovitu vojsku
|
wann sie ein so gewaltig Heer erschauen
|
|
i u polju čadore popete
|
und im Gefild die aufgeschlag’nen Zelte
|
|
i alajli bajrake razvite,
|
und aufgerollte Rottenfahnen flattern,
|
|
srcu svome odoljet ne mogu,
|
da überwältigt sie ihr jubelnd Herz,
|
| 460 |
nego vrisnu a puške zapale!«
|
sie jauchzen auf und knallen aus den
Flinten!«
|
|
— »O Džanane bosanska
gazijo!
|
— »O Džanan, Glaubenshort
vom Bosnaland!
|
|
Ongje bjehte šèno i veselo;
|
Dort wart Ihr wohlgemut und guter Dinge;
|
|
kad udriste kroz ordiju carsku
|
doch auf dem Durchzug durch das Heer des Kaisers
|
|
što si naku ćehru
izgubili?«
|
verlort Ihr ganz und gar die gute Stimmung?!«
|
| 465 |
— »Vjera j Bog paše i
veziri!
|
— »Bei Gott und Treu’, Ihr
Paschas und Veziere!
|
|
kad u polje sijgjoše Bošnjaci,
|
als ins Gefild die Bosner niederstiegen,
|
|
ugledaše silovitu vojsku,
|
erblickten sie das mächtig grosse Heer,
|
|
odjevene konje i junake
|
die Renner und die Helden ausgerüstet,
|
|
i svilene čadore popete,
|
dazu die aufgeschlag’nen seidnen Zelte,
—
|
| 470 |
zacviliše od Bosne Bošnjaci:
|
da brachen aus in Weh’ die Bosnamannen:
|
|
»Vidi klete careve ordije,
|
»Schau das verfluchte kaiserliche Heer
an,
|
|
odjevena konja i junaka!
|
die Renner und die Helden wohl
gerüstet!
|
|
Kako ćemo jadni vojevati?
|
Wie sollen wir, die Ärmsten, in den
Krieg?
|
|
Sedamdese i sedam konaka,
|
Wir hielten siebnundsiebzig Lagerrasten
|
| 475 |
dok smo došli niže
Temišvara!
|
eh’ wir ins Feld von Temesvar
gelangten.
|
|
Nijedan nejma pare ni dinara,
|
Wir haben keiner einen baren Heller
|
|
da potkuje pot sobom paripa!
|
auf Hufbeschlag fürs Ross, auf dem wir
reiten!
|
|
Kako ćemo jadni vojevati,
|
Wie sollen wir, die Ärmsten, in den
Krieg,
|
|
jer je zudžut Bosna na
ćenaru!«
|
denn blutig arm ist an der Grenze
Bosnien!«
|
| 480 |
Kat to čùše paše i
veziri,
|
Als dies die Paschas und Veziere
hörten,
|
|
darovaše od Bosne Bošnjake:
|
beschenkten sie die Bosner von der Bosna:
|
|
svakom drugu po devet cekina
|
je neun Dukaten jedem Krieggenossen,
|
|
a Džananu nebrojeno blago.
|
Herrn Džanan aber ungezählte Schätze.
|
|
Još mu vele paše i veziri:
|
Noch sagen ihm die Paschas und Veziere:
|
| 485 |
— »Hajde Džano bosanska
gazijo,
|
— »Geh’ Džanan,
Glaubenshort vom Bosnaland,
|
|
gledaj mjesta niže Temišvara
|
such einen Lagerplatz bei Temesvar,
|
|
gje ćeš svoju oturisat vojsku!«
|
wo lagern du mit deinen Truppen kannst!«
|
|
Džanan dobra uzjaha alata,
|
Es schwang sich Džanan auf den braven
Goldfuchs,
|
|
brže stiže od Bosne Bošnjake
|
erreichte flugs die Bosner von der Bosna
|
| 490 |
pa provede od Bosne Bošnjake
|
und führte durch die Bosner von der Bosna
|
|
mimo butun carevu ordiju
|
hindurch durchs ganze kaiserliche Heer
|
|
na kraj ravna polja mišvarskoga
|
ans End’ vom eb’nen Temesvargefilde
|
|
na menzila halkali topovâ
|
grad in den Schussbereich der Feldkartätschen
|
|
ubojita ljutoga Madžara.
|
der grimmigen magyárischen Todverbreiter.
|
| 495 |
Ongje Džanan oturisa vojsku.
|
Hier schlug Herr Džanan auf sein
Truppenlager.
|
|
Čudi mu se sìla i ordija:
|
Drob wundert sich die ganze Macht des Heeres:
|
|
— »Bošnjačine
čudne mahnitine!
|
— »Sind doch die Bosnarecken
tolle Kerle!
|
|
gje ono malo provede ordije!
|
wohin er seine handvoll Leut’ geführt!
|
|
noćas će ji’ Madžar pozobati,
|
Es frisst sie der Magyar zu Nacht mit Himbeern,
|
| 500 |
pozobati noćas is topovâ!«
|
er frisst sie nachts mit Himbeern aus
Kartätschen!«
|
|
Tuka Džanan nojcu prenoćio.
* * *
|
Herr Džanan blieb zu Nacht an diesem
Ort.
* * *
|
|
Kat s u jutro osvanulo bilo,
|
Am Morgen als der Morgen angetagt
|
|
žarko ogranulo sunce,
|
und aufgestiegen war die heisse Sonne
|
|
stade u crnoj zemlji tutnjavina
|
vernahm man aus der schwarzen Erd’
Getöse
|
| 505 |
a u vedru nebu pucljavina,
|
und von dem klaren Himmelblau Geknatter,
|
|
sve na gori zaigralo lište.
|
aufrauschte spielend alles Laub des Hochwalds.
|
|
Bože mili, šta bi ono bilo?
|
Du lieber Gott, was mag das wohl besagen?
|
|
ali trže muhur sahibija
|
Ei, plötzlich rückt herbei der
Siegelhüter,
|
|
i za njime ide carevina.
|
es folgt ihm auf dem Fuss die Kaisermacht.
|
| 510 |
Bir Ćuprilić pod Otoku dojgje,
|
Kaum kam vor Szigetvár Herr
Köprülü
|
|
odma vezir divan sastavio,
|
berief er schon als Vezier ein den Divan;
|
|
a stale mu paše na divanu.
|
es stellten sich die Paschas ein zum Divan.
