gje on buve po košulji ganja»wie er im Hemd herum die Flöhe hatzt.«

Unverweilt unterbricht der Greis seine kurzweilige, kleinliche Beschäftigung, legt sich die schwere Rüstung und die Gewaffen an, und führt seine Mannen und Knappen zum Sieg ins feindliche Land.

Ein vielgerühmter greiser Held der moslimisch-slavischen Guslarenlieder ist Ćejvan aga dedo (Ćejvan der greise Herr). Er zählt 80 oder gar 130 Jahre:

es klappern ihm des Kinnes leere Laden,

zum Teufel ist sein letzter Zahn geflogen,

doch der Alte ist noch immer der erste und wackerste Held. Mustapha der Schmerbauch unternimmt mit seinem Bruder Halil dem Falken, mit Suša von Posušje und mit Tale dem Schalknarren, samt Gefolgschaft einen Raubzug ins Dalmatische. Der greise Ćejvan muss mit, denn brez starca nema udarca. Im Hochwald lagern sich die Ritter und die Rotten unter Tannen zur Rast. Man tat sich gütlich an Wein und Braten — im Quorân steht ja nicht, dass bosnische Moslimen keinen Wein trinken dürfen —, bis sich behagliche Stimmung einfand. Sprach nicht Halil, der Jüngling, jetzt wäre es am schönsten, hätte jeder Held ein holdes Mädchen zum Kosen unterm Tann auf weichem Rasen. Und Ćejvan hub an die Wunder der Welt zu preisen, und schloss wie ein verliebter Schäfer seine weisen Betrachtungen über das Weltall mit den Worten: »das allerschönste bleibt und ist ein schönes Mägdlein!« Die gesamte Zuhörerschaft lachte vergnügt dazu, nur Mustapha fing an zu höhnen: »Was soll einem Greis ein Mädchen frommen? Alte Knochen, schwache Arme. Weh dem Mädchen in des Greisen Armen!« Darob ergrimmte Ćejvan, und Halil fuhr auch wild auf. Sie kündigten auf der Stelle Mustapha die Freundschaft, und ihnen schlossen sich die besten Kämpen an. Sie stiegen hinab ins Küstenland und führten einen blutigen Kampf gegen Šimun Breulja und Smiljanić Ilija. Die Gelegenheit machte sich Mustapha zu Nutze und plünderte inzwischen ungestört Šimuns Warte und raubte dessen Ehegemahlin[2].

Ohne Ćejvan unternahmen die Moslimen keinen Raubzug. Er war überall dabei und flösste den Gegnern Schrecken ein. Zuweilen schmähten und schalten ihn die Kampfgenossen, indem sie ihm seine Um- und Vorsicht für Feigheit auslegten, aber er wusste besser Bescheid und guten Rat. Held sein ist ein lebengefährlicher Beruf.

Der vornehmste und anerkannteste Heldengreis ist jedoch Novak und mit ihm Grujica, sein Sohn, beide so unter den Südslaven, als auch unter den Rumänen unbestrittene Grössen.

Wer einmal in den Ruf eines Helden oder eines Heiligen gelangt, wird bei steigender Beliebtheit zum Hauptträger so mancher alten Sagen und Legenden. So tritt uns z. B. auch Novak in der Volküberlieferung in den mannigfachsten Rollen und Situationen entgegen, sowohl in der eines Drachentöters als letzlich auch in der eines bosnischen oder rumänischen Buschkleppers. In der epischen Volkpoesie stört solch geschichtwidriges Neben- und Durcheinander nicht.

Novak ist kein Bosnier, nicht einmal ein Serbe, vielmehr gleich dem Prinzen Marko und Relja vom Pazar ein Bulgare; wohlgemerkt, gab es natürlich am Ausgange des 14. Jahrhunderts, in der Blütezeit jener Herren, noch keine nationale Frage, und daher erscheint die Nachforschung nach der nationalen Zugehörigkeit unserer Helden als ausserhalb einer wissenschaftlichen Erörterung und völlig unstatthaft.