Es ist allgemein bekannt, dass die Perseus-Andromeda-Sage als christliche Legende vom hl. Georg, dem Drachentöter, eine Verjüngung und Verklärung erfahren hat. Sie ist in der besonderen christlichen Fassung auch bei den Südslaven einheimisch. Ein solches Stück veröffentlichte ich in Pitrés Archivio per le tradizioni popolari Vol. IX, Palermo 1890, unter dem Titel: Le afflizioni di Trojano. Canto dei guslar della Bosnia (223 Verse nebst Einleitung und Randbemerkungen). Schön hat A. Chachanov diesen Sagenstoff mit Hinblick auf die grusinische Überlieferung besprochen[5].

Unser Guslarenlied von Novak dem Heldengreis hat auch eine historisch-pragmatische Bedeutung wegen der darin genau angegebenen Zeit, wann sich die Begebenheit zugetragen. Die chrowotischen Geschichtforscher jener Art, deren ich in den Böhmischen Korallen aus der Götterwelt gedacht, wären überglücklich, wenn sie so sichere Angaben über den Tag und das Jahr der Geburt und des Ablebens des unendlich gepriesenen nationalen Königs Zvonimir, des grossen Unbekannten, überliefert bekommen hätten. Novak besiegte nämlich den Schwarzaraber in jenem Jahre als am 24. April, d. h. am Georgitage, ein solcher Schnee einfiel, dass die Kinder auf den Strassen Schneeball spielten. Im Jahre 1894 am 7. Juni morgens erlebten wir Wiener ähnlich ein märchenhaftes Hagelwetter. In den breitesten Strassen blieben stundenlang schwere Lastwagen im Eise stecken. Wer es nicht mit angesehen, glaubt es nicht. Der Guslar mag immerzu scherzend erzählen, dass sich seine Geschichte damals ereignet habe, als zu St. Georgi ein Schneefall eintrat, ich will zum Trotz gerade dies Geschehnis für wahr und das übrige nur für eine slavische Variante der Perseus-Andromeda-Sage halten, die zu Ehren des achtzigjährigen Novak erfunden und erdichtet ward.

Kat se ženi od Janoka bane Der Ban von Janok ging auf Freierfüssen;
na daleko čuo za djevojku, vernahm von einer Maid in weiter Fremde,
čuo bane u zemlji bugarskoj der Ban vernahm, im Lande der Bulgaren,
u onoga bugarskoga kneza, die Tochter wär es vom Bulgarenfürsten;
5 gji je prose mloge mušterije um ihre Hand dass viele Freier freien,
a nitko je odvodit ne mere. doch keiner wär im Stand sie heimzuführen.
On opremi sebe i gjogata; Da rüstet er sich selbst und seinen Falben,
ode bane u zemlju bugarsku und fort ins Land Bulgarien zog der Ban
bjelu dvoru bugarskoga kneza. zum weissen Hof des Fürsten von Bulgarien.
10 Dobro ga je kneže dočekavo Fürtrefflich ihn der Fürst empfangen tat,
a iznio pivo i jidivo er liess herbei Getränk und Speisen schaffen,
pa śjedoše ladno piti vino. dann setzten sie sich kalten Wein zu trinken.
Odma bane zaprosi djevojke. Der Ban hält unverweilt ums Fräulein an.
Kneže šuti, ništa ne bješjedi, Der Fürst, der schweigt, er spricht kein einzig Wörtchen,
15 nit je daje nit mu je ne daje. er sagt nicht zu und sagt ihm auch nicht ab.
Ražljuti se od Janoka bane Darob geriet in Zorn der Ban von Janok
pa on snijgje do gjogata svoga und stieg hinab zu seinem falben Läufer
pa uzjaši debela gjogata; und schwang hinauf sich auf den feisten Falben;
ode bane kroz zemlju bugarsku dahin durchs Land Bulgarien zog der Ban,
20 u Janoka bijeloga grada. dahin zu seiner weissen Burg von Janok.
Sve dan po dan godinica dana. So Tag an Tag ergab ein Jahr an Tagen.