|
|
Ćuprilić je suval učinio:
|
Herr Köprülü, der legte vor
die Frage:
|
|
— »O čujete paše i
veziri!
|
— »Vernehmt nun wohl Ihr Paschas
und Veziere!
|
| 515 |
Evo danas niže Temišvara,
|
Am heutigen Tag und unter Temesvar
|
|
evo leži butun carevina
|
hat sich gelagert das gesamte Reich
|
|
poret sedam butun kraljevina.
|
genüber all den sieben Königreichen!
|
|
Daj mi sada tertib tertibite,
|
Entwerft mir nun den Plan für Schlacht und
Krieg,
|
|
kako će se njima udariti?«
|
wie sollen wir gen sie den Angriff wagen?«
|
| 520 |
Sve mu paše šute na divanu.
|
Es schweigen alle Paschas still im Divan,
|
|
Ope, viče muhur sahibija.
|
Und wieder schreit der Siegelhüter auf:
|
|
— »Jà mi sada tertib
učinite
|
— »Entweder macht ihr jetzt den
Schlachtenplan,
|
|
kako će se njima udariti,
|
wie wir auf sie den Angriff wagen sollen,
|
|
jà ću vaše glave
isijeći!«
|
wo nicht, so säbl’ ich Eure Köpf
herunter!«
|
| 525 |
Sve mu paše na divanu cvile:
|
Es klagen ihm im Divan alle Paschas:
|
|
— »Ćupriliću muhur
sahibija,
|
— »O Köprülü,
Bewahrer von dem Siegel!
|
|
daj nam muchlet za tri dana bila,
|
Drei weisse Tage bloss gewähr Bedenkzeit,
|
|
jà ćemo ti tertib učiniti,
|
entweder schaffen wir bis dann den Kriegplan,
|
|
jà je rèda zdravo umrijeti!«
|
wo nicht, so gilt’s gesunderheit
versterben!«
|
| 530 |
Muchlet dade za tri bjela dana.
|
Drei weisse Tage liess er zu Bedenkzeit.
|
|
Eto pašâ do svoji’
čadorâ;
|
Die Paschas eilten schnell zu ihren
Zelten;
|
|
svaki paša dobavlja telala.
|
ein jeder Pascha holt herbei den Herold.
|
|
Paše daju nebrojeno blago,
|
Die Paschas bieten ungezählte
Schätze,
|
|
konje daju a ratove daju,
|
sie bieten Rosse, bieten Rossgezeuge,
|
| 535 |
ne bi li se junak nalazio,
|
ob wohl ein Held im Heere sich erfände,
|
|
Ćupriliću tertib učinio,
|
für Köprülü den Schlachtenplan zu
machen,
|
|
kako će se njima udariti.
|
wie gen den Feind der Angriff wär zu wagen.
|
|
Sve telali po ordiji viču
|
Es schallt das Heroldrufen durch die
Horden
|
|
za dva bila pres promine dana
|
zwei volle weisse Tag ohn Unterlass,
|
| 540 |
i dvi mrkle noći strahovite,
|
zwei dunkle, schreckenbange Nächt hindurch,
|
|
a junak se naći ne mogaše!
|
doch wollt der weise Held sich nimmer finden!
|
|
Dok eto ti jednoga telala
|
Letzt kommt dir auch ein Herold
hingestiegen
|
|
preko polja u bosansku vojsku.
|
weit übers Blachgefild ins Bosnavolk.
|
|
Šjede telal po ordiji vikat;
|
Es schallt der Ruf des Herolds durch die
Horde,
|
| 545 |
sve ga sluša pot čadorom Džano,
|
es hört ihn auch Herr Džanan unterm
Zelte,
|
|
sve ga sluša grohotom se smije:
|
so fort und fort, und lacht darüber schallend!
|
|
— »Mili Bože čuda
golemoga!
|
— »O lieber Gott, welch ein
gewaltig Wunder!
|
|
Evo u polju leži carevina
|
Da liegt im Feld die ganze Kaisermacht,
|
|
a pred njima muhur sahibija!
|
dazu als Feldmarschall der Siegelhüter!
|
| 550 |
Evo imadu tri bijela dana
|
Drei weisse Tage sind nun hingeflossen,
|
|
kako telali po ordiji viču,
|
dass durch die Horden Heroldrufe hallen,
|
|
ne bi li se junak nalazio,
|
ob wohl ein Held im Heere sich erfände,
|
|
Ćupriliću tertib učinio,
|
für Köprülü den Schlachtenplan zu
machen,
|
|
kako će se udariti vojsci,
|
wie gen den Feind der Angriff wär zu wagen
|
| 555 |
a junak se naći ne mogaše!
|
doch wollte sich ein solcher Held nicht finden!
|
|
Evo u mene mojije’
Bošnjaká
|
Da hab ich mein getreues Volk der Bosna,
|
|
â Bošnjaka dvanajes hiljada,
|
zwölf tausend auserwählte Bosnamannen,
|
|
svaki mi je danas za tertiba;
|
heut gilt mir jeder einen Schlachtenplan,
|
|
svaki bi mu tertib učinio
|
ein jeder könnt ihm einen Plan entwerfen,
|
| 560 |
kako će se njima udariti!«
|
wie gen den Feind der Angriff wär zu
wagen!«
|
|
To začuše od Bosne
Bošnjaci:
|
Dies hörten auch die Bosner von der
Bosna:
|
|
— »Naš Džanane,
naša mila majko!
|
— »O unser Džanan, unsre
liebste Mutter!
|
|
Ti uzjaši široka alata
|
Du schwing hinauf dich auf den breiten Goldfuchs
|
|
pa ti hajde u ordiju carsku
|
und geh du in die kaiserliche Horde,
|
| 565 |
Ćupriliću učinit tertiba;
|
dem Köprülü den Schlachtenplan
entwerfen;
|
|
a ne pušti gotovoga blaga,
|
lass nur den Barschatz nimmer uns entweichen,
|
|
što ga paše i veziri daju!
|
das Angebot der Paschas und Veziere!
|
|
Nosi blago svojim Bošnjacim
|
Schlepp her die Schätze für dein
Bosnavolk,
|
|
pa ćeš moći š njima
vojevati!«
|
dann kannst mit jenen leicht den Krieg du
führen!«
|
| 570 |
Ode Džanan u ordiju carsku
|
Ins kaiserliche Heer begab sich
Džanan
|
|
do čadora Ćuprilić vezira.
|
zum Zelte hin des Vezier Köprülü.
|
|
Kad veziru pot čadora dojgje
|
Als er zum Vezier unters Zelt gekommen,
|
|
Ćupriliću etek poljubio.
|
so küsst den Kleidersaum er
Köprülü.
|
|
Śjede vezir krajem sebe Džanu,
|
Der Vezier setzte Džano sich zur
Seite;
|
| 575 |
pa mu veli Ćuprilić vezire:
|
dann sprach zu ihm der Vezier Köprülü:
|
|
— »O Džanane bosanska
gazijo!
|
— »O Džanan, Glaubenhort vom
Bosnaland!
|
|
bi l umijo tertib tertibiti?
|
wärst du im Stand den Kriegplan zu entwerfen?
|
|
kako će se vojsci udariti?«
|
wie auf den Feind der Angriff wär zu
wagen?«
|
|
— »Ćupriliću muhur
sahibija!
|
— »O Köprülü,
Bewahrer von dem Siegel!
|
| 580 |
ako mene pitaš za tertiba,
|
befragst du mich um einen Schlachtenplan,
|
|
ja ću tebi tertib učiniti.
|
so will ich einen Plan dir auch entwerfen.
|
|
Evo u mene mojije’ Bošnjaka,
|
Da hab ich mein getreues Volk der Bosna,
|
|
Bošnjaka dvanajes hiljada.
|
zwölf tausend auserwählte Bosnamannen.
|
|
Ja ću udriti na ljuta Màdžara,
|
Ich greif dir an den grimmigen Magyaren,
|
| 585 |
na šes stotin halkali topova
|
sechshundert Feldkartätschen greif ich an,
|
|
pa što meni Bog i sreća dade!
|
und was mir Gott und was das Glück beschert!
|
|
Sve ostale paše i veziri
|
Doch all die andern Paschas und Veziere
|
|
nek udare Rakociju kralju!
|
losstürmen lass gen König
Rákóczy!
|
|
Ti veziru na Kraljevo ravno
|
Du Vezier selber gen die ebne Karlsburg,
|
| 590 |
gje kuhvetu ot sve sedam kralja.
|
allwo die Macht von allen sieben Königen;
|
|
I jes’ vazda muluć na muluća.
|
denn immer galt’s ‘der König gen den
König’!
|
|
Eto sam ti tertib učinio!«
|
Nun hab ich dir den Schlachtenplan
entworfen!«
|
|
Vezir Džanu po plećima rukom:
|
Der Vezier klappt Herrn Džanan auf die
Schultern:
|
|
— »Haj aferim bosanska
gazijo!«
|
— »Ei wacker! Glaubenhort vom
Bosnaland!«
|
| 595 |
I zlatan mu hilet prigrnuo.
|
Und hüllt ihm um den goldenen Überwurf.
|
|
Ope Džano govori veziru:
|
Und wiedrum spricht Herr Džano zum
Vezieren:
|
|
— »Evo jesmo tertib
učinili,
|
— »Nun hätten wir den
Schlachtenplan entworfen.
|
|
kolko ćemo muchlet ostaviti?
|
Wie lange lassen wir noch Rastezeit?
|
|
a kat ćemo vojsci udariti?«
|
wann soll der Angriff auf das Heer erfolgen?«
|
| 600 |
A rekoše do tri dana bila,
|
Da gaben sie drei weisse Tage Raum
|
|
dok počinu konji i junaci,
|
zur Rast und Ruh der Rosse und der Kämpfer,
|
|
dok na noge naopute opanke
|
bis an die Füsse sie Opanken legen
|
|
a prekuju debele paripe.
|
und ihrer feisten Rosse Huf beschlagen.
|
|
Eto Džane do alata svoga
|
Da ist schon Džanan auch bei seinem
Goldfuchs
|
| 605 |
i čadora pašâ i vezirâ.
|
und beim Gezelt der Paschas und Veziere.
|
|
Paše daju nebrojeno blago,
|
Die Paschas schenken ungezählte Schätze,
|
|
konje daju a ratove daju.
|
sie schenken Rosse, schenken Rossgezeuge.
|
|
Džanun konjâ ni ratova ne
će
|
Nicht Rosse mag Herr Džanan noch
Gezeuge,
|
|
te prihfaća gotove cekine,
|
er greift nur nach den baren Golddukaten,
|
| 610 |
pa eto ga u bosansku vojsku.
|
und flugs zurück zu seinem Bosnavolk.
|
|
Pade Džanun pot čadora svoga.
|
Nun trat Herr Džanan unter sein
Gezelt.
|
|
K njem dolaze gazije Bošnjaci:
|
Es kommen hin zu ihm die
Bosnakämpfer:
|
|
— »Naš Džanane,
naša mila majko!
|
— »O unser Džanan, unsre
liebste Mutter!
|
|
učini li tertib Ćupriliću?
|
hast du dem Köprülü den Plan
entworfen?
|
| 615 |
kako će se vojsci udariti?«
|
wie soll man gen den Feind den Angriff
machen?«
|
|
— »Ja učini’ tertib
Ćupriliću
|
— »Dem Köprülü
entwarf ich einen Schlachtplan
|
|
kako će se vojsci udariti.«
|
wie auf den Feind man soll den Angriff
machen!«
|
|
— »Kog si sebi odredio
Džano?
|
— »Wen, Džano, hast für
dich du vorbehalten?
|
|
kome ćeš udarit z
Bošnjaci?«
|
Gen wen wirst du mit den Bošnjaken
stürmen?«
|
| 620 |
— »Moja djeco, na ljuta
Madžara,
|
— »O Kinder, gen den grimmigen
Magyaren,
|
|
na šes stotin halkali topova,
|
sechshundert Feldkartätschen anzugreifen,
|
|
pa što nami Bog i sreća dade!
|
und, was uns Gott und was das Glück beschert!
|
|
Sve ostale paše i veziri,
|
Doch all die andern Paschas und Veziere,
|
|
da udare Rakociju kralju
|
sie stürmen los gen König
Rákóczy,
|
| 625 |
a Ćuprilić na Kraljevo ravno
|
und Köprülü, der soll zur ebnen
Karlsburg,
|
|
gje kuhveta ot sve sedam kralja.
|
allwo die Macht von allen sieben Königen;
|
|
I jes’ vazda muluć na
muluća.«
|
denn immer galt’s: ‘der König gen den
König’!«
|
|
— »O naš Džano,
naša mila majko!
