Zu V. 171. Zaodivo, Gang für einen anderen. Das Wort noch in keinem Wörterbuch.

Zu V. 218 šăfku in der Verdeutschung nicht wiedergegeben. Bei Milovan öfters, kommt noch in den Wtb. nicht vor. Ich vermute ein ursprüngliches türk. čapkun, ein Pferd, dessen Gangart der Galopp ist. Das bosnische Bauernpferd ist an den langsamen Passgang gewöhnt. Milovan kannte die Bedeutung des Wortes nicht. E tako sam primio (ja, so hab ich’s überkommen), pflegt er in solchen Fällen zu sagen.

Zu V. 235 ff. Solche riesige Aufschneidereien sind in Guslarenliedern nicht spärlich. Man denke sich die kolossale Länge zu einem neun Spannen breiten Schwerte! Grujo meint, der Säbel dürfte dem alten Vater doch etwas schwer fallen und darum bietet er ihm seine leichte Klinge an. Die ist bloss vier Spannen breit und wahrscheinlich nur zwanzig Ellen lang. Solche Einschaltungen gehören zum dichterischen Aufputz der Guslarenlieder.

Zu V. 242. Der Alte wollte die Nagelkeule nicht beschmutzen. Es verlohnt sich ihm gar nicht, gegen einen so geringen Gegner mit einer so wuchtigen Waffe auszuholen. Nach einem Guslarenliede wog der Apfel von Novaks Schlachtkeule 120 Litren Eisen.

Zu V. 261. Unter oguliti (schinden) ist hier lediglich die Amputation der Ohren, der Nase, der Finger, Zehen und des Zumptes zu verstehen. Über altsüdslavische Strafen vrgl. meinen Kommentar zu König Mathias und Peter Géréb in den Ethnolog. Mitl. aus Ungarn, Bd. III. In unserem Sonderfalle nahmen die Helden, wie nach Kriegbrauch, wohl die abgeschnittenen Leibteile als Siegzeichen mit, um sie daheim vorzuzeigen.

Zu V. 272. Die Hochzeitfestlichkeiten dauern sonst nur zwei Wochen, diesmal vergönnten sich die Herrschaften noch eine dritte gute Woche. In Slavonien darf nach behördlicher Verfügung kein Hochzeitschmaus länger als 2 Tage währen; denn das Bauernvolk richtete sich durch den üblichen Aufwand bei Hochzeiten wirtschaftlich zu Grunde.


[1] Ich veröffentlichte es in T. R. Gjorgjevićs Monatschrift Karadžić. Aleksinac 1902.

[2] Das prächtige Guslarenlied ward am Folklore-Kongress zu Chicago 1893 verlesen und ist im Sammelbande des Kongresses erschienen.

[3] In einer Wählerversammlung in Brod a. d. Save, hörte ich im Sommer des Jahres 1885 den Landtagkandidaten Pfarrer Š. sagen: die Steuern sind eine Erfindung der Magyaren. Mit unserem Gelde erbauen sie für sich in Budapest Paläste. Auf die Anzeige des Polizeikommissärs hin, bekam der Redner drei Monate Klosterarrest gerichtlich zugesprochen.