Kada bješe o Jurjevu danu, Als um die Zeit des Sankt Georgitages
snijeg pade o Jurjevu danu, ein Schneefall eintrat am Georgitage,
grudaju se djeca po sokacim, Schneebälle warfen Kinder auf den Gassen,
25 jedno drugog grudom udarilo, das eine traf das andre mit dem Schneeball,
zajmiše se djeca nis sokake: entlang den Gassen jagten sich die Kinder:
— Stani kurvo, njesi pobjegnulo — Na, wart du Dirn, du Ding wirst nicht entwischen
na sramotu ko banu djevojka! zu Schimpf und Schande wie dem Ban das Bräutchen!
To dočuo od Janoka bane Der Ban von Janok das Geschrei vernahm,
30 pa svu sebi djecu pokupio berief zu sich die Kinder allesamt
pa dobro je djecu darovao, und tat die Kinder gar beschenken reichlich,
svakom djetu po žut dukat dade. jedwedes Kind mit einem Golddukaten.
Pa opremi debela gjogata; Drauf rüstet er den feisten Falben aus;
ode bane u zemlju bugarsku ins Land Bulgarien zog der Ban von dannen
35 bjelu dvoru bugarskoga kneza. zum weissen Hof des Fürsten von Bulgarien.
Na avliju natjera gjogata, Er trieb den Falben nach dem Burghof hin,
na avliji zatvorena vrata. doch war vom Hofe wohl das Tor verschlossen.
Bane trže pernu topuzinu, Den nägelreichen Kolben schwang der Ban,
stade lupat na avliji vrata hub an damit aufs Hoftor loszuhämmern
40 a on kneza po imenu vikat: und rufen auch beim Namen an den Fürsten:
— Kurvo jedna, Mijoile kneže! — Du eine Metze, Michaël, du Fürst,
izlaz kurvo na megdan junački zum Heldenzweikampf komm heraus, du Metze,
ja izvodi glavitu djevojku! wo nicht, so führ heraus das stattlich Mädchen!
Kada kneže poznavao bana Sobald als da der Fürst den Ban erkannte,
45 ondar sletje vratma i avliji flog er behend zum Tor und Hof hinab
pa otvori na avliji vrata: und öffnete das Einlasstor des Hofes:
— Aman bane mili gospodare! — Verzeihung Ban, mein teuerster Gebieter!
odjaš bane debela gjogata, steig ab, o Ban, von deinem feisten Falben,
ajde sa mnom u bijele dvore! komm in den weissen Hof mit mir hinauf;
50 Ja ću tebi curu pokloniti, ich werde zum Geschenk die Maid dir machen,
ja rodio, tebi poklonio. so wahr ich sie gezeugt, ich schenk sie dir!
Ban odjaši debela gjogata. Da stieg der Ban vom feisten Falben ab.
Vjerne sluge konja odvedoše, Die treuen Diener führten fort den Renner,
kneže bana u bijele dvore; der Fürst den Ban in weisse Burggemächer;
55 za punu ga sopru posadio er pflanzt’ ihn hin zur reichbesetzten Tafel;
pa śjedoše ladno piti vino. sie huben an, dem Kühlwein zuzusprechen.
Tri bijela pridaniše dana. Drei weisse Tage tagten sie selbander.
Kat četvrti danak osvanuo Als dann des vierten Tages Morgen graute,
ondar bane zaprosi djevojke: bewarb der Ban sich um des Mädchens Hand:
60 — Ak neš bane poklonit djevojku! »Wenn du mir, Fürst, die Maid nicht schenken magst!«
(Er schwingt den Streitkolben gegen den Fürsten, der zu Tod erschrocken und sprachlos mit Hand und Kopf zustimmend, seine Schenkfreudigkeit äussert.)
Ondar bane bjeśjedio knezu: Dann weiter sprach der Ban zum Fürsten noch:
— Kaću kneže sa svatovma dojći? — Wann darf ich, Fürst, mit dem Geleit erscheinen?
koliko ću dovesti svatova? Wie viel Geleitgefolge soll ich führen?