|
— »O unser Džano, unsre
liebste Mutter!
|
|
kat si tako tertib učinio,
|
nachdem du solchen Schlachtenplan entworfen,
|
| 630 |
koliko ste muchlet ostavili
|
wie lange habt Ihr Rastezeit gelassen?
|
|
a kat će se vojsci udariti?«
|
wann soll der Angriff auf das Heer erfolgen?«
|
|
— »Djeco moja, do tri dana
bila,
|
— »Drei weisse Tage, meine lieben
Kinder,
|
|
dok počinu konji i junaci,
|
zur Rast und Ruh der Rosse und der Kämpfer,
|
|
dok na noge naopute opanke
|
bis an die Füsse sie Opanken legen
|
| 635 |
a prekuju debele paripe!«
|
und ihrer feisten Rosse Huf beschlagen!«
|
|
A veli mu Hasan bajraktare:
|
Da spricht zu ihm ein Wort der Fähnrich
Hasan:
|
|
— »Kat si nami odredio
Džano,
|
— »Weil, Džano, du für
uns hast vorbehalten,
|
|
odredio ljutoga Madžara,
|
den grimmigen Magyaren vorbehalten,
|
|
hazur su nam konji i opanci.
|
sind auch bereit schon Renner und Opanken.
|
| 640 |
Da mi njemu noćas udarimo,
|
Lass uns noch heute Nacht den Angriff wagen,
|
|
pa što nami Bog i sreća dade!«
|
und, was uns Gott und was das Glück
gewährt!«
|
|
Njega Džanun po plećima
tuče:
|
Herr Džanan klappt ihm fröhlich auf
die Schultern:
|
|
— »Haj aferim Hasan
bajraktare,
|
— »Ein wacker Wort gesprochen,
Fähnrich Hasan,
|
|
baš si meder kršan za tertiba!«
|
wohl bist du unbedingt ein Schlachtendenker!«
|
| 645 |
Reče Džanan da će udariti.
|
Und Džanan sprach: ‘der Angriff
wird erfolgen!’
|
|
Birden reče da će udariti,
|
Kaum war’s gesagt, der Angriff werd’
erfolgen,
|
|
a Bošnjaci šenluk
učiniše;
|
da brachen schon die Bosner aus in Jubel;
|
|
svi vrisnuše, puške zapališe
|
aufjauchzten alle, schossen aus den Büchsen
|
|
a dva i dva zapjevaše zajdno.
|
und stimmten an zu zwei und zwei ein Lied.
|
| 650 |
Bir Bošnjaci šenluk
učiniše,
|
Kaum brachen die Bošnjaken aus in
Jubel,
|
|
odma krvav pilav nastaviše,
|
schon stellten sie ein blutig Mus ans Feuer
|
|
večeraše krvava pilava.
|
und assen wohl ein blutig Mus zum Nachtmahl.
|
|
Sve se zajdno iźljubilo bilo,
|
Es tauschten alle miteinander Küsse,
|
|
iźljubilo pa se halalilo;
|
sie küssten sich und nahmen letzten Abschied,
|
| 655 |
sve je dobre konje uzjahalo,
|
und jeder schwang sich auf sein gutes Rösslein
|
|
sve s terćbirom nis polje mišvarsko,
|
und mit verhängtem Zügel stürmten
alle
|
|
pravo zdravo do logora tvrda,
|
durchs Temesvargefild gen’s feste Lager,
|
|
do logora ljutoga Madžara.
|
gen’s Lager stracks des grimmigen Magyaren.
|
|
Kat su gligi i logoru bili,
|
Als sie beim Glied und Feindelager waren,
|
| 660 |
šarku feleć rukam izlomiše
|
zerbrachen mit den Händen sie das Radschloss
|
|
a po jednu pušku zapališe
|
und jeder schoss je eine Büchse ab,
|
|
a za oštro gvoždže
prihfatiše
|
und jeder griff nach seinem scharfen Schwert;
|
|
pa na silnu gligu udariše,
|
dann stürmten alle gen die Reih und Glieder,
|
|
udariše, po jednu pušku
zapališe
|
im Sturme schoss ein jeder aus der Büchse,
|
| 665 |
a za oštro gvoždže
prihitiše,
|
dann griffen alle nach den scharfen Schwertern,
|
|
bir udriše pa je prolomiše.
|
im ersten Sturm durchbrachen sie die Glieder.
|
|
Tu ji’ mrve loša sreća
bila!
|
Traun! ihnen war da schlimmes Glück
beschieden!
|
|
Vlah upali šes stotin topova,
|
Es blitzten auf sechshundert Feldkartätschen,
|
|
tu im pade šes hiljad šehita,
|
sechstausend Leichen fielen hier zu Boden,
|
| 670 |
šes hiljada ostade im živi’.
|
sechstausend Mannen blieben noch am Leben.
|
|
Udariše odma na topove.
|
Sie stürmten augenblicklich die
Kartätschen.
|
|
Bog im dao, sreća donijela,
|
Und Gott verlieh’s, das Glück beschied es
ihnen,
|
|
topovima vatru uzaptiše.
|
sie stellten den Kartätschen ein das Feuer.
|
|
Zahalaka buljubaša Džano,
|
»Allâh!« so schrie Herr
Buljukbascha Džano,
|
| 675 |
zahalaka, zapali is pušaka.
|
»Allâh! Allâh!«, es schossen
die Gewehre.
|
|
I jes’ mrkla nojca osvojila
|
Die dunkle Nacht bemächtigt sich des
Kampfes
|
|
a crna je tama pritisnula.
|
und schwarze Finsternis bedrückt die
Wahlstatt.
|
|
Prohesabi njemadija ljuta,
|
Nun glaubte wohl das grimmige Volk der
Deutschen,
|
|
da udari muhur sahibija
|
es stürme los die Macht des Siegelwahrers
|
| 680 |
i za njime listom carevina.
|
und hintennach mit Wucht das Kaiserreich.
|
|
Pleći dali, pobjegoše listom,
|
Sie wandten sich zur Flucht, entflohen
heillos,
|
|
ostaviše kuhvet i topove
|
im Stich sie liessen Hort und Kriegkanonen
|
|
i svu haznu i donalmuk kraljski!
|
und allen Schatz und königlichen Schmuck!
