Der ungenannte Verfasser des Schriftchens »Pogled u Bosnu ili kratak put u onu krajinu« (Agram 1842) erzählt, wie er sich im Jänner 1840 in dunkler Nacht in ein türkisches Dörfchen bei Zvornik verirrt habe, in ein türkisches Gehöfte eingetreten sei und von dem Eigentümer beinahe erschossen worden wäre, weil ihn dieser für eine Hexe hielt, die sein, des Türken, Kind auszufressen gekommen. Bruder und Schwägerin des Türken retteten noch rechtzeitig den gefährdeten Reisenden. Als sich der Irrtum herausgestellt, lud der Türke den Wanderer zum Nachtessen ein und erzählte ihm den Grund seiner Verbitterung: »Siehst du Brüderchen! Dies Haus gehört mir, das nächste meinem Bruder. Ich habe zwei Kinder — Gott soll mir sie leben lassen — Milica und Živan, mein Weib aber ist gestorben, gerade jetzt wird’s ein Monat. Da in der Nachbarschaft lebt ein Mensch, mit dem ich mich schon seit langem verfeindet habe. Er hat eine Mutter, die ist eine alte Hexe, die hat mir gedroht, dass sie mir mein ganzes Gesinde ausfressen wird (da će svu moju čeljad izjesti).« Diesen Abend sass er bei seinem Bruder und trank Raki, um seinen Kummer zu übertäuben. Als er heimkehrte, hörte er jemand Fremden im Hause herumpoltern und die Kinder ängstlich schreien. Da war er fest überzeugt, die alte Hexe wäre gekommen, um ihre Drohung auszuführen, und wollte sie dafür bestrafen.

Ein Bannspruch gegen menschenfressende Hexen: Ein altes Weib, Namens Dona aus Selačka in Serbien, pflegt auf folgende Weise Leute vom Hexenzauber zu heilen. Sie nimmt einen Federwisch und einen roten Faden in die Hand, berührt damit Kopf, Hände, die Herzgegend und die Füsse des Leidenden und spricht dazu: »Heb’ dich von dannen, o weh (?), ihr Hexen, Vile und Winde; ihr seid gekommen, damit ihr N. Herz und Kopf ausfresset; doch bei ihm weilt Dona die Beschwörerin, die euch schickt ins Gebirge, damit ihr (alles) Laub abzählt, ins Meer, damit ihr den Sand ausmisst, in die Welt, dass ihr (alle) Wege abzählt. Auch wenn ihr zurückkommt (scil. nachdem diese Aufgaben gelöst wären), könnt ihr ihm gar nichts anhaben. Dona, die Beschwörerin, hat mit ihrem Hauch (Seele) weggehaucht, mit der Hand wegbewegt und mit Gras auseinandergeschoben. Auf N. Leben und Gesundheit.« Diese Worte spricht sie dreimal nacheinander. Der Text lautet »ustaj, avaj, veštice, vile i vetrovi, došli ste da N. — u pojedete srce i glavu; ali je kod njega Dona bajalica, koja vas šilje u goru, list da prebrojite, u more, pesak da izmerite, u svet, putove da prebrojite. I kad se vratite, ne možete mu ništa učiniti. Dona bajalica je dušom oduvala, rukom odmahala i travom rasturila.[40]

Für die Echtheit der Bannformel spricht die verwandte aus Grbalj, die Vuk im Riečnik S. 367 b. gegen die Mora (die Mar) mitteilt. Die sachliche Erklärung besonders der letzteren Formel bietet mancherlei Schwierigkeiten dar. Ich will nur die Stelle daraus anführen, in der die Aufgaben aufgezählt sind, die von der Mar und den bösen Geistern überhaupt zuvor bewältigt werden sollen, ehe sie die Schwelle des Hauses betreten mögen: »Nicht eher, als bist du abgezählt am Himmel die Sterne, im Gebirge das Laub, am Meere den Sand, an der Hündin die Haare, an der Ziege die Haarzotteln, an dem Schafe die Wollzotteln und in den Zotteln die Haare.«

Beachtenswert ist die Wendung am Schlusse der Donaischen Formel, wo der Hauch, die Handbewegung und das Gras (trava) als Abwehrmittel betont werden.

Weint nachts ein kleines Kind, so glaubt man, dass es Hexen essen, und man sucht auf den Feldern ein Kraut, das man vještički izjed[41] (Hexenausfrass) nennt, streut dies Kraut in die Wiege, auch wird es abgekocht und der Absud dem Kinde zu trinken verabreicht. Oder man reibt mit Knoblauch die Wiege und die Fussohlen des Kindes ein, weil dies ein bewährtes Mittel gegen die Hexen sein soll.[42]

In Serbien legt die Mutter in das Amulet, das sie ihrem Kinde um den Hals hängt, ein Häuptchen Knoblauch. Dieser Knoblauch wird aber auf folgende Weise gezogen. Die erste Schlange, die man im Jahre erblickt, muss man töten, ihren Kopf vom Leibe lostrennen und kleinstossen. In diese Stücke tut man das Zechel von einem Häuptchen Knoblauch und pflanzt das ganze im Garten ein. Das Häuptchen, das daraus entsteht, kommt ins Amulet.

Viele Bauern pflegen sich zu Weihnachten und im Fasching die Brust, die Fussohlen und die Achselgegend mit Knoblauch einzureiben. In Slavonien trägt der Bauer, natürlich die Bäuerin auch, immer ein Stück Knoblauch als Amulet mit sich, um gegen alle Anfechtungen von Hexen gefeit zu sein.

In einem slavonischen Reigenliedchen flucht die rechtmässige Frau der Beischläferin ihres Mannes; in ihren Augen ist sie eine menschenfressende Vila, der vor Knoblauch übel wird und die sich durch Genuss von altem Unschlitt den Tod zuziehen soll:

Oj inočo vilo, »O Du Nebenweib, Du Vila,
Ne jedi mi tilo! iss mir meinen Leib nicht ab!
Već ti jedi staro salo, Sondern iss altes Unschlitt,
Ne bi l tebe već ne stalo, vielleicht verschwindest Du doch endlich einmal;
5 Pa ti jedi bila luka, ferner iss Knoblauch,
Nek je tebi veća muka. damit Deine Qual grösser sei!«

In einem anderen Liedchen sagt ein Mädchen: