Ljubović’s Milchbruder Stefan Majković besteht für den Sultan gegen einen Araber einen Zweikampf, rettet dem Sultan das Leben, rettet den Staat, rettet damit den Beg und erwirbt zugleich das Recht, über den Paša abzuurteilen. Der Araber! Das ist ein guter, alter Bekannte. Der muss ebenso in der serbischen als der bulgarischen Guslarenepik den Ruhm der heimischen Helden begründen helfen. Im Kampfe mit Orlović ist er noch dreiköpfig[3], in älteren Zeiten und bei älteren Völkern war er gewöhnlich mehrköpfiger, und eigentlich war er von Ursprung ein menschenfressender Drache.
Vielleicht trug zur Behauptung dieser Sage im poetischen Volkbewusstsein auch der im XIV. und XV. Jahrhundert in der Türkei übliche Brauch militärischer Bravourduelle bei. »In damaliger Zeit,« so schildert der Biograph Skanderbegs die Verhältnisse, »wo die persönliche Kraft des Einzelnen noch häufig massgebend für den Sieg war, herrschte auch in Friedenzeiten der Brauch, dass einzelne, besonders kampfgeübte Streiter von Stadt zu Stadt zogen, um die Tapfersten zum Zweikampf herauszufordern«[4].
Möglicherweise liegt unserer Liedschlussepisode ein solches Ereignis zu Grunde, nur ist die Sache keineswegs wahrscheinlich. Ljubović und Majković übergeben sich ohne Wehr und Waffen dem Abgesandten des Sultans, der mit einem Heere ihre Burg umlagert: denn gegen den Kaiser gibt es keinen Kampf. Der Guslar sagt es selber, und es entspricht dem Gewohnheitrecht der Völker. Nicht einmal den Häuptling einer Hajdukenrotte darf einer der Pfadgenossen zum Zweikampf herausfordern, um wieviel weniger einer aus dem Volke den mit Göttlichkeitmacht ausgestatteten Sultan! Das Rechtsprichwort drückt dies so aus: muluć samo na muluća! (Der Herrscher kämpft wieder nur mit einem Herrscher). Dies gilt schon zu Recht bei der primitiven kriegerischen Genossenschaft. Geraten zwei derartige Verbindungen in Streit, so kämpfen die Häuptlinge einen Zweikampf aus, während die beiderseitigen Rotten müssig zuschauen. Gewöhnlich schliesst sich dann die Rotte des unterlegenen, der Rotte des obsiegenden Häuptlings friedlich an. Erst die spätere Entwicklung der Organisation, wenn einmal die Rottenhäuptlinge zu Landgebietern von geheiligter und unantastbarer Gestalt geworden, brachte es zu Wegen, dass die Hauptinteressenten, selber in gesicherter Ferne, mit Hilfe ihrer Getreuen einander bekriegten; dass sich also die Untertanen gegenseitig hinschlachteten, um ihre kindische Neugier zu befriedigen, für welchen der zwei Gebieter die Hinterbliebenen in Zukunft zu roboten und zu darben haben werden.
Der Bericht leidet auch darunter, dass ein so unmittelbares Eingreifen des Sultans in eine verhältnismässig geringe Provinzialangelegenheit unglaublich, weil unnötig erscheint. Ljubović konnte sein Recht beim Vali suchen, der es schwerlich geduldet haben würde, dass ihm der armselige Paša von Banjaluka ins Handwerk pfusche. War aber der Paša beim Vali Liebkind, so gab es wirksamere Mittel als einen Zweikampf, um ihn umzustimmen. Zu einem Vali pflegt man mit grossem Nachdruck (von so und so viel Beuteln Goldes) zu reden. Ist die strittige Angelegenheit auf diese nicht ungewöhnliche Weise ins Reine gebracht worden, so lag es gewiss zunächst im Vorteil Ljubović’s, seinen Hof- und Burgguslaren darüber nicht aufzuklären, sondern es vielmehr dessen dichterischer Begabung anheimzustellen, eine minder prosaische Lösung zur Aufklärung des Volkes über das Geschehnis zu erfinden.
Der Christ Majković als Milchbruder des Moslims Ljubović und dessen Hausgenosse ist nicht als eine Ausnahmerscheinung zu betrachten[5]. Die heimischen Moslimen waren auf demselben Baum, auf dem ihre christlichen Volkgenossen gewachsen. Sprache, Sitte und Brauch, Rechtanschauung und Religion waren ihnen gemeinsam. Man muss ausdrücklich sagen: Religion; denn sowenig dem einen der Islam, war dem anderen das Christentum vertraut; gottlob, es ist bis auf den heutigen Tag nicht um vieles hierin anderes geworden, sonst wäre es mir nicht möglich gewesen, mein Buch über Volkglauben und religiösen Brauch der Südslaven, so wie es voll Heidentum geraten ist, zu verfassen und die Anthropophyteia herauszugeben. Es steckt ebensoviel Bosheit und Tücke als Unverstand in der Behauptung eines mir aufsässigen Kritikers, wenn er berichtet (und so mancher schreibt es ihm ohne Überprüfung nach), dass die moslimischen Guslarenlieder meiner Sammlung christenfeindlich gehalten wären[6]. Die Haltlosigkeit dieser Ausstreuung fällt jedermann in die Augen, der sich nicht scheut, das eine und das andere Lied durchzulesen. Die Helden moslimischer Guslarenlieder fühlten sich nicht als Streiter für den Fanatismus irgendwelcher Derviše berufen, auch führten sie keinen Krieg gegen Weiber, Kinder und christliche Geistliche und Kirchen. Das galt als unritterlich. Die Anfachung des wildgrimmigen Religionhasses geschah und geschieht leider noch immer von Vertretern der Nächstenliebe, der Milde, Versöhnlichkeit und Güte, von Leuten, die das Gelübde der Armut und Keuschheit ablegen, aber dem Reichtum nachjagen und in Polygynie schwelgen, dann von Politikern und von chrowotischen Lügenhistoriographen, die ihre Unfähigkeit, die Wahrheit zu begreifen und zu ergründen, mit erheucheltem Patriotismus und gleichwertiger Treuversicherung für ihren Glauben zu bemänteln suchen.
Der Liedtitel, wie folgt, vom Guslaren.
| Majkoviću
Ljubovića pobro. | Von Majković
dem Wahlbruder Ljubović’s. |
|
Gjelep kupi beže Ljuboviću
|
Beg Ljubović treibt Rinderherden auf
|
|
po Neretvi, okolo Neretve,
|
an der Narenta, rund um die Narenta,
|
|
po Srijemu, okolo Srijema.
|
im Syrmium, rundum im Syrmium.
|
|
Silan bezi gjelep pokupili:
|
Die Begen brachten auf gar grossen
Auftrieb:
|
| 5 |
pet stotina krava jalovica,
|
fünf hundert Kühe, die noch alle gelt,
|
|
pet stotina volov debelijeh;
|
fünf hundert Ochsen, alle feist
gefüttert,
|
|
naturiše Zadru bijelome.
|
und trieben fort sie nach dem weissen Zara.
|
|
Kada bili niz Neretvu ravnu,
|
Als sie in die Narenta-Ebne kamen,
|
|
izletješe Neretljani mladi,
|
herbei die jungen Narentaër liefen,
|
| 10 |
Neretljani i Nevesiljani:
|
die Narentaër und die Nevesinjer:
|
|
— Ne gon beže volov u kaure!
|
— Treib, Beg, die Ochsen nicht ins
Kafirland!
|
|
Car i ćesar kavgu načinili,
|
Der Kaiser und der Caesar stehn im Worte,
|
|
da ne igje turčin u kaure!
|
es soll kein Türke gehn ins Kafirland!
|
|
Oćeš beže izgubiti glavu,
|
Du wirst, o Beg, dabei dein Haupt verlieren,
|
| 15 |
ja li ćeš se beže osužnjiti!
|
wo nicht, o Beg, in Sklaverei verfallen!
|
|
Al to beže aje pa ne aje;
|
Drauf hört der Beg, und hört auch
nicht darauf;
|
|
gjelep stjera Zadru bijelome.
|
zum Zara weiss hinab er trieb den Auftrieb.
|
|
Š njime ima dvanajes gončila
|
Viehtreiber zwölf mit ihm sind im
Gefolge
|
|
i pobro mu Majković Stjepane.
|
und Stefan Majković, sein Herzensbruder.
|
| 20 |
Na rudinam gjelep zastavio;
|
Auf fetten Fluren hielt er an die Herde.
|
|
ižljeteše njemački trgovci
|
Die deutschen Kaufherrn kamen hergerannt
|
|
pa kupuju krave i volove,
|
und kauften auf die Ochsen und die Kühe;
|
|
begu daju mekane rušpije.
|
dem Beg dafür sie reichten weiche Rupien.
|
|
Kada beže gjelep priprodavo
|
Nachdem der Beg den Auftrieb ausverkauft,
|
| 25 |
on beśjedi Majković Stjepanu:
|
zu Stefan Majković das Wort er sprach:
|
|
— O Stjepane dragi pobratime!
|
— O Stefan, du mein liebstes
Bruderherze!
|
|
Čuvaj nama konja na rudinam
|
behüt uns auf den Fluren wohl die Rosse
|
|
sa našijeh dvanajes gončila,
|
allhier mit zwölf von unsren Rindertreibern,
|
|
dok ja odem u vlaškoga Zadra,
|
dieweilen ich ins christlich Zara wandre,
|
| 30 |
da im vidim Zadra i čaršije
|
will deren Zara sehen und den Marktplatz
|
|
i u Zadra otkle su mu vrata,
|
und auch in Zara seiner Tore Lage,
|
|
da im vidim tablja i topova.
|
besehn die Bastionen und Kanonen.
