V. 38. do majdana zlatna. Welche Goldgrube gemeint ist, kann man nicht bestimmen. Wohl meint der Guslar: ‘bis an den äussersten Rand der Karpathen, wo Gold geschürft wird.’ Ein Abbau findet noch heutigentags statt, nur lohnt er wenig.

V. 51. Mišvar f. Temesvar, eine Volketymologie, als ob die Stadt ‘Mäusestadt’ hiesse.

V. 54. Katal učiniti ‘Mord machen’ (Katl türk. Mord), erklärte mir Halil mit posjeći = niedersäbeln.

V. 50–72. Solche Drohungen waren tatsächlich in diplomatischen Aktenstücken jener Zeit hüben und drüben üblich.

V. 59. Deribeg, Pfortenobrist. Das Tor war bei den Türken nicht nur das Bild der Regierung im allgemeinen (als hohe Pforte), sondern auch im besonderen für die Kriegmacht, deren einzelne Waffengattungen man Tore nannte. Aus zweimal sieben solchen Toren bestand die Heermacht. — Der Harem heisst das Haus oder das Tor der Glückseligkeit (dari oder deri zeadet), während die Pforte der Regierung die hohe Pforte des Reiches oder des Glückes (babi devlet) genannt wird.

V. 71. Šam, Damaskus. Im J. 633 eroberte Kalif Omer die Stadt, durch welche seit damals bis auf die Gegenwart alle Pilgerkarawanen europäischer Moslimen nach Mekka ziehen. Medina ist des Sultans als Prophetensprösslings Urheimat. Der Guslar unterstellt unbewusst Rákóczy die Aspirationen »römischer Kaiser deutscher Nation« auf die Rechtnachfolge byzantinischer Kaiser, indem er ihn behaupten lässt, dass Konstantin »unser Kaiser« gewesen sei.

V. 85. Sie stemmen zum Zeichen ihrer Ratlosigkeit die Arme oder besser die Hände in die Hüften, wie bei uns Naschmarktweiber im Zorne, wenn sie einander »die Wahrheit« sagen.

V. 99. Ćuprilić, türk. Köprülü, der Brückner, serb. mostar. Gemeint ist Mohammed K. — Er war Enkel eines nach Kleinasien ausgewanderten Albanesen, und hatte seinen Zunamen von seinem Geburtorte der Stadt Köprü (Brücke), die sechs Stunden von Mersifun, zwölf von Amasia, an dem Gebirge Tašan zwischen zwei Flüsschen liegt, die sich in den Halys ergiessen. Die über eines der Flüsschen führende Holzbrücke (Steinbrücken, besonders gewölbte, sind Londžen) hat den alten Namen der Stadt Karakede (Schwarzgaden) erst in den der ‘Brücke’ und seit der Blüte der Veziere Köprülü, in den von Vezier Köprü umgewandelt, zum Unterschiede von einem auf derselben Strasse gelegenen Flecken Tašköprü (Steinbrücke), Vrgl. Hammer, V. 465.

V. 108–121. Die Schilderung entspricht so ziemlich der wirklich bestandenen Machtstellung des Sigelbewahrers im osmanischen Reiche. Der Kanun des Sigels (nach der Kanun-name Sultan Mohammed II. gest. 2. V. 1481) überträgt dem Grossvezier dessen Obhut, als das Symbol der höchsten Vollmacht. In der Überreichung des Sigels liegt auch die Verleihung der höchsten Würde des Reiches. Der Grossvezier darf sich (abgesehen von der Versiglung der Schatzkammer, die nur in Gegenwart der Defterdare geöffnet werden kann) dieses Sigels nur zur Besiglung der Verträge bedienen; und da alle Verträge durch die Hand des Grossveziers gehen müssen und niemand als er das Recht hat, an den Sultan schriftlich zu berichten, so sieht der Sultan kein anderes Sigel als sein eigenes oder etwa das der fremden Monarchen, wenn deren Gesandte ihre Beglaubigungschreiben in feierlicher Audienz überreichen.

V. 129. türk. kahr etmek, Gewalttätigkeit verüben, vergewaltigen.