— Povedi mi iljadu svatova, — Bring mir eintausend Hochgezeiter mit,
65 sve knezova, prvije kmetova nur lauter Schulzen, reiche Lehenbauern
i povedi svate varošane. und bring zu Hochgezeitern Städter mit.
Ajde bane u drugu nedilju! Erscheine, Ban, mir in der zweiten Woche!
Pojgje bane od Janoka grada. Der Ban von Janok brach nun auf zur Heimkehr.
Kad istjera konja na avliju, Als hoch zu Ross er in den Hof gejagt,
70 na avliji banova djevojka, befand sich in dem Hof des Fürsten Fräulein,
ona banu tio bjeśjedila: sie sprach mit leisen Lauten so zum Ban:
— Gospodine od Janoka bane, — Mein edler Herr und Ban von Burg zu Janok
šta no tebi babo bjeśjedaše? was hat mein Vater wohl zu dir gesprochen?
— Bjeśjedaše Mijoile kneže — Fürst Michaël, der hat zu mir gesprochen:
75 da povedem svate varošane zu Hochgezeitern soll ich Städter bringen
i knezove i prve kmetove. nur lauter Schulzen, reiche Lehenbauern.
— Šta će babi svati varošani?! — Was sollen Städter-Hochzeitleut dem Vater?!
Ne će babo boje prodavati! er will doch keine Hofgelass’ verkaufen!
I knezovi i prvi kmetovi?! dann, lauter Schulzen, reiche Lehenbauern?!
80 Ne će babo zemlje dijeliti! will denn der Vater Länderei’n verteilen?
A zâr ne znaš od Janoka bane, Ja, blieb dir unbekannt es, Ban von Janok,
sedam sam se isprosila puta, dass siebenmal als Braut ich ward erworben
sve sedam sam povogjena puta; und siebenmal als Braut die Reise machte?
a moj babo, da od Boga najgje! Jedoch mein Vater, mög es Gott ihm lohnen,
85 sve sedmere svate oglobio, brandschatzte all die sieben Brautgefolge,
pogubio sedam gjuvegija, er bracht ums Leben sieben Bräutigame
mlogo pusto nasipao blago. und häufte viel an eitlen Schätzen auf.
I tebe će bane pogubiti Er wird auch dich, o Ban, ums Leben bringen,
a i tvoje svate oglobiti brandschatzen wohl auch deine Hochgezeiter,
90 a i tvoje blago ustaviti. auch deine Schätze sich zurückbehalten.
Ako misliš mene odvoditi Wofern du heimzuführen mich vermeinst,
dera kupi pod izbor junake. traun, sammle lauter auserwählte Helden!
Pa se čuvaj kroz zemlju bugarsku, Und nimm in Obacht dich durchs Land Bulgarien,
Bugari su stare varadžije, Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme,
95 dokle sada na gjogatu projgješ dass dich, indes du hoch zu Falben durchziehst,
da te koji džidom ne opali! nicht einer mit dem Wurfspiess arg versenge!
Ode bane kroz zemlju bugarsku. Durchs Land Bulgarien zog nach heim der Ban.
Kada dogje u Janoka grada, Als heim er in die Burg von Janok kam,
ondar śjede, sitru knjigu piše da schrieb er ohn Verzug ein zierlich Schreiben
100 pa je šalje Kraljeviću Marku: und übersandt es an den Prinzen Marko:
»Eto knjiga dragi pobratime! »Allhier ein Schreiben, teuerer Herzensbruder!
Hajde meni Marko u svatove. Erschein zu meinem Brautgeleite, Marko,
Nemoj vodit svata nijednoga. bring keinen Hochgezeiter weiter mit;
Ja sam brate curu isprosio, ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,
105 isprosio u zemlji bugarskoj. erworben bass im Lande der Bulgaren.
Bugari su stare varadžije«. Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«
Drugu piše Miloš Obiliću: An Miloš Obilić ein zweites Schreiben:
»Ajd Milošu meni u svatove! »Erschein zu meinem Brautgeleite, Miloš!
Nemoj vodit svata nijednoga. bring keinen Hochgezeiter weiter mit;
110 Ja sam brate curu isprosio, ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,
isprosio u zemlji bugarskoj. erworben bass im Lande der Bulgaren.