|
|
Onda Stjepan begu beśjedio:
|
Hierauf das Wort zum Begen Stefan sprach:
|
|
— Nejgji beže u vlaškoga
Zadra!
|
— Du geh nicht, Beg, dahin ins
christlich Zara!
|
| 35 |
Car i ćesar kavgu načinili,
|
Der Kaiser und der Caesar stehn im Worte,
|
|
da ne igje turčin u kaure.
|
es soll kein Türke gehn ins Kafirland.
|
|
Oće li te vlasi poznavati,
|
Leicht können da die Christen dich
erkennen,
|
|
oćeš ludo izgubiti glavu,
|
du wirst nur tollerweis dein Haupt verlieren,
|
|
ja li ćeš se beže osužnjiti!
|
wo nicht, o Beg, in Sklaverei verfallen!
|
| 40 |
Al to beže haje i ne haje,
|
Drauf hört der Beg und hört auch
nicht darauf,
|
|
vić on ode u vlaškoga Zadra.
|
begab vielmehr sich in das christlich Zara.
|
|
A u Zadra otvorena vrata.
|
Von Zara waren offen just die Tore;
|
|
Stade beže po čaršiji odat.
|
anhub der Beg zu wandeln auf dem Marktplatz.
|
|
Beže gleda Zadra i
čaršije
|
Der Beg besichtigt Zara und den
Marktplatz
|
| 45 |
pa on śjede na jednom dućanu,
|
und setzt sich letzt auf einen Ladenflügel
|
|
stade piti kavu na dućanu.
|
und fängt am Laden an Kaffee zu trinken.
|
|
Opazi ga Zadranine bane.
|
Da tät gewahren ihn der Ban von
Zara.
|
|
Kad on vidje bega Ljubovića,
|
Als Ljubović den Beg er hier erblickte,
|
|
oko bana pet stotin katana,
|
(beim Ban fünfhundert Reiter Ehrenwache,
|
| 50 |
us koljeno Sekula sestrić mu.
|
und Sekula sein Schwestersohn zu Füssen)
|
|
Bane viknu grlom debelijem:
|
ausrief der Ban mit tiefer Kehlenstimme:
|
|
— Nut turčina u našemu
Zadru!
|
— Schaut mal den Türken an in
unsrem Zara!
|
|
Šta će ture u našemu Zadru?
|
Was macht der Türkenkerl in unsrem Zara!
|
|
šta uvodi po našemu gradu?
|
was schnüffelt der herum in unsrer Festung?
|
| 55 |
zār on gleda grada i čaršije?
|
Beguckt er denn die Burg nur und den Marktplatz?
|
|
Bel ne gleda otklem su mu vrata,
|
Der schaut nicht, traun, wo man das Tor gelassen,
|
|
turčin gleda tablja i topova,
|
der schaut die Bastionen und Kanonen,
|
|
oće li nam na grad udariti!
|
ob wohl die Festung er berennen dürfte!
|
|
Nije l majka rodila junaka,
|
Gebar denn keine Mutter solchen
Kämpen,
|
| 60 |
tko b turetu snišo na čaršiju,
|
der auf den Markt hinab zum Türken stiege,
|
|
ośjeko mu u ramenu ruku,
|
um abzuhaun die Hand ihm in der Schulter
|
|
obadva mu oka izvadio,
|
und beide Augen ihm herauszubohren,
|
|
neka slijep po čaršiji voda!
|
dass blind er auf dem Markte wandeln möge?
|
|
Svatko šuti a gleda prida se
|
Ein jeder schweigt und schaut vor sich zu
Boden,
|
| 65 |
al ne gleda Sekula dijete,
|
doch schaut nicht drein so Sekula der Page,
|
|
već daigji beśjedi Sekula:
|
vielmehr spricht Sekula zu seinem Ohme:
|
|
— Moj daigja, od Zadarja bane!
|
— O Mutterbruder mein, du Ban von
Zara,
|
|
šta junaka po jabani tražiš
|
was forschst du in der Fremde nach dem Kämpen,
|
|
kat sestrića us koljena raniš?
|
wenn du zu Füssen deinen Neffen nährst,
|
| 70 |
tko ć turčinu na čaršiju
snići,
|
der auf den Markt hinab zum Türken steigt,
|
|
ośjeć desnu u ramenu ruku,
|
die rechte Hand ihm aus der Schulter haut
|
|
obadva mu oka izvaditi,
|
und alle beide Augen ihm herausbohrt,
|
|
neka slijep po čaršiji oda!
|
damit er auf dem Markt als Blinder wandle!
|
|
Oto reče pa na noge skoči,
|
Das sprach er und dann sprang er auf die
Beine,
|
| 75 |
gola mača turi pod dolamu
|
das nackte Schwert er untern Dolman schob
|
|
pa on begu na čaršiju snigje:
|
und stieg zum Beg hinab wohl auf den Marktplatz.
|
|
— Šta ćeš ture u
našemu Zadru?
|
— Was suchst du Türkenkerl in
unsrem Zara?
|
|
šta uvodiš po našemu Zadru?
|
Was schnüffelst du herum in unsrem Zara?
|
|
a zār gledaš Zadra i
čaršije?
|
ja, schaust du Zara an und schaust den Marktplatz?
|
| 80 |
zār ti gledaš tablja i topova?
|
Schaust du die Bastionen und Kanonen?
|
|
Dera pruži svoju desnu ruku,
|
Geh, strecke deine rechte Hand heraus,
|
|
da t ośječem u ramenu ruku!
|
dass ich die Hand dir aus der Schulter aushau!
|
|
Beže šuti, ništa ne
beśjedi.
|
Der Beg nur schweigt, entgegnet nicht ein
Wörtchen.
|
|
Opet veli Sekula dijete:
|
Von neuem Sekula der Page spricht:
|
| 85 |
— Pruži ture svoju desnu ruku,
|
— Streck, Türkenkerl, heraus die
rechte Hand,
|
|
da t ośječem u ramenu ruku!
|
dass ich die Hand dir aus der Schulter aushau!
|
|
Beže šuti, ništa ne
beśjedi.
|
Der Beg nur schweigt, entgegnet auch kein
Wörtchen.
|
|
Opet reče Sekula dijete:
|
Von neuem spricht der Page Sekula:
|
|
— Pruži ture svoju desnu ruku,
|
— Streck deinen rechten Arm, du
Türklein, aus,
|
| 90 |
da t ośječem u ramenu ruku!
|
dass ich die Hand dir aus der Schulter aushau!
|
|
Kunem ti se i vjeru zadajem,
|
Ich schwör’ es dir, verpfänd’
mein Ehrenwort,
|
|
ośjeću ti na ramenu glavu!
|
Das Haupt ich hau’ herab dir von der
Schulter!
|
|
Raźljuti se beže Ljuboviću
|
Beg Ljubović geriet in Grimm darob
|
|
pa mu pruži svoju desnu ruku.
|
und streckte seinen rechten Arm ihm hin.
|
| 95 |
Trže djete mača ispot skuta,
|
Den Säbel unterm Schoss der Page zückte
|
|
ošinu ga po desnici ruci.
|
und führte auf die rechte Hand den Streich.
|
|
Kako ga je lako udario
|
So leichthin war der Schlag ihm nur
geraten,
|
|
mača svoga na dvoje pribijo
|
dass ihm entzweibrach seines Säbels Klinge
|
|
a iz ruke vatru prosipavo!
|
und aus dem Arm hervor die Funken stoben!
|
| 100 |
Skoči beže od zemlje na noge
|
Aufsprang der Beg vom Boden auf die
Beine,
|
|
pa poteže kratku alamanku
|
das kurze Alemannenschwert er zückte
|
|
pa ošinu Sekula dijete —
|
und traf damit den Pagen Sekula,
|
|
poviš pasa malo natfatio —
|
ein wenig oberm Gurte sass der Hieb,
|
|
dvije pole u travu padoše!
|
zwei Hälften kollerten ins Gras hernieder.
|
| 105 |
Kada vidje Zadranine bane,
|
Als da der Ban von Zara ward gewahr,
|
|
gje poginu Sekula dijete,
|
wie Sekula der Page kam ums Leben,
|
|
zōr učini na svoje katane!
|
zum Sturm befahl er rasend seine Reiter.
|
|
A katane bega opkoliše;
|
Die Reiter rasch umzingelten den Beg,
|
|
brani jih se beže Ljuboviću.
|
Beg Ljubović sich ihrer weiss zu wehren.
|
| 110 |
On prodrije kroz jednu kapiju,
|
Kaum drang hindurch er durch das eine
Burgtor,
|
|
prodriješe za njijem katane.
|
schon drangen hinterdrein ihm nach die Reiter.
|
|
On prodrije kroz drugu kapiju,
|
Kaum drang hindurch er durch das andre
Burgtor,
|
|
prodriješe za njijem katane.
|
schon drangen hinterdrein ihm nach die Reiter.
|
|
On prodrije kros treću kapiju,
|
Kaum drang hindurch er durch das dritte
Burgtor,
|
| 115 |
prodriješe za njijem katane!
|
schon drangen hinterdrein ihm nach die Reiter,
|
|
Dok do vrata sokak načinio
|
bis er gebahnt zum Haupttor eine Gasse;
|
|
al na gradu zatvorena vrata;
|
doch war das Haupttor von der Burg geschlossen,
|
|
ispuśćali mandal ot čelika.
|
aus Stahl den Riegel hat man vorgeschnellt.
|
|
Beže trže nadžak ot
čelika
|
Den Kolben stahlgetrieben schwang der Beg
|
| 120 |
pa on pribi mandal ot čelika.
|
und brach entzwei den stahlgeschweissten Riegel.
|
|
Pa iz grada beže izletio,
|
Und aus der Burg entfloh der Beg von
dannen,
|
|
on izletje konjma na rudine,
|
entfloh nun zu den Rossen auf den Auen
|
|
pobri svome Majković Stjepanu
|
zu Stefan Majković, dem Herzensbruder
|
|
i svojijem dvanajes gončila.
|
und auch zu seinen Rindertreibern zwölf.
|
| 125 |
Na rudinam konje pojašiše
|
Sie stiegen auf den Auen auf zu Ross
|
|
pa pogjoše us polje zeleno
|
und zogen aufwärts durch das grün Gefilde,
|
|
a za njima dvanajes gončila;
|
zwölf Rindertreiber hinter ihnen nach.
|
|
lako jaše, prida se gledaju.
|
Gemach sie reiten, schauen vor sich hin;
|
|
Obazrje se Majković Stjepane
|
nach rückwärts blickte Stefan
Majković,
|
| 130 |
imade li za njima potjera —
|
ob wohl Verfolger hinter ihnen kämen;
|
|
jal to bješe za njima potjera!
|
fürwahr, es folgten hinterdrein Verfolger.
|
|
U grada se otvoriše vrata,
|
Das Haupttor von der Burg sich tat
eröffnen:
|
|
dok izletje junak na alatu,
|
da fuhr hervor ein Held auf einem Fuchse,
|
|
na alatu vas u suvu zlatu,
|
auf einem Fuchse, ganz in lautrem Golde,
|
| 135 |
malo ga se is sedla pomilja.
|
ein wenig schaut von ihm heraus vom Sattel.
|
|
Izlijeću za njijem katane,
|
Es fliegen hinterdrein ihm nach die
Reiter,
|
|
sve katane lete na alaje;
|
in hellen Rotten fliegen all die Reiter,
|
|
al sve junak bližje te do bližje,
|
und immer näher rückt heran der Held.
|
|
dok sastiže bega Ljubovića.
|
Zuletzt ereilt er Ljubović den Beg,
|
| 140 |
Jer im beže ni bježati ne
će.
|
denn gar nicht ist gewillt der Beg zu
flüchten;
|
|
Jal to bješe od Zadarja bane!
|
ja, traun, das war der Ban von Zara selber!
|
|
Koja fajda, što je sastignuo,
|
Was frommt es ihm, dass er sie eingeholt,
|
|
kad na njija udarit ne smije,
|
dieweilen er’s nicht wagt, sie anzugreifen,
|
|
vić on bega iz daleka viče:
|
von weitem ruft vielmehr er zu dem Beg:
|
| 145 |
— Ja, Boga vam, neznane delije!
|
— So Gott euch helfe, unbekannte
Kämpen!
|
|
otkle jeste, ot koga ste grada?
|
von wannen seid Ihr, wohl von welcher Burg?
|
|
ja čijeg ste roda i koljena?
|
von welchen Sippen und von welchen Magen?
|
|
ja kako se po imenu zoveš?
|
und wie benamst du dich mit deinem Namen?
|
|
A beže mu po istini kaže:
|
Wahrheitgetreu bescheidet ihn der Beg:
|
| 150 |
— Jesam junak od Neretve ravne,
|
— Ich Kämpe bin von dem
Narentalaufe,
|
|
od Neretve i od Nevesilja
|
von der Narenta und von Nevesinje,
|
|
po imenu beže Ljuboviću!
|
mit Namen heiss’ ich Ljubović der Beg!
|
|
Ja bane se natrag povrnuo,
|
Allda der Ban zurücke wieder kehrte
|
|
ja za njime banove katane
|
und hintennach sein Reitervolkgeleite
|
| 155 |
pa on ode u bijela Zadra.
|
und heim er wieder zog ins weisse Zara.
|
|
Kako dogje u bijela Zadra,
|
Sobald er eintraf in dem weissen Zara,
|
|
odma śjede, sitnu knjigu piše
|
gleich setzt er sich und schreibt ein zierlich
Schreiben
|
|
pa je šalje śerin Banjojluci
|
und sendet ’s ab zur Stadt von Banjaluka
|
|
na koljeno paši banjolučkom:
|
wohl auf das Knie des Banjaluker Paša:
|
| 160 |
»Eto knjiga, paša
banjalučki!
|
»Empfang den Brief, o Banjaluker
Paša!
|
|
Pogubi mi bege Ljubovića
|
Vertilge mir die Begen Ljubović!
|
|
jali žive jali mrtve glave!
|
Stell mir sie lebend oder deren
Köpfe!
|
|
»Mogo su mi kvara počinili,
|
»Sie haben zugefügt mir grossen
Schaden,
|
|
počinili kvara i zijana
|
ja, Schaden und Verluste zugefügt
|
| 165 |
ja po mome bijelome Zadru,
|
fürwahr rundum in meinem weissen
Zara:
|
|
pogubili Sekulu dijete!
|
sie brachten um den Pagen Sekula!
|
|
»Evo t pašo tri tovara
blaga,
|
»Da, Paša, nimm drei
Maultierlasten Schätze
|
|
i evo ti sluga Nikolica,
|
und nimm dazu den Diener Klaus den
kleinen,
|
|
nek te dvori za života tvoga,
|
er warte dein, solang dein Leben
währt,
|
| 170 |
i evo ti sestra Angjelija!«
|
und nimm dir auch die Schwester
Angelina!«
|
|
Kada paši knjiga dolazila,
|
Wie nun der Paša diesen Brief
empfing,
|
|
knjige gleda, na knjigu se smije
|
den Brief besah, den Brief belacht er fröhlich
|
|
pa on viknu Erde delibaše:
|
und rief herbei den Delibaša Erdo:
|
|
— Brže k meni Erdo
delibaša!
|
— Rasch her zu mir, o Delibaša
Erdo!
|
| 175 |
Dera jaši svojega putalja,
|
Ei schwing dich mal auf deinen Fleckenfüsser
|
|
der izberi tridese delija,
|
und kühr dir aus an dreissig kühne
Kämpen,
|
|
sve junaka boljeg od boljega!
|
nur lauter auserkorne kühnste Kämpen.
|
|
Ajde Erdo Nevesilju ravnom,
|
Hei, Erdo, zeuch zum ebnen Nevesinje,
|
|
pogubi mi bege Ljubovića
|
vertilge mir die Begen Ljubović,
|
| 180 |
jali žive jali mrtve glave!
|
stell mir sie lebend oder deren Köpfe!
|
|
Ako l oto Erdo ne uradiš,
|
Wofern du, Erdo, solches nicht verrichtest,
|
|
daćeš svoju glavu za njegovu!
|
wirst du ’s mit deinem Haupt für seines
büssen!
|
|
Kada Erdo čuo lakrdiju,
|
Kaum hatte Erdo den Befehl vernommen,
|
|
itro Erdo na noge skočio,
|
aufsprang er auf die Beine gar behende,
|
| 185 |
opremio sebe i putalja
|
ausrüstete so sich als seinen Fleckfuss
|
|
pa uzjaši debela putalja
|
und schwang hinauf sich auf den feisten Fleckfuss.
|
|
a za njime tridese delija.
|
Fortzog zur Burg von Nevesinje Erdo
|
|
Ode Erdo Nevesilju gradu.
|
und hinterdrein ihm folgten dreissig Kämpen.
|
|
Kad on dogje Ljubovića kuli
|
Als er zu Ljubovićens Warte kam
|
| 190 |
do avlije bega Ljubovića
|
zum Burggehöft von Ljubović dem Beg,
|
|
a on bega po imenu viče.
|
da rief er an den Beg beim vollen Namen.
|
|
Al mu bega doma ne bijaše,
|
Jedoch der Beg gerad daheim nicht weilte,
|
|
jer otišli u lov u planinu,
|
sie waren auf die Pirsch ins Waldgebirge,
|
|
da ulove srnu jal košutu,
|
zu pirschen Rehe oder eine Hindin
|
| 195 |
i odveli rte i zagare.
|
und hatten mit die Rüden und die Bracken.
|
|
Oziva se begovica mlada:
|
Die junge Edelfraue tat sich melden:
|
|
— Doma nejma bega Ljubovića!
|
— Daheim nicht weilt Herr Ljubović
der Beg,
|
|
Otišo je u lov u planinu.
|
er ist ins Waldgebirg zur Pirsch gewandert!
|
|
Onda Erdo ljubi beśjedio:
|
Darauf zum Ehelieb Herr Erdo sprach:
|
| 200 |
— Ja, gospojo roda gospockoga,
|
— O Edelfrau, vom edlen Stamm
entsprossen!
|
|
oće l beže u red dolaziti?
|
wird wohl der Beg bei Zeiten wiederkehren?
|
|
— Oće tamo po akšamu
doći!
|
— Um den Akšām er heim wohl
kehren dürfte!
|
|
Ona viknu Usubega sina:
|
(sie rief herbei Beg Huseïn den Sohn):
|
|
— Usubeže moj jedini sine!
|
— Beg Huseïn, o du mein einziger
Sohn,
|
| 205 |
pogj, Erdina pripati putalja!
|
abfasse mal des Erdo Fleckenfüsser!
|
|
Odma sletje djete Usubeže
|
Gleich lief hinab der Page Husobeg
|
|
i pod Erdom prifati putalja,
|
und fasste unter Erdo ab den Fleckfuss,
|
|
da izvoda Erdina putalja.
|
um auszuführen Erdo’s
Fleckenfüsser.
|
|
Beśjedi mu Erdo delibaša:
|
Da sprach zu ihm Herr Delibaša
Erdo:
|
| 210 |
— O dijete, nejak Usubeže,
|
— Beg Huseïn, o du unmündiger
Knabe!
|
|
gji je babo, o beg Ljuboviću?
|
wo weilt dein Väterchen Beg Ljubović?
|
|
— Otišo je u lov u planinu!
|
— Er ist ins Waldgebirg zur Pirsch
gewandert.
|
|
— Oće l t u red babo dolaziti?