|
|
A za njima udario Džano
|
Doch Džano, der verfolgt sogleich die
Christen
|
| 685 |
su šes hiljad od Bosne Bošnjaka,
|
mit ihm sechs tausend Bosner von der Bosna,
|
|
śćera vlaha Rakociju kralju.
|
und jagt sie hin zu König
Rákóczy.
|
|
A dočeka Rakocija kralju
|
Doch ihn empfing nun Rákóczy
der König
|
|
na topove i na vatru živu.
|
mit Feldkartätschen und lebendig Feuer.
|
|
Mili Bože, nemila sastanka!
|
O guter Gott, welch wenig gut Begegnen!
|
| 690 |
Sjeva liva a krv se proliva!
|
Es blitzt, es schiesst, es fliesst das Blut in
Strömen!
|
|
Nut Džanana bosanske gazije
|
Sieh Džanan an, den
Bosna-Glaubenhort!
|
|
gje okoli Rakociju kralja
|
wie er den König Rákóczy
umrungen
|
|
su šes hiljad od Bosne Bošnjaka!
|
mit wohl sechs tausend Bosnern von der Bosna!
|
|
Zahalaka, zapali is pušaka.
|
»Allâh! Allâh!«, es
schossen die Gewehre!
|
| 695 |
Prohesabi Rakocija kralje,
|
Nun war im Glauben Rákóczy der
König,
|
|
da udari muhur sahibija
|
es stürme los die Macht des Siegelwahrers
|
|
i za njime listom carevina!
|
und hintennach mit Wucht das Kaiserreich!
|
|
Pleći dade a pobježe kralje,
|
Er wandte sich zur Flucht, es floh der
König
|
|
sve ostavi kuhvet i topove
|
und liess im Stich den Hort und die Kanonen
|
| 700 |
i svu haznu i donalmuk kraljski!
|
und allen Schatz und königlichen Schmuck!
|
|
Oćera ga buljubaša Džano
|
Hui! jagt ihn weiter Buljukbascha
Džano,
|
|
su šes hiljad od Bosne Bošnjaka
|
mit ihm sechs tausend Bosner von der Bosna,
|
|
sve ji’ stjera nis Kraljevo ravno!
|
und treibt die Flüchtigen hin zur ebnen
Karlsburg!
|
|
A dočeka do sedam bajloza
|
Allhier empfingen ihn an sieben
Fürsten
|
| 705 |
na topove i na vatru živu.
|
mit Feldkartätschen und lebendig Feuer.
|
|
Mili Bože, nemila sastanka!
|
O guter Gott, welch wenig gut Begegnen!
|
|
Sjeva liva a krv se proliva,
|
Es blitzt, es schiesst, es fliesst das Blut in
Strömen,
|
|
reko bi, se zemlja prolomila!
|
du meintest schier, die Erde sei geborsten!
|
|
Nut Džanana bosanske gazije
|
Sieh Džanan an, den
Bosna-Glaubenhort,
|
| 710 |
gje okoli na Kraljevo ravno,
|
wie auf der ebnen Karlsburg er umrungen,
|
|
on okoli sve sedam bajloza
|
umrungen wie er all die sieben Fürsten
|
|
su šes hiljad od Bosne Bošnjaka.
|
mit nur sechs tausend Bosnern von der Bosna!
|
|
Zahalaka, zapali is pušaka.
|
»Allâh! Allâh!« es
schossen los die Büchsen.
|
|
Prohesabi do sedam bajloza,
|
Die sieben Fürsten waren nun im
Glauben,
|
| 715 |
da udari muhur sahibija
|
es stürme los die Macht des Siegelwahrers
|
|
i za njime listom carevina.
|
und hintennach mit Wucht das Kaiserreich.
|
|
Sve pobježe sa Kraljeva ravna,
|
Sie flohen alle von der ebnen Karlsburg,
|
|
sa Kraljeva do majdana zlatna,
|
von Karlsburg weiter bis zum Goldgewerke;
|
|
ostaviše kuhvet i topove.
|
im Stich sie liessen Hort und Kriegkanonen.
|
| 720 |
Oćera ji buljubaša Džano
|
Es jagt sie weiter Buljukbascha
Džano,
|
|
su šes hiljad od Bosne Bošnjaka
|
mit ihm sechstausend Bosner von der Bosna,
|
|
sa Kraljeva do majdana zlatna!
* * *
|
von Karlsburg weiter bis zum Goldgewerke!
* * *
|
|
Kat s u jutro osvanulo bilo
|
Am Morgen als der Morgen angetagt,
—
|
|
a Ćuprilić divan učinio,
|
Herr Köprülü versammelte den Divan;
|
| 725 |
sve mu paše stale na divanu;
|
es trafen alle Paschas ein zum Divan,
|
|
a pita ji’ Ćuprilić vezire:
|
und Köprülü der Vezier fragt sie
also:
|
|
— »O Boga vam paše i
veziri,
|
— »So helf’ euch Gott, Ihr
Paschas und Veziere,
|
|
kakva ono jeka dolazaše?
|
was drang da für Getöse her zu uns?
|
|
naka pusta jeka ot topova?
|
ein dumpfes, wüst Getöse von Kanonen?
|
| 730 |
et ozdala od majdana zlatna?
|
von unten da herauf vom Goldgewerke?
|
|
kakav je ono šenluk u kaura?«
|
was ist das für ein Fest im Kafirvolke?«
|
|
Sve mu paše na divanu šute,
|
Es schweigen ihm im Divan alle Paschen,
|
|
a veli mu Halilpaša gazi:
|
da spricht Herr Halipascha Glaubenshort:
|
|
— Ćupriliću muhur
sahibija!
|
— »O Köprülü,
Bewahrer von dem Siegel!
|
| 735 |
kad no jučer buljubaša Džano,
|
als dir da gestern Buljukbascha Džano,
|
|
kad no ti je tertib učinio
|
als er den Schlachtenplan dir tat entwerfen,
|
|
kako će se vlahu udariti,
|
auf welche Art der Christ sei anzugreifen,
|
|
i sebi je Džano odredio,
|
da hat für sich Herr Džano vorbehalten,
|
|
odredio ljutoga Madžara,
|
den grimmigen Magyaren vorbehalten,
|
| 740 |
da će udarit sa svojim Bošnjacim
|
mit seinen Bosnamannen anzugreifen,
|
|
na šes stotin halkali topova;
|
sechs hundert Feldkartätschen gleich zu
nehmen;
|
|
kad je došo u bosansku vojsku,
|
doch als er drauf ins Bosnavolk gekommen,
|
|
kajil njemu ne bili Bošnjaci.
