Zu V. 76. »Goldne Mütze.« — Im Texte tadža. Sultan Bajezid I. (gestorb. 1403) trug als Turban weder die Goldhaube (uskuf) der ersten sechs Sultane, noch den vom siebenten angenommenen runden Kopfbund der Ulema (urf) sondern nahm den hohen, zylinderförmigen, mit Musselin umwundenen an, der sofort unter dem Namen Mudževese (tadža) der Hof- und Staatturban geblieben.
Zu V. 80 f. Die ersten Säulen des Reiches und Stützen des Divans sind die Veziere, d. h. die Lastträger. Es gab ihrer unter Ibrahîm schon vier. Die Vierzahl gibt als eine dem Morgenländer beliebte und heilige Grundzahl den Teilunggrund der ersten Staatämter ab. Vier Säulen stützen das Zelt, vier Engel sind nach dem Koran die Träger des Thrones, vier Winde regieren die Regionen der Luft nach den vier Kardinalpunkten des Himmels usw. Aus diesem Grunde setzte Sultan Mohammed der Eroberer, vier Säulen oder Stützen des Reiches (erkiani devlet) fest in den Vezieren, in den Kadiaskeren, in den Defterdaren und in den Nišandži, die zugleich die vier Säulen des Divans, d. h. des Staatrates sind. Anfangs war nur ein Vezier, dann zwei, dann drei unter den ersten Sultanen; der Eroberer erhob ihre Zahl auf vier, deren erster und allen übrigen an Macht und Rang bei weitem vorhergehende, der Grossvezier wurde, der unumschränkte Bevollmächtigte, das sichtbare Ebenbild des Sultans, sein vollgewaltiger Stellvertreter, der oberste Vorsteher aller Zweige der Staatverwaltung, der Mittelpunkt und der Hebel der ganzen Regierung.
Zu V. 81. »Siegelhüter« (muhur sahibija). — Der Kanun des Siegels (nach Sultan Mohammed II.) überträgt dem Grossvezier darüber die Obhut, als das Symbol der höchsten Vollmacht; in der Überreichung des Siegels liegt auch die Verleihung der höchsten Würde des Reiches. Der Grossvezir darf sich (abgesehen von der Versiegelung der Schatzkammer, die, beiläufig bemerkt, nur in Gegenwart der Defterdare geöffnet werden kann) dieses Siegels nur zur Besieglung der Vorträge bedienen, und da alle Vorträge durch die Hand des Grossveziers gehen müssen, und niemand als er das Recht hat, an den Sultan schriftlich zu berichten, so sieht der letztere kein anderes Siegel als sein eigenes oder etwas das der fremden Monarchen, wenn deren Gesandte ihre Beglaubigungschreiben in feierlicher Audienz überreichen.
Zu V. 82. »Pascha Seidi.« — Über Achmed Sidi, Köprülüs Schwager, die Geissel Siebenbürgens, Pascha von Neuhäusel, vergl. Hammer, a. a. O., VI, S. 272. Ein Seid wird in den Epen moslimischer Guslaren häufig auch als Heiliger genannt und gerühmt. In einem Guslarenliede heisst es:
| efendija muhur sahibija | [Erschienen war] Efendi Siegelhüter |
| sa svojijem pašom Seidijom, | zugleich mit ihm sein Pascha Seïdi, |
| što je paša na četeres paša. | der Obrist Pascha über vierzig Paschen. |
Zu V. 93 ff. Im J. 1656 war Mohammed mit dem wunden Halse Grossvezier.
»Am 10. September 1656 fand ein Divan statt. Der Sultan sagte zum Grossvezier: ‘Ich will selbst in den Krieg ziehen, du musst durchaus für die nötige Rüstung sorgen!’ Der hilflose Greis faltete die Hände, als ob er die ganze Versammlung um Hilfe anflehte und sagte: ‘Glorreichster, gnädigster Padischah, Gott gebe euch langes Leben und lange Regierung! bei der herrschenden Verwirrung und dem Mangel an Kriegzucht ist es schwer, Krieg zu führen; zur Möglichkeit der nötigen Rüstungen ist von Seite des Reichschatzes eine Hilfe von zwanzigtausend Beuteln notwendig!’ Der Sultan schwieg zornig und hob die Versammlung auf.« Hammer, V, 461.