|
— Kehrt wohl dein Väterchen noch
heim bei Zeiten?
|
|
— Oće tamo po akšamu
doći!
|
— Um den Akšām er heim wohl
kehren dürfte.
|
| 215 |
Erdo viknu tridese delija;
|
Zurief Herr Erdo seinen dreissig
Kämpen.
|
|
savezaše Usubega sina,
|
Sie schlugen Husobeg den Sohn in Bande,
|
|
savezata djete otjeraše.
|
gebunden jagten sie vor sich den Knaben.
|
|
Za njim prista Ljubovića majka:
|
Anschloss sich ihm die Mutter
Ljubović’s:
|
|
— Vrat mi Erdo Usubega moga!
|
— Gib meinen Husobeg zurück mir,
Erdo!
|
| 220 |
Njoj beśjedi Erdo delibaša:
|
Herr Delibaša Erdo spricht zu ihr:
|
|
—Vrat se natrag Ljubovića majko,
|
— Kehr nur zurück, du Mutter
Ljubović’s,
|
|
pośjeću ti Usubega tvoga!
|
sonst säble deinen Husobeg ich nieder!
|
|
To joj reče, ośjeće mu
glavu!
|
Er sprach’s zu ihr und hieb ihm ab das
Haupt.
|
|
Za njim prista Ljubovića majka:
|
Anschloss sich ihm die Mutter
Ljubović’s:
|
| 225 |
— Vrat mi Erdo od zlata jubuku,
|
— Gib, Erdo, mir zurück aus Gold
den Apfel
|
|
mog unuka Usubega sina!
|
mein Enkelein, das Söhnlein Husobeg!
|
|
— Vrat se natrag Ljubovića
majko,
|
— Kehr nur zurück, du Mutter
Ljubović’s,
|
|
vrat se natrag, osiću ti glavu!
|
kehr nur zurück, sonst hau ich dir das Haupt
ab!
|
|
To joj reče, ośjeće joj
glavu!
|
Er sprach’s zu ihr und hieb ihr ab das
Haupt.
|
| 230 |
Ode Erdo sa trides delija
|
Von dannen Erdo zog mit dreissig
Kämpen
|
|
i odnese obadvije glave:
|
und trug mit sich fort allebeide Häupter,
|
|
jednu glavu Usubega djeta,
|
das eine Haupt des Pagen Husobeg,
|
|
drugu glavu Ljubovića majke.
|
das andre Haupt der Mutter Ljubović’s.
|
|
Istor Erdo polje prilazio
|
Noch schritt Herr Erdo hin durchs
Blachgefilde,
|
| 235 |
al eto ti bega Ljubovića
|
ei sieh, es naht schon Ljubović der Beg,
|
|
i on goni debela gjogata;
|
er jagt einher auf seinem feisten Falben
|
|
Usubega iz daleka viče:
|
und ruft heran von fern schon Husobeg:
|
|
— Gje si sine, Usubeže djete?
|
— Wo bleibst du Söhnchen, Page
Husobeg?
|
|
zār mi ne ćeš pripatit gjogata?!
|
magst du nicht ab mir meinen Falben fassen?
|
| 240 |
Oziva se begovica mlada,
|
Anmeldet sich die junge Edelfraue,
|
|
ona ciči ko šarena guja:
|
sie zischt vor Schmerz, wie eine Natter scheckig:
|
|
— Ja, moj beže mili gospodare!
|
— Ach weh, mein Beg, o teuerster
Gebieter,
|
|
ne će t više Usubeže sine
|
dein Söhnchen Husobeg wird nun und nimmer
|
|
ja pot tobom pripatit gjogata.
|
abfassen unter dir den falben Renner;
|
| 245 |
Usubeg je izgubio glavu!
|
ach, Husobeg hat ja sein Haupt verloren!
|
|
— Sašta, ljubo, ako Boga
znadeš?
|
— Von was denn, Ehelieb, wenn du an
Gott glaubst!
|
|
— Ovde dogje Erdo delibaša
|
— Da kam gezogen Delibaša
Erdo,
|
|
a ja posla Usubega sina,
|
hinab ich sandte Husobeg den Sohn,
|
|
da pod Erdom pripati putalja;
|
den Fleckfuss unter Erdo abzufassen;
|
| 250 |
saveza ga Erdo delibaša,
|
in Bande schlug ihn Delibaša Erdo,
|
|
savezana niz avliju zajmi.
|
gebunden jagt er ihn entlang dem Burghof,
|
|
Za njim stara pristajala majka,
|
anschloss sich ihm die hochbetagte Mutter,
|
|
jal da vrati Usubega moga.
|
rückgeben soll er meinen Husobeg.
|
|
Njoj beśjedi Erdo delibaša:
|
Doch sprach zu ihr Herr Delibaša Ibro:
|
| 255 |
»vrat se natrag Ljubovića
majko,
|
»Kehr nur zurücke, Mutter
Ljubović’s,
|
|
vrati s natrag, osiću ti
glavu!«
|
kehr nur zurück, sonst hau ich dir das
Haupt ab!«
|
|
To joj reče, ośječe joj glavu.
|
Dies sprach er zu ihr, hieb ihr ab das Haupt.
|
|
ode Erdo sa trides delija
|
Mit dreissig Kämpen Erdo zog von hinnen
|
|
i odnese obadvije glave!
|
und trug mit sich fort alle beide Häupter!
|
| 260 |
Kada čuo beže Ljuboviću:
|
Als dies erfuhr Herr Ljubović der
Beg:
|
|
— O gospojo roda gospockoga,
|
— O Edelfrau, von edlem Reis
entsprossen,
|
|
je li Erdo davno odlazio?
|
ist Erdo lange schon davongezogen?
|
|
je li dosad goru prilazio?
|
hat er den Hochwald jetzt schon überschritten?
|
|
— Nije Erdo davno odlazio
|
— ’S ist nicht so lang, dass Erdo
abgezogen,
|
| 265 |
a još nije gore prilazio.
|
noch hat er nicht den Hochwald überschritten!
|
|
— Ja čuješ me moja virna
ljubo!
|
— O hör mich mal, du mein getreues
Ehlieb!
|
|
Ako dogje Majković Stjepane
|
Wenn Stefan Majković da kommen sollte,
|
|
nek ne igje poljem zelenijem,
|
so geh er nicht durchs grüne Blachgefilde,
|
|
već nek igje poljem u prijeko
|
vielmehr er nehme querfeldein den Weg
|
| 270 |
pa nek igje gorom poprijeko;
|
und soll querwegs ins Hochgebirg sich tummeln,
|
|
a ja odoh okolo planine,
|
ich aber geh ums Hochgebirg herum,
|
|
da zavrnem Erdu u planini!
|
um Erdo in dem Hochwald festzustellen!
|
|
Oto reče, okrenu gjogata
|
Dies sprach er, machte mit dem Falben
kehrt
|
|
pa okrenu poljem zelenijem.
|
und nahm den Lauf durchs grüne Blachgefilde.
|
| 275 |
Istor beže poljem zamaknuo,
|
Kaum war der Beg entschwunden im Gefilde,
|
|
malo vrime za dugo ne bilo,
|
nach kurzer Weile, die nur wenig währte,
|
|
jal eto ti Majković Stjepana,
|
ei sieh, da naht auch Stefan Majković!
|
|
jal on goni debela dorata,
|
Er jagt daher auf seinem dicken Braunen
|
|
Usubega iz daleka viče:
|
und ruft heran von fern schon Husobeg:
|
| 280 |
— Gje si bolan Usubeže mali?
|
— Wo steckst du, Stöpsel, Husobeg
du kleiner?
|
|
zār mi ne ćeš pripatit dorata?!
|
Magst du nicht ab mir meinen Braunen
fassen?!
|
|
Progovara begovica mlada:
|
Es meldet sich die junge Edelfraue:
|
|
— Gospodare, Majković
Stjepane!
|
— O mein Gebieter, Stefan
Majković,
|
|
ne će t više Usubeže sine
|
mein Söhnchen Husobeg wird nun und nimmer
|
| 285 |
ja pot tobom pripatit dorata!
|
abfassen unter dir den braunen Renner!
|
|
— Sašta, bolna, begovica
mlada?!
|
— Warum, der Tausend, junge
Edelfrau?!
|
|
Ona ciči ko šarena guja:
|
Sie zischt vor Schmerz, wie eine Natter
scheckig:
|
|
— Ovde dogje tridese delija
|
— Da kamen hergezogen dreissig
Kämpen
|
|
i prid njima Erdo delibaša;
|
und vor der Rotte Delibaša Erdo.
|
| 290 |
za vas pita Erdo delibaša,
|
Um euch befragt mich Delibaša Erdo,
|
|
a ja posla Usubega sina,
|
hinab ich sandte Husobeg den Sohn,
|
|
da pod Erdom pripata putalja.
|
den Fleckfuss unter Erdo abzufassen.
|
|
K njemu snigje Usubeže djete
|
Hinab zu ihm stieg Husobeg der Page
|
|
i pod njime pripati putalja;
|
und fasste unter ihm den Fleckfuss ab.
|
| 295 |
saveza ga Erdo delibaša,
|
In Bande schlug ihn Delibaša Ibro,
|
|
savezana niz avliju zajmi.
|
gebunden trieb er ihn entlang dem Burghof.
|
|
Za njim prista naša stara majka,
|
Ihm schloss sich unsre alte Mutter an,
|
|
da mi vrati Usubega sina
|
dass er den Sohn mir, Husobeg zurückgeb,
|
|
a na nju se izadrije Erdo:
|
doch Erdo hat sie grimmig angefahren:
|
| 300 |
»Vrat se natrag Ljubovića
majko,
|
»Kehr nur zurücke, Mutter
Ljubović’s,
|
|
pośjeć ću ti Usubega
tvoga!«
|
sonst hau ich deinen Husobeg zu
Stücken!«
|
|
To joj reče, ośječe mu glavu!
|
Sprach so zu ihr und hieb ihm ab das Haupt.
|
|
Za njim prista ostarjela majka:
|
Ihm schloss sich an die hochbetagte
Mutter:
|
|
— »Vrat mi Erdo zlaćenu jabuku,
|
— »Gib Erdo mir zurück den goldnen
Apfel,
|
| 305 |
ja jabuku Usubega moga!« —
|
ja wohl den Apfel, meinen Husobeg!«
—
|
|
— »Vrat se natrag Ljubovića majko,
|
— »Kehr nur zurücke, Mutter
Ljubović’s
|
|
pośjeću ti sa ramena
glavu!«
|
ich hau dir von den Schultern ab das
Haupt!«
|
|
To joj reče, ośječe joj
glavu!
|
Dies sprach er zu ihr, schlug ihr ab das
Haupt!
|
|
Ode Erdo sa trides delija
|
Von hinnen Erdo zog mit dreissig Kämpen
|
| 310 |
i odnese obadvije glave!
|
und trug mit sich fort alle beide Häupter.
|
|
Ciknu Stjepan ko šarena guja:
|
Aufzischte Stefan gleich der Natter
scheckig:
|
|
— Je li došo beže
Ljuboviću?
|
— Ist heimgekommen Ljubović der
Beg?
|
|
— A jest došo, mili
gospodare!
|
— Gekommen heim, o teuerster
Gebieter!
|
|
Otišo je poljem zelenijem,
|
Er ging dahin durchs grüne Blachgefilde,
|
| 315 |
da obleti okolo planine,
|
um um das Hochgebirg herumzukommen,
|
|
ne bi l Erdu živa sastignuo.
|
wo möglich Erdo lebend einzuholen.
|
|
A tebi je beže beśjedio,
|
Dir aber hinterliess der Beg die Weisung,
|
|
reko ti je beže Ljuboviću,
|
es hat dich Ljubović der Beg geheissen,
|
|
ja da igješ poljem poprijeko,
|
einschlagen mögst du querfeldein den Weg,
|
| 320 |
da priśječeš gorom poprijeko,
|
den Weg durchschneiden quer nur durch den Hochwald
|
|
ne bi l Erdu živa sastignuli.
|
vielleicht lebendig dass Ihr Erdo einholt!
|
|
Nama Stjepan okrenu dorata;
|
Gleich machte mit dem Braunen Stefan
kehrt.
|
|
ode Stjepan poljem u prijeko
|
Es zog Herr Stefan querfeldein von dannen,
|
|
pa maši se gore i planine
|
bog ein ins Hochgebirg und in den Hochwald
|
| 325 |
pa priśječe gorom poprijeko.
|
und schnitt so durch den Hochwald auf dem Querweg.
|
|
Itro beže goru obletio
|
Gar flink der Beg den Hochwald war
umflogen
|
|
i zavrnu u planini Erdu.
|
und hatte Erdo festgestellt im Hochland.
|
|
U ta doba Majković Stjepane.
|
Zur selben Zeit kam Stefan Majković.
|
|
Kat se dvije pobre sastaviše,
|
Als sich vereint die beiden Wahlgebrüder,
|
| 330 |
izśjekoše tridese delija.
|
zu Stücken hieben sie die dreissig
Kämpen.
|
|
Oni Erdu živa ujitiše;
|
Doch Erdo fingen sie lebendig ab,
|
|
oguliše Erdi delibaši
|
sie schunden ab dem Delibaša Erdo
|
|
obadvije do ramena ruke,
|
die beiden Arme bis zum Schulterblatte,
|
|
obadvije noge do koljena,
|
die beiden Füsse bis hinauf zum Knie,
|
| 335 |
oguliše glavu do očiju;
|
bis zu den Augen schunden sie das Haupt,
|
|
digoše ga na konja putalja,
|
auflegten sie ihn auf den Fleckenfüsser
|
|
na putalju privezaše Erdu
|
und banden Erdo an den Fleckfuss fest
|
|
pa pod njime puśćaše putalja:
|
und liessen unter ihm den Fleckfuss laufen:
|
|
— Ajde, Erdo, šerin
Banjojluci
|
— Zeuch, Erdo, hin zur Stadt von
Banjaluka
|
| 340 |
pa se pali paši banjolučkom,
|
und prahle vor dem Banjaluker Paša,
|
|
gje si śjeko djecu kod odžaka,
|
wie an der Herdstatt Kinder du gemordet,
|
|
gje si śjeko ostarjele majke!
|
wie du gemordet hochbetagte Mütter!
|
|
Hode Erdo drumom jadikujuć.
|
Wehklagend Erdo zog des Weges weiter.
|
|
Kada bio šeru Banjojluci,
|
Als er der Stadt genaht von Banjaluka,
|
| 345 |
daleko ga paša opazio
|
von weitem ihn der Paša schon gewahrte;
|
|
pa prid njega paša izletio.
|
entgegen kam der Paša ihm geflogen.
|
|
Kada vidje Erdu delibašu,
|
Als er erschaut nun Erdo Delibaša,
|
|
što je bilo s Erde delibaše,
|
was da geschehn mit Erdo Delibaša,
|
|
jal on Erde iz daleka viče:
|
rief er schon Erdo zu von weiter Ferne:
|
| 350 |
— Šta to, bolan, Erdo
delibaša?!
|
— Was gibt’s, unseliger Erdo
Delibaša?!
|
|
— Evak, pašo, tebi gore
bilo!
|
— Das gibt’s, o Paša,
schlimmer sei dein Teil!
|
|
Skidoše ga sa konja putalja.
|
Man hob ihn ab vom Ross, dem Fleckenfüsser.
|
|
Šjede paša, sitnu knjigu
piše
|
Der Paša setzt sich, schreibt ein
zierlich Schreiben,
|
|
pa je šalje Carigradu gradu
|
und sendet’s nach Istambol ab der Stadt
|
| 355 |
na koljeno caru čestitome:
|
wohl auf das Knie des glückbegabten Kaisers:
|
|
»Sultan care, i otac i majko!
|
»O Sultan, Kaiser, Vater uns und
Mutter!
|
|
Pogubi nam bege Ljubovića
|
vertilge uns die Begen Ljubović,
|
|
jali žive, jali mrtve glave!
|
es sei lebendig oder tot die
Häupter!
|
|
»Čudan jesu zulum počinili
|
»Ein Wunder, was sie an Gewalt
verübten
|
| 360 |
po Neretvi i po Nevesilju!
|
um die Narenta und um Nevesinje!
|
|
Nametnuli namet na vilajet:
|
Mit einer Auflag sie das Land belegten:
|
|
śjeroma se oženit ne more,
|
Der arme Mann, der kann sich nicht
beweiben,
|
|
śjerota se udati ne more!
|
das Waisenmädchen kann sich nicht
vermählen.
|
|
Tko s oženi, po litra je zlata,
|
Wer sich beweibt, je eine Litra Goldes,
|
| 365 |
tko s udade po tri litre zlata!
|
die sich vermählt, je drei der Litren
Goldes!
|
|
Ja, koje je śjeromašna majka
|
Und wenn die Mütter ganz in Armut
leben,
|
|
a ćeri im bjele kose pletu!«
|
dann deren Töchter weisse Zöpfe
flechten!«
|
|
Kada caru taka knjiga dogje,
|
Als solch ein Brief dem Kaiser kam vor
Augen
|
|
kada vidje, šta mu knjiga kaže,
|
und er ersah, was ihm der Brief vermeldet,
|
| 370 |
care viknu silistar Alije:
|
rief er herbei den Waffenwahrer Ali:
|
|
— Silistare, prva moja lalo!
|
— Gewaffenwahrer, du mein
Obristlala,
|
|
Dera uzmi nješto malo vojske,
|
Geh raffe mal zusammen etwas Truppen;
|
|
nješto malo, četiri iljade.
|
ein wenig bloss, viertausend Mann genügen,
|
|
Vodi vojsku u Ercegovinu
|
und führ die Truppen nach dem Herzoglande
|
| 375 |
ja Mostaru pa i Nevesilju
|
gen Mostar hin und auch nach Nevesinje
|
|
ja bijeloj Ljubovića kuli.
|
zur weissgetünchten Warte
Ljubović’s;
|
|
U ponoći dovodićeš
vojsku
|
dahin die Truppen führ um Mitternacht,
|
|
pa okoli Ljubovića kulu.
|
umzingle dann die Warte Ljubović’s.
|
|
Pofataj mi bege Ljubovića
|
Du fang mir ab die Begen Ljubović,
|
| 380 |
jali žive jali mrtve glave!
|
es sei lebendig oder tot die Häupter.
|
|
I ponesi mojega čadora,
|
Auch nimm du mein Gezelte mit dir mit
|
|
na čadoru od zlata jabuku.
|
wohl das Gezelte mit dem goldnen Apfel.
|
|
Kada vide careva čadora,
|
Wann sie das kaiserlich Gezelt erblicken,
|
|
sami će se bezi uplašiti;
|
an sich erschrecken werden schon die Begen;
|
| 385 |
jera s carom niko boja nejma!
|
denn mit dem Kaiser keiner einen Kampf wagt!
|
|
A Alija na noge skočio
|
Alile hurtig auf die Beine sprang
|
|
i carevu podignuo vojsku
|
und sammelte die kaiserliche Truppe;
|
|
pa on pogje ot Stambola grada;
|
dann zog von dannen er von Stadt Istambol.
|
|
od Alija u Ercegovinu.
|
Es zog Alile fort ins Herzogland.
|
| 390 |
Kada dogje Nevesilju gradu
|
Als er gelangt zur Burg von Nevesinje,
|
|
u zla doba dovodio vojsku
|
zur schlimmen Frist er schaffte hin die Truppen
|
|
u po noći kad vremena nije.
