V. 140. Der Name der Schatzkammer des Sultans war chassineh, und solche Besitzungen, deren Einkünfte in diese flossen, wurden chass genannt. Ausführlich über die Staatseinkünfte speziell in Ungarn, vrgl. Salomon, S. 211 ff. Im V. 213 begründet der Vezier die Notwendigkeit der Geldsendungen. So war es jedesmal üblich bei Aushebungen angesichts eines Krieges. So z. B. bemerkt der Franziskaner Nikolaus von der Lašva in seiner Chronik zum J. 1729: miseca veljače dojde u Travnik tri konja zlatnih jasprih, da se pišu sejmeni. I otvoriše se bajraci na početku lačka i svakome sejmenu dadoše plaće po dvadeset i dva groša i to brez zahire za tri miseca. (Im Monate Februar langten in Travnik drei Pferdelasten mit goldenen Jaspren an, damit man Söldner [segban, t. Wächter] anwerbe. Und man pflanzte [Werbe-]Fahnen am Eingang des Lašvagefildes auf und sie gaben jedem Söldner zu 22 Groschen Bezahlung, und zwar ohne Proviant für drei Monate [im voraus sclc.]).
V. 148. Der Sultan erhielt, nachdem Edhem Paša den Melunapass genommen, den Titel Ghazi, der Sieger, Kämpfer im heiligen Glauben. Um diese Ehrennamen bemühte sich noch jeder Sultan und Feldherr. Als i. J. 1758 der Araberscheich Hesa beschworen, in Zukunft die Karawanen nach Empfang der gewöhnlichen Geschenke ungehindert und ungeplündert ziehen zu lassen, war darüber die Freude zu Mekka so gross, dass die vier Muftis der vier rechtgläubigen Kirchendienste vier Fetvas erliessen, vermög deren künftig im Kanzelgebete des Freitags dem Namen des Sultans der Ehrentitel Ghazi, Sieger im heiligen Kampfe, beigefügt werden soll. Die Guslaren in Bosnien und dem Herzogtum waren mit der Verleihung dieses Titels an ihre Helden noch freigebiger. Jeder ergraute, langbärtige Massenmörder erhielt ihn.
V. 150. Den Namen Otoka würde man vergeblich auf der ungarischen Landkarte des Banates und der Bačka suchen. Ein Ort war es gewiss und dazu ein wohlbefestigter, denke ich, und eine Erdichtung ist gar nicht anzunehmen. Das slav. Wort bedeutet eine Insel, eine Insel heisst aber magyarisch sziget. Somit hätten wir die durch Zriny weltbekannte Festung Szigetvár herausgefunden, die damals türkisch war.
V. 164. Misir, hebr. Mizraim, Egypter. Stojni (lat. capitalis) zur Hauptstadt gehörig, ist ein Beinamen, der auf die geographische Unwissenheit des Guslaren zurückgeht. Er hält nämlich Mizraim für eine Hauptstadt. Vgl. V. 167. Um eine lächerliche Wirkung zu vermeiden, ging ich in der Verdeutschung auf den Fehler des Guslaren nicht ein.
V. 171. Buluk, Rotte der Janičaren, Hammer II. 428. Bulukbaši Rottenmeister. Hammer VII. 351. Oberst. IV. 80. Rottenmeister VII. 274, VIII. 67. — Wie bei uns für den Gefreiten der Korporal oder gar der Wachtmeister und vollends der Leutnant, so ist für den Guslaren schon der Rottenhauptmann, wie man zu sagen pflegt, ein grosses Tier. Die Ordre des Grossveziers ging jedenfalls an den Vali (Gouverneur) von Bosnien ab.
V. 193 ff. turajli fermane. Weil Sultan Murad (gest. 1389) des Schreibens unkundig war und seinen Namen nicht zu schreiben verstand, tauchte er die Hand in die Tinte und drückte sie in der Höhe der Urkunde statt Unterschrift und Sigel ab (Hammer I.2 S. 152). Ich meine, er wird es bei dem Daumenabdruck haben bewenden lassen, wie dies noch heutigen Tages bei Rechtverträgen schreibunkundiger Herzogländer und Montenegrer und überhaupt auch noch in Asien gebräuchlich ist. Hammer sagt aber weiter: ‘Dieser Abdruck des Handballens und der fünf Finger, deren mittlere drei gerade nebeneinander lagen, der kleine Finger aber und der Daumen weit auseinander gesperrt waren, wurde für kommende Zeiten und bis auf heutigen Tag als das Tughra oder des Sultans Unterschrift geheiligt, in welche Schreiber erst die Bedeutung verschlungener Buchstaben und des verzogenen Namens legten. Den rohen Abdruck der Hand, den der Umriss des Tughra noch heute nachahmt, bildeten sie in den Namen des Sultan-Chans und seines Vaters mit dem Beisatze: ‘Immer siegreich!’ aus, und der Schreiber, der diesen verschlungenen Zug den Fermanen und Diplomen im Namen des Sultans vorsetzte, bekleidete in der Folge als Nišandžibaši, d. i. als Staatsekretär für den Namenzug des Sultans, eine der ersten Würden des Staates.‘ — Unser Guslar hält jedoch an dem Survival fest, dass der Sultan sein eigenes Handzeichen auf jeden Militärbefehl aufdrücke.
V. 195. evlećet, türk. evlek die Erdfurche; Das Reichgebiet. — V. 214 und 479. züdžürt, t., arm.
V. 204 f. und 277 ff. Der Vezier ordnet eine allgemeine Aushebung, selbstverständlich nur unter Moslimen an. Die Warnung betreffs des einzigen war nicht überflüssig. Sie kehrt immer wieder in gleichen Fällen. Ein bulgar. Lied erzählt von den üblichen Grausamkeiten und Härten der Aushebung (Miladinov, Blgrk. nar. p. Nr. 572, I.1 S. 485): Nasilili sje turci janičari | oni si šetat jeničarstvo pišat | kôde dvaica edinot go pišat | kôde je jeden sam negô pišat | kôde sè troica dvaicata gi pišat | edinot ostavat kôšta da si gledat. (Die türkischen Janičaren heben Janičarenmannschaft aus: von zwei Brüdern, nehmen sie einen, wo einer da ist, nehmen sie den einen; wo ihrer drei sind, schreiben sie davon zwei auf, den dritten aber lassen sie, damit er das Haus betreue).
V. 223. lala t. Erzieher, Hofmeister, Hofdiener, Minister (bei Hofe).
V. 287 f. Hiseta, Hissa t. Lehenanteil (vrgl. Hammer III. 477. V. 687). Unter dem Herniedersteigen zu den Hiseta hat man demnach zu verstehen, dass sich die Truppen nach den Lehenanteilen gegliedert und gelagert hatten; »nebst der besoldeten Reiterei der Spahis und der Janičaren gab es im osmanischen Heere eine belehnte Truppe zu Pferd, die der belehnten zu Fuss entsprach. Man nannte sie Mosselliman, d. i. die (von Auflagen) befreiten und sie waren von Offizieren befehligt, die Subaši (wenn über 100), Binbaši (wenn über 1000 gesetzt) und Sandžakbegen, d. i. Fahnenfürsten hiessen. Dieselbe Stufenordnung des Kriegdienstes blieb bei der in der Folge weit mehr ausgebildeten Reiterei der Besitzer der kleinen und grossen Lehen timare und ziamet« (Hammer I.2 99 f.). Darnach ergab sich die Anordnung des Heeres, das natürlich auf der Ebene lagerte vor der Schlucht, in die Sarajevo hineingebaut ist.