|
missbilligten die Bosner seinen Plan.
|
|
Kad no jučer puške
ispucaše
|
Als sie zum Abend aus Gewehren schossen,
|
| 745 |
a Bošnjaci pogubiše Džanu.
|
da brachten die Bošnjaken um den Džano.
|
|
Noćas su ti pobjegli Bošnjaci!
|
Heut Nacht sind die Bošnjaken ausgerissen!
|
|
Šenluk čine svi kraljevi redom,
|
Der Reih’ nach jubilieren all die Herrscher,
|
|
šenluk čine a topove pale!«
|
sie jubeln und sie schiessen aus Kanonen!«
|
|
Stade vikat Ćuprilić vezire:
|
Da schreit und kreischt der Vezier
Köprülü:
|
| 750 |
— »Hej davorte od Bosne
Bošnjaci!
|
— »Ei wart nur wart, du Bosnavolk
von Bosnien!
|
|
Ako budu pobjegli Bošnjaci
|
Sind wirklich die Bošnjaken ausgerissen,
|
|
njihove ću osijecat glave
|
so lass ich ihnen ab die Köpfe säbeln
|
|
pa puniti halkali topove
|
und lass damit die Feldkartätschen füllen
|
|
pa se biti su sve sedam kralja!«
|
und schick’ sie allen sieben Herrschern
zu!«
|
| 755 |
Dok pokliknu vila iz oblaka,
|
Da trillert auf aus Wolkenhöhn die
Vila
|
|
po imenu Ćuprilića viče:
|
und ruft beim vollen Namen Köprülü:
|
|
— »Ćupriliću muhur
sahibija!
|
— »O Köprülü,
Bewahrer von dem Siegel!
|
|
nije tako ko ti paša kaže!
|
so steht es nicht, allwie’s der Pascha sagt!
|
|
nisu tvoji pobjegli Bošnjaci.
|
mit nichten ist dein Bosnavolk entwichen,
|
| 760 |
Udrio je buljubaša Džano,
|
vielmehr hat Bascha Džano angegriffen
|
|
udrio je na ljuta Madžara;
|
den grimmigen Magyaren angegriffen;
|
|
dao je Džano šes hiljad šehita,
|
sechs tausend Leichen liess Herr Džanan
liegen,
|
|
razbio je sve sedam kraljeva,
|
zerschlug das Heer von allen sieben Herrschern
|
|
sve je stjero do majdana zlatnog,
|
und trieb sie alle bis zum Goldgewerke,
|
| 765 |
pa se bijo su sve sedam kralja,
|
und schlug sich wohl mit allen sieben Herrschern
|
|
su šes hiljad gazija Bošnjaka!
|
mit nur sechstausend Bosna-Glaubenstreitern!
|
|
Vet što hinlu učini
Bošnjacim,
|
Doch weil du dich am Bosnavolk vergangen,
|
|
car će tebi posijeći glavu!«
|
das kostet dir beim Kaiser deinen Kopf!«
|
|
Kat to čuo Ćuprilić
veziru,
|
Als dies der Vezier Köprülü
vernommen,
|
| 770 |
svojom rukom izvadio ćordu,
|
da zog er eigenhändig blank das Schwert
|
|
svojom rukom pašu posiječe.
|
und hieb den Pascha eigenhändig nieder.
|
|
Vezir viče a suze prolj’eva:
|
Der Vezier klagt, es strömen ihm die
Zähren:
|
|
— »Hej Džanane moje rane
ljute!
|
— »O Džanan, Džanan,
meine wilden Wunden!
|
|
A Bog znade i Ćuprilić znade,
|
es weiss es Gott, es weiss es
Köprülü,
|
| 775 |
ja ti hinlu učinio nisam,
|
ich hab’ an dir mich nicht mit List
vergangen,
|
|
ve’ murtati paše i veziri!«
|
nur Paschas und Veziere, die Verräter!«
|
|
Pa pukoše topi haberdari,
|
Darauf erdröhnten die Alarmkanonen,
|
|
što mu haber po ordiji daju
|
die ihm im Feld die Horden alarmieren,
|
|
a povrvlji muhur sahibija
|
und ungesäumt enteilt der Siegelwahrer
|
| 780 |
a za njime butun carevina
|
und hinterdrein das ganze Kaiserreich
|
|
pravo zdravo do logora tvrda,
|
geradenwegs mit Heil zum festen Lager,
|
|
do logora ljutoga Madžara.
|
zum Lagerplatz des grimmigen Magyaren.
|
|
Kad onuda trava povaljana,
|
Sieh! überall ist dort das Gras
zertreten
|
|
sva je crnom krvi popljevana,
|
und ganz und gar mit schwarzem Blut besudelt,
|
| 785 |
sve je lješom pritisnuto kleto.
|
verflucht, mit Leichen alles überdeckt!
|
|
Kuhvet najgje a topove najgje,
|
Er fand das Krieggepäck, er fand Kanonen,
|
|
najgje Džane šes hiljad šehita,
|
auch fand er Džanans all’ sechs tausend
Leichen,
|
|
što je palo od Bosne Bošnjaka.
|
so da gefallen Bosner von der Bosna.
|
|
On pokopa šes hiljad
šehita.
|
Sechstausend Leichen barg er nun in
Gräber.
|
| 790 |
Onda puśća u vojsku telala
|
Befahl dann in die Heermacht einen
Herold;
|
|
a telal mu po ordiji viče:
|
und durch die Horden ruft ihm aus der Herold:
|
|
— »Nemoj niko ništa
prihititi,
|
— »Es rühre niemand irgend
etwas an,
|
|
rusu ću mu glavu posijeći!
|
sonst hau’ ich ihm das braune Haupt herab!
|
|
Junaštvo je od Bosne Bošnjaka!«
|
Es ist ein Heldenstreich vom Bosnavolk!«
|
| 795 |
Tuda projgje i provede vojsku.
|
Nun zog er weiter fort mit seinem Heere.
|
|
Dojgje vezir do logora tvrda,
|
Der Vezier kam sodann zum festen Lager,
|
|
do logora Rakocija kralja.
|
zur Lagerstätte Rákóczy des
Königs.
|
|
I tuda je trava povaljana;
|
Auch hier ist überall das Gras
zertreten
|
|
sva je crnom krvi popljevana;
|
und ganz und gar mit schwarzem Blut besudelt;
|
| 800 |
i tu kuhvet i topove najgje
|
er fand auch hier Gepäck, er fand Kanonen,
|
|
i svu haznu i donalmu kraljsku.