Bugari su stare varadžije«. Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«
Treću piše Relji ot Pazara: An Relja vom Pazar ein drittes Schreiben:
»Ajde Relja meni u svatove. »Erschein zu meinem Brautgeleite, Relja!
115 Nemoj vodit svata nijednoga. bring keinen Hochgezeiter weiter mit;
Ja sam brate curu isprosio, ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,
isprosio u zemlji bugarskoj. erworben bass im Lande der Bulgaren.
Bugari su stare varadžije«. Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«
Kada bješe u oči nedilje Als es gerad vor Sonntag Abend war,
120 al eto ti Kraljevića Marka der Königsprosse Marko kam daher
a za Markom Miloš Obilića, und gleich nach Marko Miloš Obilić,
za Milošem Relje ot Pazara. nach Miloš folgte Relja vom Pazar.
Dobro ji je dočekao bane; Fürtrefflich sie der Ban empfangen tat,
konje vodi u tople podrume die Rosse führt er in die warmen Keller,
125 a junake u bijele dvore; die Ritter in die weissen Burggemächer
za punu ji sopru posadio und pflanzte sie an reichbesetzte Tafel.
pa śjedoše ladno piti vino. Sie huben an am Kühlwein sich zu laben.
Kad u jutru jutro osvanulo, Am Morgen als der Morgen angebrochen,
dobre svoje konje opremiše da rüsteten sie ihre guten Renner
130 pa pojgjoše od Janoka grada. und zogen fürbass aus der Burg von Janok.
Putovaše i dva i tri dana. Am zweiten oder dritten Reisetage
Kada biše kroz goru zelenu als sie im grünen Hochwald sich befanden
kraj stijene starine Novaka, dem Felsen nah des Heldengreises Novak,
ondar reče Kraljeviću Marko: da sprach das Wort der Königsprosse Marko:
135 — Gospodare od Janoka bane, — O mein Gebieter, Ban von Janok-Burg,
da s vratimo starini Novaku, zum greisen Novak lass uns Einkehr halten,
da zovnemo njega u svatove; damit wir ihn zur Hochzeit laden ein,
nek povede svog sina Grujicu, er führe mit Georgchen seinen Sohn;
jer brež njega pouzdanja nejma! denn sonder ihn ist kein Verlass aufs Glück!
140 Pa s vratiše studenoj stijeni. Sie hielten Einkehr in die kalte Höhle.
Bane starog zove u svatove. Zur Hochzeit lud der Ban den Alten ein.
Bjeśjedi mu starina Novače: Zur Antwort ihm der greise Novak gab:
— Gospodine od Janoka bane! — O mein Gebieter, Ban von Janok-Burg!
Ja ne mogu u svatove pojći, Zur Hochzeit kann unmöglich mit ich ziehen,
145 jêr ja groša ni dinara nejmam denn keinen Groschen noch Denar besitz ich,
pa s ne mogu spremit u svatove; und kann mich nicht zur Hochzeit rüsten aus
jêr znaš bane mili gospodare, Du weisst ja, Ban, o teuerster Gebieter,
da ja nejmam kuće ni kućišta, dass weder Haus ich noch Gehöfte habe;
kuća mi je studena stijena. fürs Heim mir hilft die kalte Felsenhöhle.
150 Kada bane čuo lakrdiju, Sobald der Ban die Worte tat vernehmen
dade bane stotinu dukata, da gab der Ban ein hundert Golddukaten
dade Marko stotinu dukata, und Marko gab ein hundert Golddukaten
dade Miloš stotinu dukata, und Miloš gab ein hundert Golddukaten
dade Relja stotinu dukata. und Relja gab ein hundert Golddukaten.
155 Opremiše starinu Novaka Sie rüsteten den greisen Novak aus,
i njegova sina Gruajana zu gleicher Zeit Georgchen seinen Sohn
pa odoše u zemlju bugarsku. und zogen fürbass in das Land Bulgarien.
Kad dojgjoše u zemlju bugarsku, Als sie im Land Bulgarien angekommen,
sve zeleno polje prikriveno; belagert lag das grüne Grasgefilde
160 knez skupio silovitu vojsku. vom Heere mächtig, das der Fürst gesammelt.