»Schon bei der ersten Unzufriedenheit nach der Einnahme von Tenedos und Lemnos hatten sich der Chasnedar der Valide, Solak Mohammed, der Lehrer des Serai, Mohammed Efendi, der vorige Reis Efendi Schamisade und der Baumeister Kasim, welcher schon ein paarmal den alten Köprülü zum Grossvezier in Vorschlag gebracht, insgeheim verbündet, diesem das Reichsiegel zu verschaffen. Der Grossvezier hatte ihn auf seiner Reise von Syrien nach Konstantinopel zu Eskischehr wohl empfangen und nach Konstantinopel mitgenommen, wo er sich dermalen ruhig verhielt; sobald er aber durch den Silihdar des Sultans Wind von dem Vorschlage erhalten, ernannte er Köprülü zum Pascha von Tripolis, und befahl ihm sogleich aufzubrechen. Der Kiaja, ins Vertrauen der Freunde Köprülüs gezogen, suchte vergebens den Reisebefehl zu verzögern. Da die Sache noch nicht reif zum Schlag war, brachten die Freunde Köprülüs durch die Valide sehr geschickt die Ernennung des Silihdars zum Statthalter von Damaskus und die Einberufung des dortigen Veziers Chasseki Mohammed zuwegen, wodurch das allgemeine Gerede entstand, dass dieser zum Grossvezier bestimmt sei und die Aufmerksamkeit des Grossveziers von Köprülü abgelenkt ward. Der Silihdar, der Patron des Grossveziers beim Sultan war entfernt, aber noch stand den Freunden Köprülüs ein anderer mächtiger Feind, der Janičarenaga im Wege. Sobald dieser abgesetzt und an seine Stelle der Stallmeister Sohrab, ein Freund der Freunde Köprülüs ernannt war, erklärte sich dieser gegen ihn, dass er einige Punkte der Valide vorzutragen, nach deren Zusage er die Last der Regierung auf seine Schultern zu nehmen bereit sei. Noch am selben Nachmittage wurde Köprülü heimlich vom Kislaraga zur Valide eingeführt, und antwortete auf ihre Frage, ob er sich den ihm bestimmten Dienst als Grossvezier zu versehen nicht fürchte, mit dem Begehren folgender vier Punkte: erstens, dass jeder seiner Vorschläge genehmigt werde; zweitens, dass er in der Verleihung der Ämter freie Hand und auf die Fürbitte von niemand zu achten habe: die Schwächen entständen aus Fürsprachen; drittens, dass kein Vezier und kein Grosser, kein Vertrauter, sei es durch Einfluss von Geldmacht oder geschenktem Vertrauen, seinem Ansehen eingreife; viertens, dass keine Verschwärzung seiner Person angehört werde; würden diese vier Punkte zugesagt, werde er mit Gottes Hilfe und dem Segen der Valide die Vezirschaft übernehmen. Die Valide war zufrieden und beschwur ihre Zusage dreimal mit: ‘Bei Gott dem Allerhöchsten!’ Am folgenden Tage (15. September 1656), zwei Stunden vor dem Freitaggebete, wurden der Grossvezier und Köprülü ins Serai geladen. Dem Grossvezier wurde nach einigen Vorwürfen über den Mangel seiner Verwaltung das Siegel abgenommen und er dem Bostandžibaschi zur Haft überlassen, dann Köprülü in den Thronsaal berufen. Der Sultan wiederholte die vier versprochenen Punkte, einen nach dem andern und sagte: ‘Unter diesen Bedingnissen mache ich dich zu meinem unumschränkten Vezier; ich werde sehen, wie du dienst; meine besten Wünsche sind mit dir!’ Köprülü küsste die Erde und dankte; grosse Tränen rollten den Silberbart herunter; der Hofastronom hatte als den glücklichsten Zeitpunkt der Verleihung das Mittaggebet vom Freitage bestimmt, eben ertönte von den Minareten der Ausruf: ‘Gott ist gross!’ Hammer, a. a. O., V, S. 462, 2. Aufl.
Zu V. 170. Dem abgesetzten Grossvezier Mohammed mit dem wunden Halse, dem neunzigjährigen Greise, wurde nach Einziehung seiner Güter, das nach dem Ausspruche des Sultans verwirkte Leben auf Köprülüs Fürbitte geschenkt und ihm zur Fristung des schwachen Restes seines Lebens die Statthalterschaft von Kanisza verliehen. Hammer, V, S. 467.
Zu V. 360 ff. Ganz erfunden ist diese Episode nicht. Hammer berichtet Bd. V, S. 467 ff.: