Zu V. 60 irrtümlich bane für kneže und im V. 70 banova statt kneževa. Sprechversehen sind nicht selten in Guslarenliedern. Quandoque et bonus dormitat Guslarus. Ich ändere selbst Derartiges nicht in meinen Texten. Die interpolierten 2 Zeilen Gedankenstriche im Texte nach V. 60 und die Einschaltung in der Verdeutschung sind von mir. Ohne die gedachte raubritterliche Pantomime wäre die Szene kaum verständlich.
Zu V. 63. Die Frage ist am Platze; denn der Bräutigam kann von vornherein nicht wissen, wie viel Leute der Fürst in der Lage sei, gastlich frei zu halten. Der Fürst wünscht sich Städter, friedliebende Leute, zu Gästen, die auch bei Geld sind und sich selber etwas kaufen, anstatt den Gastgeber auszusacken und arm zu fressen. Die Braut freilich gibt dem Wunsche eine davon verschiedene Deutung.
Zu V. 62. in der zweiten Woche, d. h. nach 15 (14 + 1) Tagen. Trifft der Bräutigam bis dahin um die Braut nicht ein, wird der Handel, die Verlobung von selbst rückgängig.
Zu V. 71. Halblaut sprechen ist nach osmanischen Anstandbegriffen die Art feingebildeter Leute. Das Fräulein redet hier aber auch aus Vorsicht leise.
Zu V. 78. Bŏje, d. i. Stockwerke der Häuser. Holzbauten kann man auseinanderlegen und an einem anderen passenden Orte aufstellen. Der Unterbau aus Stein ist unverkäuflich.
Zu V. 94. In serbischen Guslarenliedern öfters: bugari su stare varalice, d. h. Bulgaren haben es faustdick hinter den Ohren. Statt Bugari sonst Latini Lateiner (Venezianer). Solche Schmeicheleien sagen einander Nachbarvölker gern nach. Man lese darüber das treffliche Werk: Blason populaire de la France par H. Gaidoz et Paul Sébillot. Paris 1884. XV, 382 und dazu Sébillots Nachtrag: Blason populaire de la Haute-Bretagne 38 S. Tragisch sind solche Aussprüche nicht zu nehmen.
Zu V. 100. Die Besorgnis ist unbegründet, dass uns der Guslar etwa tausendmal denselben Brief zum Besten gegeben hätte, wenn der Ban 1000 Gäste eingeladen. Selbst bei grossartigen Einladungen nennt der Sänger nur die ersten Würdenträger und Führer namentlich, doch meist um deren Aufzug späterhin beschreiben zu können.
Zu V. 100 ff. Über den Prinzen Marko gibt es sowohl in der serbischen als der deutschen und russischen Sprache schon eine stattliche Literatur. Heil dem Manne, der sie nicht zu lesen braucht. Hübsche Charakteristiken der bulgarischen Überlieferung gab G. Popov im Sbornik za narodni umotvorenija, Sofija 1890. (Blgarskite junaški pesni) Bd. III1, S. 247 ff.
Zu V. 139. Das Lob bezieht sich ausschliesslich auf den Alten. Er zieht als »stari svat« als der Oberordner des Hochzeitzuges und Proviantmeister mit, seinen Weisungen muss jedermann gehorchen, selbst Braut und Bräutigam und deren Eltern.
Zu V. 145. Kojo für koje je ovo (welches ist allda, hier), kojvo.