Gdi bi meni nahudile vile, »Wie könnten mir die Vilen Schlimmes antun,
Kad ja nosim u nedarah čine, da ich im Busen Amulete trage,
Slipa miša i od guje repa, eine Fledermaus und den Schweif einer Natter,
Bila beza i debela veza. weisse Leinwand und dicke Stickerei.«

Die Stickerei, die verschiedene Figuren und Zeichen darstellt, befremdet hier durchaus nicht.

Ein Märchen aus Krasica im chrowotischen Küstenlande[43] schildert das Treiben einer menschenhinwürgenden Hexe wie folgt:

»Es war einmal ein Graf, der hatte eine einzige Tochter. Diese Tochter war ein sehr übermütiges und verwöhntes Kind. Als sie herangewachsen, schickte man sie in die Schule. Die Lehrerin, zu der man sie in die Schule schickte, war eine Hexe, von der die Kinder blutwenig lernten. Sie pflegte kaum in die Schulstube zu kommen, um die Kinder zu ermahnen, dann ging sie wieder hinaus und kam erst zurück, wenn es Zeit war, die Kinder zu entlassen. Wenn die Hexe zufällig draussen eines ihrer Schulkinder erblickte, so schlug und prügelte sie es wie ein stummes Tier. Als nun des Grafen Töchterlein zum erstenmale die Schule besuchte, die Lehrerin aber sich gar nicht blicken liess, so ging das Mädchen hinaus, um doch zu sehen, wo die Lehrerin bleibe. Sie kommt hinaus, schaut in die Luft und da gewahrt sie ihre Lehrerin oben, wie sie eben Kinder abwürgt. Wie das Mägdlein aber von der Lehrerin erblickt wurde, so drohte ihr diese von oben herab. Als die Schule aus war, kehrte das Mädchen heim und fand den sämtlichen Viehstand zu Hause verendet. Als sie am nächsten Tage aus der Schule nach Hause kam, da fand sie die Diener und die Dienerinnen tot. Am dritten Tage waren Vater und Mutter tot und das ganze Haus nur mehr ein Trümmerhaufen. Dies alles hatte die Lehrerin-Hexe verbrochen.« — Im weiteren Verlauf des Märchens spielt die Hexe die bekannte Rolle der bösen Schwiegermutter, die die Kinder ihres Sohnes und der ihr missliebigen Schnur immer mit jungen Hunden und Katzen vertauscht und so bewirkt, dass der Sohn seine Frau einmauern lässt. Schliesslich stellt sich aber durch Gottes Wunder der wahre Sachverhalt heraus und die Anstifterin alles Unheils erleidet das Schlimmste. In unserem Märchen wird sie gleichfalls eingemauert.[44]

Um die Hexen herauszufinden, damit man sie die verdiente Strafe wegen der angeblichen Kinderhinmordung erleiden lassen könne, befolgte man und befolgt noch heutigen Tags in Montenegro und im Herzogtum soweit es vor den Behörden verborgen bleiben kann, folgenden Brauch: Alle waffenfähigen Männer eines Dorfes versammeln sich und der Dorfälteste hebt beiläufig so an: »Ihr seht Brüder, dass unser Stamm ausgewurzelt wird von Hexen und Zauberinnen, Gott möge sie richten. Morgen in der Frühe soll jeder von euch sein Weib und seine Mutter, so wie ich es auch selbst tun werde, zur Zisterne (oder zum Fluss oder zum See) hinbringen, damit wir sie ins Wasser werfen und so in Erfahrung bringen, welche die Hexen sind, dann wollen wir die Schuldigen steinigen, oder sie müssen uns zum mindesten hoch und teuer schwören, dass sie in Zukunft kein Unheil mehr anstiften werden. Wollt ihr so, Brüder?« Einstimmig rufen alle: »Ja, so wollen wir, wie denn nicht?« Am nächsten Tage führt jeder Mann sein Weib daher, befestigt einen Strick unter den Armen um ihren Leib und wirft sie so angekleidet, wie sie vom Haus kam, ins Wasser hinein. Die Weiber, die augenblicklich untersinken, zieht man rasch mit dem Seil ans Trockene, denn ihre Unschuld ist durch das Untersinken erwiesen, hingegen ist der gegenteilige Beweis hergestellt, wenn eine auf der Oberfläche ein Weilchen herumzappelt und nicht untergehen mag.[45]

V. Vrčević berichtet, er habe in seiner Kindheit erzählen gehört, dass die Krivošijaner (in der Gegend von Cattaro) auf diese Weise ihre Frauen einmal einem solche Ordale unterworfen haben. Demselben erzählte ein Mann namens Lukas Pištelja aus Trebinje im Herzogtume, dass die christlichen Einwohner dieses Ortes im Jahre 1857 von den Türken gezwungen wurden, auf freiem Felde in die an der Stadt vorbeifliessende Trebišnjica ihre eigenen Frauen hineinzuwerfen. Unter denen, die untergingen, befanden sich zufälligerweise auch die Mutter und die noch lebende (es war im Jahre 1874 als dies Vrčević schrieb) Frau Pišteljas. Sieben Weiber gingen aber nicht unter, und zwar, weil sie zuviel Kleider anhatten und das Wasser unter die Kleider gedrungen war, da die Armen perpendikular ins Wasser fielen. Die Türken wollten durchaus, dass alle sieben Weiber den Steinigungtod erleiden sollten.[46] Nur mit schwerer Mühe und Not liessen sie sich von den hart bedrängten Christen dazu bewegen, dass sie von der augenblicklichen Strafe Absicht nahmen, indem sie sich damit zufrieden gaben, dass die Beinzichtigten im Kloster Duži einen heiligen Eid ablegen mussten, in Zukunft nimmermehr Kinder aufzufressen.[47]

Eines anderen Falles gedenkt Medaković. Ein Weib aus Bjelice in Montenegro wurde ins Wasser gestossen, weil sie im Verdachte stand, eine Hexe zu sein, doch sie ging nicht unter. Ob man sie deshalb gesteinigt und was überhaupt mit ihr darauf geschehen, verschweigt unser Gewährmann. Eine Witwe aus Rajčević wurde gleichfalls der Hexerei beschuldigt und man wollte sie durchaus dem Ordale unterziehen. Darüber entspann sich zwischen den Leuten ein Streit, der in einen bitteren Kampf ausartete, in dem vier Menschen auf der Stelle ihren Tod fanden.

Viel harmloser ist eine andere, im ganzen Süden bekannte Art und Weise, nach der man die Hexen eines Ortes kennen zu lernen sucht. Man kann sie alle bei der Mitternachtmesse in der Christnacht sehen. Zu diesem Behufe arbeitet man vom Tage der hl. Lucia oder hl. Barbara an bis zur Fastenzeit vor Weihnachten[48] an einem Schemel, und zwar so, dass man jeden Tag einmal mit dem Beil in das Holz schlägt, aus welchem der Schemel verfertigt wird. Mit diesem Schemel begibt man sich in der Christnacht[49] in die Kirche und stellt sich darauf in dem Augenblicke, wann der Priester den letzten Segen spricht. Da kehren die in der Kirche anwesenden Hexen dem Altar den Hintern zu und schauen zur Türe hin. Der Mann auf dem Schemel muss nun sofort, wie der Priester das Kreuz schlägt, nach Hause eilen und sich ins Bett legen. Die Hexen verfolgen ihn bis ins Haus hinein und er vermag sich nur dadurch vor ihrer Rache zu schützen, dass er den Schemel unter das Bett stellt. Die Hexen sind wohl jetzt machtlos, doch schärfen sie dem Manne ein, reinen Mund zu halten über das, was er gesehen, sonst werden sie an ihm Rache nehmen. (Über den deutschen Glauben vrgl. Grimm D. M. 1033.)

Ein Kürschnergeselle verfertigte auf die angegebene Weise einen Schemel und beobachtete in der Kirche das Treiben der Hexen. Zu des Burschen Unglück las der Priester hastig die Schlussgebete ab und der Bursche konnte nur mit schwerer Müh’ und Not den Hexen entrinnen. Sie holten ihn auf der Hausschwelle ein. Er flüchtete in die Küche und warf sich schnell in den Brotofen hinein. Von dort zogen ihn die Hausleute heraus und schafften ihn, der schon ganz leichenblass aussah, in die Stube hinein. Er aber eilte zur Türe, warf sich auf die Erde und rang die ganze Nacht hindurch mit einem unsichtbaren Jemand. Da kam ein altes Weib aus der Nachbarschaft, beräucherte den Burschen, und man sagt, es sei ihm darauf leichter geworden. Auf die Dauer half dies aber doch nichts, bis sich endlich ein Weib seiner erbarmte und ihm den Rat erteilte, er soll einer lebendigen Henne den Leib aufschneiden und das Herz, solange es noch warm ist, roh aufessen. Dies tat er und genas vollständig. Bis dahin hatte er das Reden fast verlernt gehabt und, es kam häufig vor, dass er nachts bei geschlossenen Türen und Fenstern plötzlich verschwand. Wahrscheinlich ritten da auf ihm Hexen herum.

Das Herzessen, wie es sich hier im Volkglauben erhalten hat, verrät eine Auffassung der Dinge, wie sie nur einer alten Heidenzeit zugeschrieben werden kann. Mit der steigenden Gesittung, als man sich daran gewöhnt hatte, zubereitetes Fleisch zu essen, erhielt sich der alte Brauch, nun ungewöhnlich geworden, nur noch bei Opfern. Als man sie durch das Christentum auszumerzen begann, bezog der Volkglaube den alten Brauch auf andere Dinge und leitete aus dem Genuss roher Herzen eine besondere Kraft ab, die dem Betreffenden einmal zum Segen, wie z. B. in dieser Sage, oder zum Unheil, wie den Hexen, die Kinder ausweiden, ausschlagen kann.