V. 514. Die Behauptung ist unwahr; denn der Herzogländer verschmäht grundsätzlich weder Wein noch Branntwein, letzteren schon gar nicht. Der Vers hat hier keinen Sinn, ausser man nimmt den Ausfall eines anderen aus der stereotypen, vollen Phrase an: s kim se bijem s onim ja ne pijem »mit wem ich mich schlage, mit dem zeche ich nicht«, darauf folgt die übliche Wiederholung und Ergänzung: »mit dem zeche ich weder Wein noch Branntwein!« Mit einem Zechbruder rauft man oder balgt sich herum und dann ist man wieder gut Freund mit ihm, dagegen im Duell geht es auf Leben und Tod.

V. 520. Das Duell ist ein Gottesurteil. Der Herausforderer fordert für seine gerechte Sache das Urteil Gottes heraus und setzt sich dadurch von vornherein ins Unrecht gegenüber demjenigen, der im Namen Gottes als Partner auftritt. Der schlaue Araber möchte die Sache so wenden, als ob ihn Majković herausforderte und überlässt ihm daher den ersten Lanzenwurf, doch lässt sich unser Herzogländer nicht foppen und auch nicht durch die Gaukelei des Arabers, der ihn meuchlings töten will, irre führen. Er bestraft ihn auf der Stelle mit einem Faustschlag, wie man sonst nur ein beim Diebstahl erwischtes Mensch züchtigt. Als der Araber bewusstlos zu Boden lag, wollte ihn Majković nicht umbringen, weil Ermordung eines Wehrlosen unritterlich ist.

V. 534. mije erklärte Milovan den Zuhörern (nicht mir) mit mjehove.

V. 549 u. 551. Stefan reitet durch das ganze Lied den Braunen, hier infolge eines Verredens des Guslaren auf einmal einen Schimmel. Quandoque et bonus dormitat Guslarus.

V. 563 f.: »Geh, Araber, iss nicht Dreck: ‘Wir werden einmal und wir werden zum zweiten Male!’« Über die Wendung vrgl. Anthropophyteia IV, allwo die wahre Bedeutung nach allen Richtungen hin klargestellt wird. Natürlich plauschte der Araber dummes Zeug zusammen, nachdem ihm doch Gott durch den verfehlten Wurf deutlich Unrecht gegeben. Bemerkenswert sind die veralteten, seit Jahrhunderten in der Volksprache nicht mehr gebräuchlichen Wortformen jedność und drugosć. Die Erhaltung der Phrase kann ich mir nicht anders erklären, als dass sie bei gewissen Ritterspielen des XIV. und XV. Jahrhunderts üblich gewesen sein muss und der Satz als Wort ganzes sich behauptet hat. — In einem anderen Liede sagt der Partner zum Araber auf seine gleiche Zumutung: jedanput me rodila je majka! (Nur einmal hat die Mutter mich geboren!). Wie Majković hat auch Philipp der Magyare in einem Kampf mit dem Schwarzaraber das Glück des Verfehltwerdens. Der Meisterfehlschütze fordert ihn auf, für einen zweiten Wurf stille zu stehn, doch Philipp erwidert ihm:

Stani meni arapine moro, Stell mir dich auf, du Trottel aus Arabien,
stani meni kao i ja tebi, stell mir dich auf, wie ich mich dir gestellt,
stani meni piku na biljegu! stell auf dem Zielpunkt auf dich hin für mich!
nije mene dvaput porodila majka Die Mutter hat mich nicht geboren zweimal,
nego jednom jadno i žalosno! vielmehr nur einmal unter Wehgekreisse!

(Diese Stelle bei Osvetnik, Srpske n. pj. S. 71.)

V. 574. Das sang der Guslar nicht etwa als eine Sentenz, sondern als ein witziges Aperçu, das die Zuhörer als vorzüglich gelungen belachten. Man glaubt kaum, wie genügsam Leute in einfach ländlichen Verhältnissen in Bezug auf Witz und Humor sind!

V. 577. letećiv wie spavećiv gebildet. Milovan spottete solange über diese Wortform (Partizip), bis er sich mit ihr befreundete und sie selber nachbildete. Bei antisemistischen »Futharkern«, den sogenannten »Tintenkulis«, die ständig über die judendeutsche Mundart spotten, kann man es beobachten, dass sie schliesslich weder judendeutsch noch hochdeutsch schreiben können.

V. 590: »Wir sind die Begen Ljubović«, er ist ja Ljubović’s Milchbruder.