Al eto ti crne Arapine Doch sieh! da naht ein schwarzer Araber,
i on jaši vranu bedeviju. beritten wohl auf Beduinenrappen.
Arap ciči, bedevija riče, Der Ărăbĕr gröhlt, der Wüstenrappe brüllt,
pod njima se crna zemlja trese: die Schwarzerd unter dem Getrapp erdröhnt:
165 — Kojo vam je od Janoka bane? — Wer ist euch hier der Ban von Janok-Burg?
nek izijgje na megdan junački, er mög heraus zum Heldenzweikampf rücken
jă izijgje jă izmjenu najgje! entweder selber oder sein Ersatzmann!
Pojgje bane na megdan izijći. Schon wollt heraus der Ban zum Zweikampf rücken,
Ne dade mu Miloš Obiliću: doch hielt zurück ihn Miloš Obilić:
170 — Stani bane mili gospodare! — Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter.
tvoj je megdan, moje zaodivo; Der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!
ja ć Arapu na megdan izijći. ich will dem Araber im Plan erscheinen.
Pa istjera debela alata. Und jagte hoch auf feistem Fuchs hinaus;
Natjeraše jedan na drugoga. sie drangen einer auf den andern ein.
175 Arap trže pernu topuzinu Es schwang der Araber die Nagelkeule
pa ošinu Miloš Obilića; und schlug drauf los auf Miloš Obilić,
obori ga u zelenu travu, er warf ihn nieder auf den grünen Rasen,
saveza mu na plećima ruke, er band ihm auf die Schultern fest die Hände,
otjera ga u zemlju bugarsku er trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarien
180 u tavnicu Mijoila kneza. fort ins Verliess des Fürsten Michaël.
Malo vrime zu dugo ne bilo Nach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,
al eto ti crne Arapine; der Schwarzaraber wieder war erschienen.
Arap ciči, bedevija riče: Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt:
— Kojo vam je od Janoka bane? — Wer ist von euch der Ban von Janok-Burg?
185 nek izijgje na megdan junački, Er mög heraus zum Heldenzweikampf rücken
ja izijgje, ja izmjenu najgje! entweder selber oder sein Ersatzmann!
Pojgje bane na megdan izijći, Schon wollt heraus der Ban zum Zweikampf rücken,
ne dade mu Relja ot Pazara: doch hielt zurück ihn Relja vom Pazar:
— Stani bane, mili gospodare! — Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter!
190 tvoj je megdan, moje zaodivo! der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!
Pa istjera debela putalja. Und stürmt’ hinaus auf seinem feisten Mustang;
Natjeraše jedan na drugoga. sie drangen einer auf den andern ein.
Arap trže pernu topuzinu Es schwang der Araber die Nagelkeule
pa udari Relju ot Pazara, und schlug drauf los auf Relja vom Pazar,
195 obori ga u zelenu travu, er warf ihn nieder auf den grünen Rasen,
saveza mu na plećima ruke, er band ihm auf die Schultern fest die Hände,
otjera ga u zemlju bugarsku er trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarien
u tavnicu Mijoila kneza. fort ins Verliess des Fürsten Michael.
Malo vrime za dugo ne bilo Nach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,
200 al eto ti crne Arapine, der Schwarzaraber wieder war zur Stelle.
Arap ciči, bedevija riče: Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt;
— Kojo vam je od Janoka bane? — Wer ist von euch der Ban von Janok-Burg?
nek izijgje na megdan junački, Er mög heraus zum Heldenzweikampf rücken
ja izijgje ja izmjenu najgje! entweder selber oder sein Ersatzmann!
205 Pojgje bane na megdan izijći, Schon wollt ihm auf dem Plan der Ban erscheinen,
ne dade mu Kraljeviću Marko: doch wehrt’ es ihm der Königsprosse Marko:
— Stani bane, mili gospodare! — Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter!
tvoj je megdan, moje zaodivo! der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!
Dok mu Marko na megdan izijgje! Na, bis ihm Marko auf dem Plan erscheint!
210 Pa on zajmi debela šarina; Und tollte fort auf seinem feisten Schecken.
natjeraše jedan na drugoga. Sie drangen einer auf den andern ein.
Marko trže pernu topuzinu Herr Marko liess die Nagelkeule schwirren
pa ošinu crnu Arapinu. und niedersausen auf den Schwarzaraber.
Kako ga je lako udario Wie gar so leichten Schlag er ihm versetzte,
215 pot sobom je šarca oborio, dass ihm der Schecken unterm Leibe stürzte,
na njega se šarac pribacio der Schecke warf sich über seinen Reiter
pa pritiśće Kraljevića Marka. und drückt’ zur Erd’ den Prinzen Marko nieder.
Arap sjaši šafku bedeviju Der Araber stieg vom wilden Rappen ab
pa saveza Kraljevića Marka; und fesselte den Königsprossen Marko;
220 otjera ga u zemlju bugarsku er trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarien
u tavnicu Mijoila kneza. fort ins Verliess des Fürsten Michael.
Malo vrime za dugo ne bilo Nach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,
al eto ti crne Arapine. der Schwarzaraber wieder war zur Stelle.
Arap ciči, bedevija riče, Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt,
225 pod njima se crna zemlja trese. die Schwarzerd unter ihrem Trab erdröhnt:
— Kojo vam je od Janoka bane? — Wer ist euch hier der Ban von Janok-Burg?
nek izijgje ja izmjenu najgje! er mög erscheinen oder sein Ersatzmann!
Pojgje bane na megdan izijći, Schon wollt ihm auf den Plan der Ban erscheinen,
ne dade mu starina Navače: doch wehrt’ ihm Novak ab, der Heldengreis:
230 Stani bane, mili gospodare; — Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter,
dok mu stari na megdan izijgje! zuerst erschein’ ihm auf dem Plan der Alte!
Bjeśjedi mu dijete Grujica: Da sprach zu ihm das Wort sein Kind Georgchen:
— Â moj babo starina Novače! — O du mein Vater Novak, Heldengreis,
da mi svoje sablje razmjenimo! o lass uns wechseln unsre Säbel aus;
235 tvoja sablja od devet pedalja neun Spannen misst dein Säbel in der Breite,
a moja je ot četiri pedlja. vier Spannen bloss ist breit der Säbel mein.
— A moj sine dijete Grujica! — Lass gut es sein, mein Sohn, du Jung-Georgchen!
ako meni do nevolje dojgje Sollt ich in Leid und schlimme Lage fallen,
lasno ćemo sablje razmijenit! leicht wechseln wir noch unsre Säbel aus.
240 Natjeraše jedan na drugoga, Sie drangen einer auf den andern ein,
potegoše sablje ot pojasa sie zogen blank die Klingen aus dem Gürtel,
(ne tje stari perne topuzine) (der Alte wollte nicht die Nagelkeule)
pa ošinu crnu Arapinu; er traf mit einem Hieb den Schwarzaraber,
poviš pasa malo natfatio; erfasst’ ihn nur ein wenig oberm Gürtel;
245 kako ga je lako udario so fein und leicht tat diesen Streich er führen,
dvije pole u travu padoše. dass gleich zwei Hälften in den Rasen fielen.
Opet Arap is travice viče: Und dennoch schreit vom Rasen der Araber:
— Mol se Boga, starina Novače! — O preis nur Gott, du Heldengreis, o Novak!
Marko mi je rebra polomio Die Rippen hat Herr Marko mir zerbrochen,
250 a ne bi me lako pogubio! sonst hättest du mich nicht so leicht zerstochen!
Pa odoše u zemlju bugarsku Nun zogen fort sie in das Land Bulgarien
bjelu dvoru Mijoila kneza. zum weissen Hofe Michaëls, des Fürsten.
Kako dojgje starina Novače Kaum kam Herr Novak hin, der Heldengreis
odma razbi na tamnici vrata sofort zerbrach die Pfort er am Verliesse
255 pa ispuśća sve tri pobratima. und machte frei der Wahlgebrüder drei.
