Die Stadt Paris der Isarstrom umrauscht,

den Burgwall von Berlin umtost die Spree

und brandend bricht an Strassburg sich die Elbe.

Hier war entbrannt der siebenjährige Krieg!

Mit solcher umständlichen Genauigkeit und Zuverlässigkeit bestimmt auch unser Guslar die geographische Lage des Schauplatzes der kriegerischen Handlungen, denen sein Lied gewidmet ist. Dass seine Angaben (V. 1 u. 3) vollständig unrichtig und die Skizze ganz wertlos ist, merkt weder er, noch fällt es seinen Zuhörern auf. Zwei Jahrhunderte lang hatten herzögische Moslimen bei Wardein und Temesvar nichts mehr zu suchen und zu holen, so dass die Erinnerung an die wirkliche Lage der Orte verblasste und sich bloss noch leere Namen im Gedächtnis der Sänger durch die Überlieferung behaupteten. Der erste Dichter und Guslar des Liedes dürfte wohl eine richtigere topographische Beschreibung geliefert haben.

V. 5. Von den zwei Paschen schweigt die türkischungarische Geschichte. Vielleicht hat man in diesen zwei Herren die Statthalter Sidi Ahmet von Bosnien und Fazlipascha von Albanien oder auch Ali Čengizade vom Herzogtum zu erkennen, die i. J. 1657, während Köprülü an den Dardanellen für den Seekrieg rüstete, unter den Mauern von Zara, Spalato und Cattaro Waffentaten verrichteten. In der Überlieferung verflüchtigen sich Personen zu Schattenbildern, die in Gruppen wirken. Man hatte sich gewöhnt, zwei Pašen gemeinsam operieren zu sehen und übertrug dann ein solches Verhältnis auch auf eine andere Situation, wo es unbegreiflich wäre. — Seid, ein Verwandter oder Abkömmling des Propheten, eine Würde des Gesetzes (Hammer II. 423, IV. 179), hier bloss ein Name, wie jeder andere.

V. 10. Vekil türk. Verwalter, Vorsteher, Stellvertreter.

V. 15. adalet arab. Gerechtigkeit.

V. 33. Kraljevo = Gyula Fehérvàr (Julia Alba), später Karlsburg genannt, daher der slavische Name. War Gábor Bethlens Hauptstadt, die er mit grossartigen, fürstlichen Palästen schmückte. — Der Brief droht die Vernichtung des gesamten östlichen Teiles Ungarns an, worunter man nicht nur das eigentliche Siebenbürgen, den Teil jenseits des Königsteiges (eines Gebirgzuges zwischen Ungarn und Siebenbürgen) zu verstehen hat. Schon im XVI. Jahrh. gehörte das diesseits des Königsteiges liegende Grosswardein samt dem Biharer Komitat dazu.

V. 35. Die sieben Könige (muluki tavaif, Könige der Völker) spuken auch sonst in der türkischen Geschichtschreibung herum und sind auch in die südslavische Überlieferung eingedrungen. Vrgl. Krauss, Orlović der Burggraf von Raab, Freiburg i. Br. 1889, S. 92 f. — Der Kaimakam von Konstantinopel schreibt i. J. 1667 mit Hinblick auf das zwischen Russland und Polen geschlossene Bündnis: »Wisst, dass an euerer Einigkeit nichts gelegen ist. Die sieben und die neun Könige, die wider die Pforte zu Felde gezogen, haben ihr mit Gottes und des Propheten Gnade kein Haar entreissen können« etc.