|
den ganzen Schatz und königlichen Schmuck.
|
|
I tu pušta u vojsku telale,
|
Auch hier befahl ins Heer er einen
Herold:
|
|
telali mu po ordiji viču:
|
und durch die Horden ruft ihm aus der Herold:
|
|
— »Nemoj niko ništa
prihićati,
|
— »Es taste niemand irgend etwas
an,
|
| 805 |
rusu ću mu glavu posijeći!
|
sonst hau’ ich ihm das braune Haupt herab!
|
|
Junaštvo je od Bosne Bošnjaka!«
|
Es ist ein Heldenstreich vom Bosnavolk!«
|
|
I tud projgje i provede vojsku.
|
Er zog auch hier mit seinem Heere weiter.
|
|
Sijgje vezir na Kraljevo ravno.
|
Der Vezier stieg zur ebnen Karlsburg nieder.
|
|
Kolko dugo i široko kleto,
|
So lang und breit ist die verfluchte Fläche,
|
| 810 |
očima se pregledat ne more!
|
man kann sie mit dem Aug’ nicht
überschauen!
|
|
Drva na njem ni kamena nejma,
|
Da ist kein Baum, kein Fels ist da zu sehen,
|
|
sve je kleto krvi poškrapano,
|
die ganze Fläche eine Lache Blut
|
|
još plahije lešom zavaljano.
|
zudem mit Leichen arg noch mehr verrammelt.
|
|
Kuhvet najgje ot sve sedam kralja,
|
Er fand die Güter aller sieben
Herrscher,
|
| 815 |
veće vezir dilje ne zna puta.
|
doch weiter wusst’ den Weg nicht mehr der
Vezier,
|
|
Na Kraljevu oturisa vojsku.
|
er liess das Heer im Feld von Karlsburg rasten.
|
|
Sve Ćuprilić po Kraljevu hoda
|
Auf Karlsburg wandelt unstät
Köprülü
|
|
a sve sluša jeku ot topova
|
und horcht und horcht auf das Kanonenecho,
|
|
et ozdala od majdana zlatna
|
wie’s gellt von unten her vom Goldgewerke,
|
| 820 |
a što topovi na majdanu ječe.
|
denn vom Gewerke schallen die Kanonen.
|
|
A sve hoda a suze prolj’eva,
|
Er wandelt ruhlos, ihm entfliessen
Zähren
|
|
a jamio srčali durbina;
|
und nimmt zur Hand das glasbewehrte Fernrohr;
|
|
gleda vezir nis Kraljevo ravno
|
der Vezier überschaut die
Karlsburg-Eb’ne
|
|
pravo sentu i majdanu zlatnu.
|
und schaut zur Grenze hin, zum Goldgewerke.
|
| 825 |
Dok s u polju zametnula tama,
|
Indess entsteht im Feld ein Wolkendunkel,
|
|
tuda tama nije nigda sama,
|
hier pflegt ein Dunkel nie allein zu weilen,
|
|
vet is tame junak udario
|
weil aus dem Dunkel brach hervor ein Kämpe
|
|
na gravranu konju od mejdana.
|
auf einem Rappen, einem Schlachtenrenner.
|
|
U gavrana grive ni perčina
|
Der Rapp’ ist ohne Mähn’ und
ohne Zöpfe,
|
| 830 |
u junaka brka ni obrva,
|
ohn’ Augenbrau’n und Schnurrbart ist der
Kämpe,
|
|
pocrnio kako čavka crna,
|
er ist verrusst, wie eine schwarze Dohle,
|
|
krvavije ruku’ do lakata
|
die Hände blutig bis zum Ellenbogen,
|
|
i krvave do balčaka ćorde.
|
und blutig bis zum Griff hinauf das Schwert.
|
|
Kad ga vezir očima vidio
|
Als ihn mit eig’nen Augen sah der
Vezier,
|
| 835 |
sam u sebi misô pomislio:
|
da hegt’ im Herzen er den frommen Wunsch:
|
|
»Nije l Bog do, od Bosne
gazija!«
|
— »O wollt es Gott, es
wär’ der Bosnastreiter!«
|
|
Kad gazija na gavranu dojgje,
|
Wie nun der Sieger auf den Rappen ankam,
|
|
Ćuprilića na Kraljevu najgje.
|
so fand er Köprülü im Feld von
Karlsburg.
|
|
On veziru božji selam viče,
|
Er rief dem Vezier ‘Gott zum
Grusse!’ zu,
|
| 840 |
s vezirom se zagrljaše, ljubi.
|
umarmten sich und küssten hier einander.
|
|
Pita njega Ćuprilić vezire:
|
Sodann befragt ihn Köprülü der
Vezier:
|
|
— »O moj brate od Bosne
gazija!
|
— »O Bruder mein, du Glaubenhort
von Bosna!
|
|
kamo nami buljubaša Džano?
|
wie steht’s mit unserm Buljukbascha
Džano?
|
|
je l nam Džano na životu hala?«
|
ist uns der Drache Džano noch am Leben?«
|
| 845 |
— »A nami je u životu
Džano.
|
— »Fürwahr, es ist uns
Džano noch am Leben.
|
|
Eno Džane u majdanu zlatnom
|
Dort haust im gold’nen Berggewerke Džano
|
|
su šes hiljad gazija Bošnjaka,
|
mit wohl sechs tausend Bosna-Glaubenstreitern
|
|
gje se bije su sve sedam kralja.
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und kämpft den Kampf mit allen sieben
Königen.
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Vet je tebi selâm učinio,
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Er liess jedoch dir einen Gruss
entbieten;
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| 850 |
da zakolješ šes hiljad kurbanâ
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sechs tausend Opfertiere sollst du schlachten
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za njegovi šes hiljad Bošnjaka;
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für seine Schar sechs tausend Mann
Bošnjaken,
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i da spremiš šes hiljad araba
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auch sollst du ihm sechs tausend Karren senden
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sa Kraljeva do majdana zlatna,
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von Karlsburg aus zum gold’nen Berggewerke,
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da ti blago na arabam spremi!«
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damit er dir den Schatz auf Karren schicke!«
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| 855 |
Kat to čuo Ćuprilić vezire
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Als Köprülü, der Vezier, dies
vernommen,
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svojom rukom dèvu oborio,
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so schlug er selber ein Kameltier nieder
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a zavika što ga grlo daje:
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und schrie mit starker Stimm’ aus voller
Kehle:
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— »Ovi kurban buljubaše
Džane!«
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— »Dies Opfertier für
Buljukbascha Džano!«
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Što bi majka zadojila sina
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Nicht schneller kann ihr Kind die Mutter
stillen,
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| 860 |
šes hiljada obori se deva,
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als hier sechs tausend Stück Kamele fielen,
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šes hiljada zakla se kurbana.