Svu kneževu rastjeraše vojsku, Des Fürsten Heer sie trieben auseinander
bijele mu dvore porobiše, und plünderten ihm aus die weisse Hofburg;
pokupiše gotovinu blago, sie rafften all den baren Schatz zusammen,
pogubiše dva njegova sina, sie töteten ihm seine beiden Söhne,
260 od zla roda nek nije poroda. von frevler Zucht, dass keine Frucht verbleibe.
Oni kneza živa oguliše, Den Fürsten schunden sie lebendig ab.
povedoše glavitu djevojku Sie führten mit sich weg das stattlich Mädchen
pa odoše kroz zemlju bugarsku. und zogen durch das Land Bulgarien heim.
Igje Marko, pjeva prit svatovma: Herr Marko singt voran dem Hochzeitzuge:
265 — Nejmakiše brez mutna oblaka — Ohn trübe Wolke gibt es keinen Regen
ni junaka brez starca Novaka! und ohn den alten Novak keinen Degen!
Da ne bješe starina Novače Hätt Novak uns gefehlt, der Heldengreis,
mi ostasmo sužnji u Bugarskoj! wir blieben Kerkerhäftling in Bulgarien!
Da b u koga ne bi ni žalio Wär’s noch bei wem, es tät nicht weh der Seele,
270 već u onog kneza bugarskoga! doch grad bei dem, beim Fürsten von Bulgarien!
Pa odoše u Janoka grada. Nun zogen sie zur Janok-Burg zu Haus.
Pilav čine tri nedilje dana. Drei Wochen währte wohl der Hochzeitschmaus.

Erläuterungen.

Das Lied sang mir am 24. Oktober 1885 mein Diener und Reisebegleiter Milovan Ilija Crljić Martinović aus Gornji Rgovi in Bosnien vor. Von wem er das Lied »übernommen«, war ihm nicht mehr im Gedächtnisse. Er hatte es schon als Sauhirtlein gekannt, also ums Jahr 1850. In seinem Repertoir führt das Lied die Bezeichnung: Od Janoka ban u Bugarskoj i svat mu starina Novak (Der Ban von Janina in Bulgarien und dessen Brautbegleiter Novak der Heldengreis). Milovan war ums Jahr 1860 Leibpferdewächter Osman Pašas als dieser die Montenegrer bekriegte. Als dem Paša die Pferde »gestohlen« wurden, entzog sich Milovan samt Genossen durch Flucht einer Untersuchung des Falles. Er hielt sich bis zum Ableben Osman Pašas im Gebirge auf. Damals habe er, erzählte er mir, mehrmals in der Romanija planina in Novaks Höhle vor den Zaptijen (Schergen) Schutz gefunden. Er wollte auch mich hinführen, aber ich mochte nicht hin, weil mein vagabundenmässiges Gewand und Schuhwerk diese Tour durchs Walddickicht über Stock und Stein kaum bestanden hätten. Eine Novak-Höhle zeigte mir der greise Archimandrit von Banja an der Drina im Gebirge jenseits des Klosters in einem Grabsteinbruche. Das ist aber keine alte Räuberhöhle, vielmehr ein ganz gemeines, unhistorisches Loch im Sandstein, das die Steinmetzen ausgehöhlt hatten, um sich darin bei Regen und Unwetter zu bergen.