|
um Mitternacht, wann keine Zeit geheuer;
|
|
Okolili Ljubovića kulu,
|
umzingelten die Warte Ljubović’s
|
|
razapeli zelene čadore.
|
und spannten auf die grünen Lagerzelte.
|
| 395 |
Kad u jutro jutro osvanulo,
|
Als morgens früh der Morgen
angetagt,
|
|
poranila ljuba Ljubovića
|
erhob sich früh das Ehlieb
Ljubović’s
|
|
pa se šeće po bijelu dvoru.
|
und tat ergehn sich auf der weissen Wartburg.
|
|
Ja pogleda pod bijelu kulu,
|
Da fiel ihr Blick hinab die weisse Warte:
|
|
Ljubovića okoljena kula!
|
ringsum die Warte Ljubović’s umzingelt!
|
| 400 |
Konj do konja, čador do čadora.
|
hier Ross an Ross, hier Zelt an Zelt gedrängt!
|
|
Jedan čador po najandal stao,
|
Vereinzelt stand allein nur ein Gezelte
|
|
ja na njemu od zlata jabuka
|
und oben drauf ein goldner Apfel blinkt,
|
|
i tri puta žicom omotavan.
|
und dreimal war mit Draht das Zelt umwunden.
|
|
Ja, se vrati u bijele dvore
|
Sie wandte sich zurück zur weissen
Warte,
|
| 405 |
pa ne smije bega probuditi.
|
doch wagt mit nichten sie’s den Beg zu
wecken;
|
|
Ona viknu Majković Stjepana:
|
wachrief sie lieber Stefan Majković:
|
|
— Ustan, bolan, Majković Stjepane!
|
— Erwach, unseliger Stefan
Majković!
|
|
odi vidi čuda golemoga,
|
Geh hin und schaue ein gewaltig Wunder!
|
|
bijela vam okoljena kula!
|
Umzingelt ward da eure weisse Warte!
|
| 410 |
Kada skoči Majković Stjepane,
|
Im Sprung erhob sich Stefan
Majković.
|
|
kad on vidje silovitu vojsku,
|
Und als er nun das mächtige Heer erblickte,
|
|
Stjepan budi bega Ljubovića:
|
wohl tat er Ljubović den Beg erwecken:
|
|
— Ustan, beže, mili gospodare!
|
— Erwach, o Beg, mein teuerster
Gebieter!
|
|
Bijela nam okoljena kula!
|
umzingelt ward da unsre weisse Warte!
|
| 415 |
Kad ustade beže Ljuboviću
|
Vom Lager aufstand Ljubović der Beg,
|
|
pa vidješe sa bijele kule,
|
und sahen alles von der weissen Warte.
|
|
odma beže čador poznavao,
|
Sogleich der Beg erkannte das Gezelte,
|
|
da je čador cara čestitoga.
|
als das Gezelt, das Glück mit ihm, des
Kaisers,
|
|
Ja, beśjedi beže
Ljuboviću:
|
und also sprach Herr Ljubović der Beg:
|
| 420 |
— Ja, što ćemo,
Majković Stjepane?
|
— Was sollen nun wir, Stefan
Majković?
|
|
Da b na njija danas udarili —
|
wenn heute wir den Ausfall gen sie wagten —
|
|
s carom brate niko boja nejma!
|
o Bruder, mit dem Kaiser keiner kämpft!
|
|
Da niza [se] oborimo ruke.
|
Lass an die Lende uns die Hände legen,
|
|
da igjemo carevu čadoru,
|
lass uns zum kaiserlich Gezelte wandeln,
|
| 425 |
da vidimo što je i kako je,
|
lass sehn uns, was da los und wie’s geworden,
|
|
ja ko nas je caru opanjkao?
|
wer wohl uns bei dem Kaiser angeschwärzt.
|
|
Jal beśjedi Ljubovića ljuba:
|
Doch spricht das Wort das Ehlieb
Ljubović’s:
|
|
— Ja, što ste se bezi
uplašili?!
|
— Was seid Ihr denn, Ihr Begen, so
erschrocken?!
|
|
Ev ja jesam jedna ženska glava,
|
da schaut, ich bin ja nur ein Frauenzimmer,
|
| 430 |
ja b na njija udarila sama!
|
ich wollt’ allein gen sie den Ausfall wagen!
|
|
Beśjedi joj beže
Ljuboviću:
|
Entgegen spricht ihr Ljubović der
Beg:
|
|
— Ajd, ne ludi, moja vjerna ljubo!
|
— Treib keine Tollheit, mein getreues
Ehlieb,
|
|
s carom nitko boja ne imade!
|
den Kaiser keiner auf zum Kampfe ruft!
|
|
Pa rekoše pa se
poslušaše
|
Also sie sprachen, machten ihre Sachen;
|
| 435 |
ja niza se oboriše ruke
|
sie legten ihre Hände an die Lende
|
|
a vodoše u carevu vojsku.
|
und gingen ab ins kaiserliche Heer.
|
|
Careva ji propuśćala vojska
|
Durchziehen liess sie frei des Kaiser
Heer
|
|
do čadora silistar Alije.
|
bis zum Gezelt des Waffenwahrers Ali.
|
|
Kad dogjoše oba prit čadore,
|
Als beide hingelangt vor das Gezelte,
|
| 440 |
prid Alijom ruke prilomiše.
|
verschränkten sie vor Ali ihre Arme
|
|
Pa se crnoj zemlji prikloniše.
|
und beugten sich zur schwarzen Erde nieder.
|
|
Ja, pita ji silistar Alija,
|
Es fragte sie der Waffenwahrer Ali,
|
|
ja, kakav su zulum počinili?
|
was für Erpressung sie gemacht sich schuldig?
|
|
Onda beže stade beśjediti:
|
Anhub der Beg daraufhin zu erzählen,
|
| 445 |
ja kako je gjelep sakupio,
|
wohl, wie er einen Auftrieb aufgesammelt,
|
|
istjero ga bijelome Zadru
|
hinausgetrieben ihn zum weissen Zara
|
|
i kako je gjelep priprodavo
|
und wie den Auftrieb weiter er verhandelt
|
|
i otišo u bijela Zadra.
|
und sich ins weisse Zara hinbegeben.
|
|
Sve mu kaže, što je i kako
je:
|
Erzählt ihm alles, was und wie’s
geschehen,
|
| 450 |
kako došo Erdo delibaša,
|
wie Erdo Delibaša war erschienen
|
|
pośjeko mu sina jedinoga,
|
und ihm den einzigen Sohn gehaun zu Stücken,
|
|
pośjeko mu ostarjelu majku.
|
gehaun zu Stücken seine greise Mutter.
|
|
Poslo ga je paša banjalučki
|
»Er war gesandt vom Banjaluker
Paša
|
|
ja, za blago zadranskoga bana
|
den Schätzen wohl zu lieb des Bans von Zara
|
| 455 |
i njegovu sestru Angjeliju.
|
und dessen Schwester Angelinas wegen.«
|
|
Istor beže stade kazivati,
|
Noch war der Beg begriffen im Berichten
|
|
dokle stiže pošta knjigonoša
|
als ein Kurier mit einem Schreiben eintraf
|
|
ot Stambola bijeloga grada;
|
daher von Stambol, von der weissen Stadt,
|
|
knjigu nosi cara čestitoga,
|
er bringt des glückbeladnen Kaisers Schreiben
|
| 460 |
knjigu dade silistar Aliji:
|
und übergab’s dem Waffenwahrer Ali:
|
|
— Eto knjiga, silistar Alija!
|
— Allhier ein Brief, Gewaffenwahrer
Ali!
|
|
nije l majka rodila junaka
|
Gebar denn keine Mutter einen
Kämpen,
|
|
a sekuna brata odgojila,
|
aufzog denn keine Schwester solchen Bruder,
|
|
ko ć za cara na megdan izići?
|
der für den Kaiser auf die Wahlstatt
träte?
|
| 465 |
Car mu daje dvore kot svojije,
|
Der Kaiser schenkt ihm eine Burg bei
seiner,
|
|
kot svojije, bolje ot svojije.
|
bei seiner Burg doch besser als die seine,
|
|
I daje mu tri bijela grada,
|
und gibt ihm zum Geschenk drei weisse Städte,
|
|
dva kod mora, [treći] kod Dunava.
|
am Meere zwei, die dritte an der Donau,
|
|
I daje mu ćercu sultaniju,
|
und schenkt ihm das Prinzesschen Sultanine
|
| 470 |
mlogo pusto nebrojeno blago!
|
und unermesslich ungezählter Schätze!
|
|
Evo ima nediljica dana,
|
Es sind daher schon einer Woche Tage,
|
|
kak u polju arap odjašio
|
dass ein Araber abstieg im Gefilde,
|
|
pot Stambolom u polju zelenom.
|
im grünen Blachgefilde unter Stambol
|
|
Pa on cara na megdan zaziva,
|
und der heraus zum Kampf den Kaiser fordert,
|
| 475 |
da mu care na megdan izigje,
|
der Kaiser auf der Wahlstatt ihm erscheine,
|
|
ja izigje, ja izmjenu nagje!
|
erscheine oder stelle den Ersatzmann!
|
|
Ako care izići ne smije,
|
Getrau sich nicht der Kaiser zu
erscheinen,
|
|
jal izići, jal izmjenu naći,
|
erscheinen oder doch Ersatz zu stellen,
|
|
oće caru u Stambol unići
|
eindringen werd in Stambol er zum Kaiser,
|
| 480 |
pomaknuti cara is stolice
|
hinab den Kaiser gar vom Throne schupfen,
|
|
pa on śjesti u carsku stolicu,
|
sich selber setzen in des Kaisers Thronsitz
|
|
prosuditi u Stambolu gradu!
