Will man Hexenbesuch haben, so muss man jeden Morgen mit dem linken Fusse beim Erwachen aus dem Bett steigen und den linken Fuss vor dem rechten ankleiden.

Legt man einen Besen über die Schwelle, so kann keine Hexe darüberschreiten. Ebenso kann man ihr auf offener Strasse den Weg versperren, wenn man zwei Besen kreuzweis auf den Weg legt.

Wer sonst einer Hexe aufpassen will, muss am Charsamstag abends seiner Kuh zwischen den Hörnern ein wenig Haare ausschneiden und am Palmsonntag mit den Haaren in der Tasche in die Kirche gehen. Während nun der Priester den letzten Segen spricht, nehme man ein wenig von den Haaren zwischen die Finger, bekreuzige sich so und vergrabe die Haare, sobald man wieder nach Hause kommt, unter die Schwelle der Stalltüre, durch welche die Kuh durchgehen muss. Die Hexe bleibt aber an einer solchen Schwelle wie festgewurzelt stehen. Man kann sie nun leicht erwischen und mit ihr tun, was man will. In der Folge wird sich sowohl die betretene als überhaupt jede Hexe wohlweislich hüten, diesen Grund und Boden je wieder heimzusuchen.

Wann eine Hexe gestorben ist und zu Grabe getragen wird, pflegt es jedesmal zu donnern und zu hageln, wie man glaubt deshalb, weil sie bei Lebzeiten Donner und Hagel heraufzubeschwören vermocht hat.

Eine Hexe darf man weder an einem geweihten Orte, noch in einem Garten, oder auf der Strasse, oder am Wegrain, oder in einem Graben am Wege vergraben, denn andere Hexen würden sie wieder herausscharren und beleben. Darum muss man eine Hexe im Walde unter irgend einem sehr alten, schattigen Baume vergraben, und Gott behüte, ja nicht unter einem jungen; denn ein junger Baum breitet nicht hinreichenden Schatten über die Hexe aus, der Schatten aber, den die Erde wirft, mit der das Grab zugedeckt wird, reicht allein nicht aus. Dieser Schatten ist der Hexe auch nicht im geringsten zuträglich.

Die Seele der Hexe ist ein Baumgeist, der seinen alterschwachen Wohnort verliess, um als Hexe weiterzuleben. Stirbt die Hexe, so begräbt man sie unter einem alte Baume, damit der böse Geist an seinem Ursprungort verbleiben soll.

Wenn ich den Volkglauben richtig erfasse, so ist der ursprüngliche Grund, weshalb man eine Hexe unter einen jungen Baum nicht vergraben will, nicht der unzulängliche Schatten, sondern weil man glauben mochte, dass der in dem jungen Stamme hausende Geist durch die Hexe vertrieben würde, weshalb der Baum dann absterben müsse, oder dass die Hexe als ein Krankheitgeist in den jungen Baum fahren und ihn so zum Verdorren bringen würde. Im übrigen spricht man den Hexen ein ungewöhnlich langes Leben zu. Irgendwo auf einem steilen Felsen im Hochgebirge quillt ein »lebendiges Wasser« hervor, erzählte mir jener Bauer aus Kamensko, an welchem sich die Hexen immer verjüngen. Das Wasser des Lebens spielt in den Sagen aller Völker eine grosse Rolle.

Um die Hexen zu bannen, pflegen die Bäuerinnen am letzten Faschingsonntag die Kesselketten verkehrt aufzuhängen, andere legen ein Kuhhorn in die Kohlenglut, weil Hexen diesen Geruch nicht vertragen.

Man kann eine Hexe auch dadurch vertreiben, dass man sie verflucht. Die Hexe verliert nämlich im selben Augenblicke all’ ihre Macht, denn der Mensch trägt das Kreuz der katholischen Kirche, die Hexen aber das Kreuz des Teufels. Es genügt, dass der Mensch ihr zuruft: »Gemeines Weib, warum trägst du das Kreuz des Teufels? Du bist ja doch von aller Welt gemieden (verlassen) und kein Mensch mag dich leiden!« (hmana žena, zakaj nosiš križ vraži, ipak si od sega sveta ostavlena ter te ne mre nijeden človek trpeti!) (Aus Warasdin.)

Man ersieht aus diesem Glauben deutlich, wie die alten Anschauungen die von der neuen Lehre nicht ausgerottet werden konnten, als eine Nachäfferei des wahrhaft Göttlichen hingestellt sind. Den Hexen und dem Teufel schreibt man die Gebräuche und Abzeichen der Gotteskirche zu, doch in karikierter Gestalt; was sie tun, tun sie verkehrt, zum Spott und Hohn der lichten Gottheit. So wird z. B. in dem berüchtigten malleus maleficarum mehrmals des Eidschwurs Erwähnung getan, den die Hexen bei ihrer Aufnahme in den Bund dem Teufel zu leisten haben.[50]