Greise Haudegen, gleichgültig ob in der Epik oder in der Wirklichkeit, von Nestor an bis zum alten Flöhefeind Stipurile, waren keine Dauerredner. Wer die frische, verwegene Tat zu vollbringen liebt, pflegt vielen Worten abhold zu sein. Berühmtheit ist jedoch mitunter im Leben, und öfter nach dem Tode ein Unsegen für den, der sie einmal erlangt hat und ihrer nicht mehr ledig werden kann. Wer sollte es für möglich halten, dass sich ein Serbe finden wird, der unterm Deckmantel des nationalen Patriotismus unseren Novak, den Heldengreis zum furchtbarsten, langweiligsten Schwätzer und Lügenbold, zu einem umgestülpten Gargantua umdichtern werde? Das Buch hat den Titel: Starine od starine Novaka ili Tolkovanje Narodnjeg Pjevanja i Pripovjedanja. Napisao Joksim Nović Otočanin. Izdala »Matica Srpska«. Neusatz 1867. S. 356. 8o. (Denkwürdigkeiten vom Heldengreis Novak [erzählt] oder Verdolmetschung der Volklieder und Volkerzählungen. Geschrieben von Joksim Nović aus Otočac [in der Lika, Chrowotien]. Das Buch erklärt man für ein klassisches Erzeugnis serbischer Erzählungkunst. Es ist gut möglich, dass sich Nović consueto more solcher serbischer und chrowotischer Literätlein selber die Reklame besorgt hat. Von einer Verdolmetschung oder Erläuterung der Volktradition ist in dem Buche nicht einmal eine Spur, Nović lässt den alten Novak bei Gelegenheit eines Taufschmauses und einer Verlobung im Hause eines Freundes bei Visoko in Bosnien seine Memorabilien aus dem Leben selig entschlafener Helden auskramen. Planlos und ziellos reiht Novak aus Guslarenliedern dürftige prosaische Berichte aneinander, entkleidet sie jeder poetischen Zutat und dichtet den Helden ungeheuerliche Schandtaten und himmelschreienden Frevel an, kurzum, nach der Darstellung Nović-Novaks müsse man die Serben für den Ausbund aller irdischen Niedertracht und Schlechtigkeit erachten. Eine blutrünstige Phantasie hat Nović gewiss, aber sie hat das eine mit den meisten Dampfluftschiffen gemein, dass sie sich über die Gipfel einer glatten Ebene nicht erheben kann. Seine Diktion ist zerhackt und gibt wohl ein Bild der bäuerlichen Ausdruckweise des Bosniers unserer Zeit. Von den sozialen und kulturellen Zuständen der Südslaven des XIV. Jahrhunderts besitzt Nović keinen blauen Dunst. Und das Bad muss Novak, der Heldengreis ausgiessen!

Zu V. 5. gji mundartlich für gdi (gdje). Zu V. 6 mere für može, V. 99 sitru f. sitnu eine Spracheigentümlichkeit der Dorfbewohner vor Gornji Rgovi. Im V. 55 sagt Milovan sopru für sofru; denn ihm fällt die Aussprache von f. schwer.

Zu V. 51. ich habe sie geboren, dir hab ich sie geschenkt. Kraft seines väterlichen Mundschaftrechtes steht ihm unumschränkte Verfügung über die Tochter frei. Mein seliger Landsmann der Heilige Hieronymus Sophronius Eusebius (aus dem vierten Jahrhunderte) erzählt treuherzig in griechischer Sprache, er persönlich habe zu Alexandrien einen Pathicum gekannt, der schwanger geworden und einen unförmlichen Klumpen statt eines Kindes geboren. Das glaubt ihm kein serbischer Bauer, obgleich er, wie uns auch der V. 51 lehrt, ohne weiters einen Vater sagen lässt, dass er sein Kind geboren. Er will damit natürlich den gewöhnlichen Hergang des Geborenwerdens von einer Mutter nicht abläugnen, sondern lediglich das Vaterrecht hervorheben, demzufolge der Vater alles, die Mutter nichts gilt. Unsere Helden töten zum Schluss die beiden Söhne des Fürsten Michaël, um dessen Geschlecht mit Stumpf und Stil auszurotten, aber es fällt ihnen nicht im Traume ein, dass aus der Ehe des Bans von Janok mit der geraubten Fürstentochter dem geschundenen Fürsten Enkel entspriessen könnten. Die Prinzessin scheidet mit dem Eintritt in des Bans Stamm gänzlich aus dem väterlichen Geschlechterverbande und ihre Kinder gebiert der Ban, ihr Herr und Gebieter über Leben und Tod. Das Recht des Stärkeren hat eine zwingende Logik, es tut auch der Sprache Gewalt an. Ich durfte hier der Spur des Serben nicht folgen, weil man meine Verdeutschung ohne Kommentar nicht verstanden haben würde; darum erlaube ich mir etwas anderes einzusetzen, um den Leser nicht aufzuhalten.