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sechs tausend Opfertiere sind geschlachtet.
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Vezir spremi šes hiljad araba
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Letzt schickt der Vezier ab sechs tausend
Karren
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sa Kraljeva do majdana zlatna.
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von Karlsburg aus zum gold’nen Berggewerke.
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Za toga za malo zemana,
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Drauf war nur eine kleine Weil verflogen,
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| 865 |
dok eto ti od majdana Džane
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kam Džano angerückt vom Berggewerke
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su šes hiljad gazija Bošnjaka.
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mit wohl sechs tausend Bosna-Glaubenstreitern.
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Goni Džanan na arabam blago
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Herr Džanan schleppt die Schätze
auf den Wagen,
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i on vodi sve sedam kraljeva,
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er führt mit sich auch alle sieben Könige
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nosi krunu Nuširejvanovu.
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und trägt mit sich die Krone
Nuschirwâns.
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| 870 |
A kad Džano na Kraljevo dojgje,
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Als Džanan auf das Karlsburgfeld
gelangte,
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preda nj vezir šenluk učinio,
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ward ihm vom Vezier festlicher Empfang,
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upalio halkali topove,
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es gaben Feuer alle Feldkanonen,
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s Ćuprilićem zagrli se, ljubi.
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Herr Köprülü umhalst’ und
küsste Džano.
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A veli mu Ćuprilić vezire:
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Dann sprach zu ihm der Vezier
Köprülü:
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| 875 |
— »Džano brate, bosanska
gazijo,
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— »O Bruder Džano,
Bosna-Glaubenstreiter,
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nemoj mene caru opanjkati,
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verschimpf’ mich nicht mit übler Red’
beim Kaiser,
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car će meni glavu posijeći!
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sonst kostet’s mich beim Kaiser meinen Kopf!
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A Bog znade i Ćuprilić znade,
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Es weiss es Gott, es weiss es
Köprülü,
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ja ti hinlu učinio nisam,
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ich hab’ an dir mich nicht mit List
vergangen,
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| 880 |
ve’ murtati paše i veziri!
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nur Paschas und Veziere, die Verräter!
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Išti, Džano štogod tebi
drago!«
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O Džano, heisch, was immer dir behagt!«
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— »Ćupriliću muhur
sahibija!
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— »O Köprülü,
Bewahrer von dem Siegel!
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imam mala da nejmam hesaba;
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Vermögen hab’ ich ohne Mass und Ende,
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vet daleko Bosna na ćenaru,
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doch weit entfernt ist Bosna an der Grenze,
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| 885 |
na čem blago pusto gonit nejmam!
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wie sollt’ den wüsten Schatz ich
hinbefördern?
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A za sve Ćuprilić vezire,
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Und überdies, o Vezier
Köprülü;
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u dugu vaktu i zemanu
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im langen Lauf der Weilen und der Zeiten
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gotovo se poharčiće blago!
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wird leicht auch aufgebraucht der bare Schatz!
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Vet u mene mojije’ Bošnjaka
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Doch hätt’ ich hier mein treues
Bosnavolk,
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| 890 |
a Bošnjaka dvanajes hiljada,
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zwölf tausend Mannen von dem Bosnavolk,
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šes hiljada na Kraljevu živi’,
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sechs tausend auf dem Karlsburgfeld am Leben,
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šes hiljada što je šehit bilo,
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sechs tausend sind als Leichen hingefallen,
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što je šehit na Madžaru bilo,
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als Leichen wohl im Kampfe mit Magyaren;
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daćeš meni Ćuprilić vezire
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drum wirst du, Vezier Köprülü, mir
geben
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| 895 |
dvanajs hiljad timarli berata
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zwölf tausend lauter Grundbelehnungbriefe,
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sve na mrtva ko i živa druga!«
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dem toten Mann so wie dem Lebenden!«
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A veli mu Ćuprilić vezire:
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Darauf bemerkt der Vezier
Köprülü:
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— »Išti Džano a ne
maskari se,
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— »So heisch doch Džano und
verstell’ dich nicht,
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tute tebi ništa ne imade!«
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es schaut sich nichts dabei für dich
heraus!«
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| 900 |
Ope veli buljubaša Džano:
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Und wiedrum spricht Herr Buljukbascha
Džano:
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— »Šta ću tebi iskat
Ćupriliću!
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— »Was soll ich,
Köprülü, von dir verlangen!
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Ti si danas na mjestu carevu,
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Du bist ja heut des Kaisers Stellvertretung,
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što ti rečeš, car die poreć ne
će.
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und was du sagst, dir’s nicht versagt der
Kaiser.
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Daleko nam Bosna na ćenaru,
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Gar weit entfernt liegt an der Grenze
Bosnien,
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| 905 |
daleko nam do Stambola sići,
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es zieht sich uns ein weiter Weg nach Stambol
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u Stambolu viditi tapiju.
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zur Einsichtnehmung in die Grundverschreibung.
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Vet daj meni po muhura carskog
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Gib lieber mir das halbe Kaisersiegel
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u ponosnu Bosnu kalovitu!«
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wohl mit ins stolze, kotige Bosnaland!«
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Bogami mu milo ne bijaše
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Bei Gott, er war ihm wenig lieb und
recht,
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| 910 |
al mu inach biti ne mogaše.
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er konnte sich jedoch nicht anders helfen.
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Dade Džani po muhura carskog
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Das halbe Kaisersiegel gab er Džano
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u ponosnu Bosnu kalovitu.
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wohl mit ins stolze, kotige Bosnaland.
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Džano njemu sviju’ sedam
kralja,
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Ihm weiht Herr Džano alle sieben
Herrscher,
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vezir Džani hair dovu carsku
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der Vezier ihm des Kaisers heiligen Segen,
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| 915 |
na ponosnu Bosnu kalovitu!
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wohl mit ins lehmige Land der stolzen Bosna!
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Zu Vers 1–4.