|
und die Gerechtsam üben in Istambol!
|
|
Kada čuo beže Ljuboviću
|
Als dies vernahm Herr Ljubović der
Beg,
|
|
on beśjedi silistar Aliji:
|
da sprach er zum Gewaffenwahrer Ali:
|
| 485 |
— Evo majka rodila junaka,
|
— Allhier gebar die Mutter einen
Kämpen,
|
|
tko ć za cara na megdan izići!
|
der für den Kaiser auf der Wahlstatt auftritt!
|
|
Ne dade mu Majković Stjepane:
|
Nicht gab Gewähr ihm Stefan
Majković:
|
|
— Ne ćeš, brate, beže
Ljuboviću!
|
— Du, Bruder, darfst es nicht, Beg
Ljubović!
|
|
Ja ć za cara na megdan izići,
|
ich trete für den Kaiser auf die Wahlstatt;
|
| 490 |
jer ja nejmam svoje vjerne ljube,
|
denn ich besitze kein getreues Ehlieb,
|
|
ja nit imam oca ni matere.
|
ich hab’ auch weder Vater, weder Mutter!
|
|
Pa se natrag oba povratiše
|
Und beide wiederum zurücke kehrten
|
|
i dogjoše Ljubovića kuli.
|
und kamen hin zur Warte Ljubović’s.
|
|
Odma Stjepan izvede dorata
|
Sofort heraus den Braunen Stefan
führte
|
| 495 |
pa opremi sebe i dorata
|
und tat sich selber und den Braunen rüsten
|
|
pa on begu tijo beśjedio:
|
und sprach sodann zum Beg mit leiser Stimme:
|
|
— Alali mi, mili gospodaru,
|
— Sei mir versöhnt, mein teuerster
Gebieter,
|
|
što si mene mlada odranio!
|
der du mich junges Blut hast grossgezogen!
|
|
Pa uzjaši debela dorata.
|
Und schwang hinauf sich auf den dicken
Braunen. —
|
| 500 |
Ode Stjepan od grada do grada,
|
Von Burg zu Burg Herr Stefan fürbass zog,
|
|
doka snigje do Stambola grada
|
bis er hinab zur Stambolstadt gelangte
|
|
pot Stambola u polje zeleno.
|
ins grüne Blachfeld unterhalb Istambol.
|
|
Jal u polju čador razapinjan,
|
Stand ein Gezelt schon im Gefild
geschlagen,
|
|
pot čadorom crna arapina;
|
sass unter dem Gezelt ein Schwarzaraber,
|
| 505 |
al on pije vino pot čadorom
|
tat unter dem Gezelt am Wein sich laben,
|
|
a privezo kusu bedeviju.
|
sein Wüstenross gestutzt war angebunden.
|
|
K njemu Stjepan dotjera dorata;
|
Zu ihm den Braunen Stefan nahe jagte.
|
|
on arapu božju pomoć viknu,
|
Zurief er dem Araber: »Gott zu Hilfe!«
|
|
ja, arap njemu božju pomoć primi:
|
Ihm der Araber freundlich: »Gott zu
Hilfe!«
|
| 510 |
— Odjaš konja, carev
megdandžija,
|
— Steig ab vom Rosse, Kaisers
Kampfvertreter,
|
|
da se ladna napijemo vina
|
dass wir uns satt am kalten Weine laben,
|
|
pa ćem onda mejdan dijeliti!
|
austragen wollen wir hernach den Kampf!
|
|
— Ajd otale, crna arapino!
|
— Von hinnen pack dich,
Schwarzaraberlümmel!
|
|
ja ne pijem vina ni rakije,
|
Ich trinke weder Wein noch trink ich Branntwein!
|
| 515 |
već der jaši kusu bedeviju,
|
Besteig mal dein gestutztes Wüstenross,
|
|
da igjemo mejdan dijeliti!
|
damit den Zweikampf wir zum Austrag bringen!
|
|
Arap skoči od zemlje na noge
|
Aufsprang vom Boden hurtig der Araber
|
|
pa uzjaši kusu bedeviju.
|
und schwang sich aufs gestutzte Wüstenross.
|
|
On beśjedi Majković Stjepanu:
|
Zu Stefan Majković das Wort er sprach:
|
| 520 |
— Ajd zaodi carev megdandžija!
|
— Ei, nimm den Anlauf, Kaisers
Kampfvertreter!
|
|
Onda Stjepan beśjedi arapu:
|
Darauf zu dem Araber Stefan sprach:
|
|
— Ajd otale, crna arapino!
|
— Troll dich von hinnen
Schwarzaraberlümmel!
|
|
tvoja zovka, tvoja i zaotka!
|
Dein ist die Fordrung, dein ist auch der Anlauf!
|
|
Kada vidje crna arapina,
|
Als sich durchschaut der Schwarzaraber
sah,
|
| 525 |
on Stjepanu oči ufatio
|
gedacht er Stefan hinters Licht zu führen
|
|
pa poteže sablju ot pojasa,
|
und zog heraus den Säbel aus dem Gürtel,
|
|
da Stjepanu osiječe glavu.
|
um Stefan abzusäbeln flugs das Haupt.
|
|
Dočeka ga Majković Stjepane,
|
Gewärtig war Herr Stefan
Majković,
|
|
udari ga šakom iza vrata;
|
er pflanzt ihm einen Faustschlag in den Nacken.
|
| 530 |
kako ga je lako udario,
|
So leicht nur war der Schlag, dass der Araber
|
|
arap spade s kuse bedevije.
|
flugs vom gestutzten Wüstenross hinabsank;
|
|
crna ga je krvca zaljevala;
|
ein schwarzer Blutstrom ganz ihn überquoll,
|
|
nit se miče, nit on dušom diše.
|
er rührt sich nicht, noch atmet seine Seele.
|
|
Do njeg Stjepan mije dovlačio
|
Hinzu zu ihm die Schläuche Stefan
schleppte
|
| 535 |
pa arapa vinom zaljevavo,
|
und goss den Wein hinein in den Araber
|
|
dok s arapu malo osvijesti:
|
bis halbwegs von ihm wieder wich die Ohnmacht.
|
|
— Stan arape, to je šala
bila!
|
— Nur auf, Araber, das war bloss
Genecke!
|
|
Dera jaši kusu bedeviju,
|
Besteig nur dein gestutztes Wüstenross,
|
|
da igjemo mejdan dijeliti!
|
damit wir doch den Kampf zum Austrag bringen!
|
| 540 |
Odma arap kusu uzjašio
|
Gleich schwang sich der Araber auf den
Stutzling
|
|
pa on ode poljem zelenijem;
|
und ritt dahin durchs grüne Blachgefilde,
|
|
arap koplje nosi u rukama.
|
in Händen trägt die Lanze der Araber.
|
|
Kada arap do bilješke dogje,
|
Indess zum Standort der Araber kam
|
|
ostade ga Stjepan čekajući.
|
blieb Stefan seiner harrend auf dem Flecke;
|
| 545 |
On zažima kopljem i desnicom.
|
der schwingt die Lanze, schwingt den rechten Arm.
|
|
Kad od ruku koplje poletilo,
|
Wie da geflogen aus der Hand die Lanze,
|
|
u oko bi zmiju pogodijo,
|
er träfe eine Schlange grad ins Auge,
|
|
bela ne bi u čelo junaka!
|
wie leicht nicht einen Kämpen in die Stirne!
|
|
Dobar gjogat bješe pot Stjepanom
|
Das war ein guter Schimmel unter Stefan,
|
| 550 |
jer se svakom boju naučio;
|
denn jede Art von Strauss war ihm vertraut;
|
|
gjogat pade na prva koljena,
|
der Schimmel sank auf seine Vorderfüsse,
|
|
priko njija koplje priletilo!
|
ob ihren Häuptern flog hinweg die Lanze.
|
|
Pruži ruku Majković Stjepane
|
Die Hand ausstreckte Stefan
Majković,
|
|
pa on koplje u ruku ujiti,
|
fing ab die Lanze mit der freien Hand,
|
| 555 |
prilomi ga na dvoje, na troje
|
zerbrach sie knacks zu zweien, dreien Stücken
|
|
i komade u travu jitio.
|
und schleuderte ins Gras hinweg die Trümmer.
|
|
Dok doletje crna arapina:
|
Inzwischen flog herbei der Schwarzaraber:
|
|
— Kurvo jedna, carev
megdandžija!
|
— Du Hure, du des Kaisers
Kampfvertreter!
|
|
šta s doveo bagavu kljusinu
|
Was hast du mitgebracht für lahmen Klepper,
|
| 560 |
pa me danas vara na megdanu!
|
der heute mich beschummelt auf der Wahlstatt!
|
|
Stani kurvo, dok se opet zagjem!
|
Steh still, du Hur’, bis ich von neuem
losleg’!
|
|
Onda Stjepan beśjedi arapu:
|
Darauf zu dem Araber Stefan spricht:
|
|
— Ajd arape, ne jedi govana:
|
— Geh, du Araber, kau nicht lauter
Unflat:
|
|
»jedność ćemo pa i
drugość ćemo!«
|
»Wir machen’s einmal und zum zweiten
Male!«
|
| 565 |
Ode Stjepan, otjera dorata;
|
Davon auf seinem Braunen jagte Stefan,
|
|
ostade ga arap čekajući.
|
blieb stehen seiner harrend der Araber.
|
|
Dorat igje dok je njemu drago.
|
Der Braune läuft, soweit es ihm beliebt.
|
|
Kat se Stjepan do bilješke vrati,
|
Wie nun zurück zum Standort Stefan
kam,
|
|
ja arapa na bilješci nejma!
|
da war nicht mehr am Flecke der Araber,
|
| 570 |
Arap mu se poljem zamaknuo;
|
entwichen war durchs Feld ihm der Araber,
|
|
za njim Stjepan naturi dorata
|
Aneiferte ihm nach den Braunen Stefan
|
|
i otjera crnu arapinu.
|
und jagte weit dahin den Schwarzaraber.
|
|
Brži bješe dorat ot kobile,
|
Der Braune schneller als die Stute war,
|
|
jer u žensku pouzdanja nejma,
|
weil wer aufs Weib vertraut, auf Wolken baut,
|
| 575 |
i sastiže kusu bedeviju.
|
und holte ein ’s gestutzte Wüstenross.
|
|
Golu sablju nosi u rukama,
|
Den nackten Säbel schwang er in den
Händen
|
|
letećivu ośječe mu glavu!
|
und hieb dahin ihm fliegend ab das Haupt!
|
|
Pa odjaši debela dorata
|
Dann schwang er sich herab vom dicken
Braunen
|
|
pa on uze arapovu glavu,
|
und nahm an sich das Haupt von dem Araber
|
| 580 |
odnese je caru u Stambola
|
und trug es fort zum Kaiser hin nach Stambol,
|
|
pa u dvore caru unosio.
|
trug’s in den Reichpalast hinein zum Kaiser.
|
|
Sve on caru primicuje glavu,
|
Je näher er das Haupt zum Kaiser
rückt,
|
|
ja care se dilje otkučuje,
|
um soviel weiter sich der Kaiser drückt,
|
|
dok on cara stjera do duvara.
|
bis er den Kaiser an die Wand getrieben.
|
| 585 |
Beśjedi mu care ot Stambola:
|
Zu ihm der Kaiser von Istambol spricht:
|
|
— Otkle jesi ser atlijo mlada?
|
— Von wannen bist du junger
Grenzlandritter?
|
|
— Ja sam junak od Ercegovine,
|
— Ich bin ein Kämpe wohl vom
Herzoglande
|
|
od Neretve i od Nevesilja.
|
von der Narenta und von Nevesinje!
|
|
— Ja, kako se po imenu
zoveš?
|
— Und wie benamst du dich mit deinem
Namen?
|
| 590 |
— Po imenu bezi Ljubovića!
|
— Dem Namen nach die Begen
Ljubović.
|
|
— Nos od mene glavu arapovu!
|
— Hinweg von mir schaff das
Araberhaupt!
|
|
Zdrava me je ujtila groznica
|
Bei heilem Leib mich Schüttelfrost erfasste,
|
|
gledajući arapove glave.
|
indem ich schaute des Arabers Haupt!
|
|
Iśći sine štogod ti je drago!
|
So heisch denn Sohn, was immer dir behagt!
|
| 595 |
— Sultan care, sunce ogrijano!
|
— O Sultan, Kaiser, Sonnenglanz und
Glimmen!
|
|
Nit ću tebi nebrojena blaga,
|
ich heische weder ungezählte Schätze,
|
|
nit ću tebi dvora kot tvojije,
|
noch heisch ich Burggehöfte nah den deinen,
|
|
nit ću tebi tri bijela grada,
|
noch heisch ich von dir drei der weissen
Städte,
|
|
dva kod mora, treći kod Dunova,
|
am Meere zwei, die dritte an der Donau,
|
| 600 |
nit ću tvoje ćeri sultanije!
|
auch heisch ich nicht dein Sultanin-Prinzesschen!
|
|
Vić te molim, mili gospodare!
|
Vielmehr ich bitt dich, teuerster
Gebieter,
|
|
daj ti meni izun i testijer
|
bewillig du mir Freiheit und Gewähren,
|
|
i daj meni katuli fermana,
|
gewähr fürs Hochgericht mir einen Ferman,
|
|
da se vratim šeru Banjojluci,
|
dass ich nach Banjaluka-Stadt zurückkehr
|
| 605 |
da pogubim pašu banjolučkog!
|
und töten darf den Banjaluker Paša!
|
|
I daj meni u Ercegovini,
|
Annoch gewähr mir in dem
Herzoglande,
|
|
u Neretvi i u Nevesinju,
|
in dem Narentaland und Nevesinje,
|
|
tude meni daćeš spajiluke,
|
allda gewähr mir Reiterlehengüter
|
|
da ja sudim, da ja razsugjivam!
|
mit voller und mit Schiedgerichtbarkeit!
|
| 610 |
To je care jedva dočekao,
|
Das kam dem Kaiser überaus
willkommen,
|
|
načini mu śićana fermana.
|
und schrieb ihm fertig einen feinen Ferman.
|
|
Ode Stjepan ot Stambola grada.
|
Von dannen Stefan zog von Stadt Istambol.
|
|
Uvrati se Stjepan Banjaluci
|
In Banjaluka Stefan Einkehr hielt
|
|
pa on pašu živa ujitijo
|
und fing allhier lebendig ein den Paša.
|
| 615 |
i pašu je živa ogulijo
|
Dann auch lebendig schund er ab den Paša
|
|
pa ga onda na kolac nabijo.
|
und pflanzte ihn zuletzt auf einen Pfahl.
|
|
Dva njegova sina pogubijo,
|
Ums Leben bracht er seine beiden
Söhne,
|
|
od zla roda nek nije poroda!
|
von schlimmer Zucht, dass keine Frucht verbleibe!
|
|
Ode Stjepan Nevesilju gradu
|
Abzog zur Burg von Nevesinje Stefan
|
| 620 |
i odnese careva fermana.
|
und nahm mit sich den kaiserlichen Ferman.
|
|
Eto pjesna a od Boga zdravlje!
|
Hier mein Gesang, gesegn’ uns Gott
Gesundheit!
|
Das war um 10½ vormittags des 27. Februars 1885. Frühmorgens war ich aus der Schlucht von Srebrenica aufgebrochen und ritt gerade durch eine Lichtung über einen Kammrücken der schneebedeckten Treskavica planina dahin. Etwa 50 Schritte hinter mir trottete bedächtig zu Ross mein Diener, der Guslar Milovan Ilija Crljić Martinović nach. Auf der Wanderung führten wir nie Gespräche, sondern jeder achtete auf sich und den Weg und hing seinen eigenen Gedanken nach. Im Augenblicke war ich nur darauf bedacht, meine Nase vor dem Abfrieren zu bewahren, im übrigen liess ich die Eindrücke der gewaltig mächtigen Gebirgwelt auf mich einwirken. Ich schwärme weder für kleine Frostbeulen noch für die riesigen Buckeln im Antlitz der Erde, und doch erfüllte mich mit hehrer Ehrfurcht die stille Grossartigkeit einer von Menschenwerken unbeeinträchtigten Winterhochlandschaft. Auf einmal rief mir Milovan zu: »Wart, Herr, will dich um etwas befragen!« — »Rede!« — »Der Frater (er meinte den Mönch im Savelande, zu dessen Pfarre er gehört) riet mir ab, mit dir zu wandern, weil du, sagte er, ein Ketzer wärst.« — »Hättest auf ihn gehört!« erwiderte ich jäh aufbrausend, »habe dich zur Gefolgschaft nicht gebeten. Schlossest dich mir von selber an. Geniessest seit Monaten alles Gute an meiner Seite ohne Gegenleistung. Wer ledig ist hat keinen Leibbediener! (u bećara nejma hizmećara). Ich bezahle dir deinen Zeitverlust, du zieh deines Weges und lass mich in Frieden!« — »Herr, so meine ich’s nicht; lass mich etwas aussprechen!« — »Wir haben ausgesprochen!« sagte ich und spornte meinen lendenlahmen Schimmel zum scharfen Trab an.
In schönen, gefällig abfallenden Schlangenwindungen verlief der Weg hinab ins Tal. Oben knisterte noch unter den Rosshufen der einbrechende, eingefrorene Schnee, dann schwand er dahin, der Pfad zeigte sich schneefrei und trocken. Und als ich gegen 4 Uhr zur tiefen Mulde und dem Ufer des Drinačaflusses hinabkam, schmolz auch mein Zorn und weg war er. Ei, geriet ich da mitten im Winter in das Tal des sinnerquickenden, lauen Frühlings mit duftender Blütenpracht, mit dunklem Laub und üppigen Wiesen! Zwei Stunden weit und stellenweise eine halbe Stunde breit ist dieser lieblichste Fleck Bosniens, den himmelanragende, waldbedeckte Berglehnen vor Wind und Wetter ewig schützen und das grüne, forellenreiche Wasser der mässig rauschenden Drinača fürsorglich befruchtet. An einer Wassermühle, wo ein altrömischer Grabstein halb als Schwelle diente, nahm ich beim Bachmüller, einem Moslim, gastlich angebotene Herberge an.
Vor allem warf ich meinen vielfach geflickten Pelzrock, dann meine aus waschechter Baumwolle hergestellte Astrachanmütze usw. ab, streifte die Wichsleinwand-Gamaschen mit den Schuhen von den Füssen und fing an, mich im saftigen Rasen herumzuwälzen. Den zwei rotharigen, blauäugigen Bengelein des Müllers zeigte ich, wie man Purzelbäume schlägt und versuchte auch, auf dem Kopfe zu stehen. Nein, das missglückte! Der ältere Junge verstand diese Künste weitaus besser als ich. Er schoss neunmal den Bock und blieb zum zehntenmal gar noch auf dem Kopfe stehen, dazu die Arme über der Brust verschränkt! Der jüngere Range hatte es zwar noch nicht zu so hoher Gewandtheit gebracht, aber sein Ehrgeiz war schon geweckt. Kurzum, wir vergnügten uns königlich, herumkollernd und juchhezend, bis der Müller mit der Meldung erschien, die Milch wäre gar und die Eier gesotten. Inzwischen hatten sich Leute vom Gelände eingefunden und ich erzählte von Helden aus alten Zeiten und wie ich ausgezogen, um deren Taten für die Schwaben aufzuzeichnen.