Wenn man die Unterhosen umwendet und sie so anzieht, ist man gegen jeden Hexenzauber gefeit. Das südslavische Bauernhaus hat keinen Anstandort und die Leute sind genötigt, auf dem Düngerhaufen oder sonst wo auf einem Platze, wohin man den Kehricht wirft, ihre Notdurft zu verrichten. Solche Orte sind aber nach dem Volkglauben Tummelplätze der Hexen; darum hält man ein Stück Brot in dem Mund, während man auf einem solchen Orte weilt; dadurch wird die Macht der Hexen gebrochen.[51]
Der Mensch kann sich vor einer Hexe nur dann mit Erfolg verteidigen, wenn er sich mit einem geweihten Stock wehrt. Etwas anhaben kann er ihr aber auch nur in dem Falle, wenn er sie auf den Kopf oder den Hintern mit dem Stocke trifft; denn im Kopfe der Hexe sitzt ihr Hass gegen alles, was geweiht ist, mit dem Hintern dagegen verhöhnt sie alles, was heilig ist
Wird eine Hexe so ertappt, dass sie nicht mehr entfliehen kann, so verwandelt sie sich flugs in ein Stück Holz oder einen Stein, je nachdem an dem Orte mehr Holz oder Steine liegen, so dass der Gegner irregeführt wird. Gelänge es aber einem, den Gegenstand ausfindig zu machen, in den sich die Hexe verwandelt hat, so kann er ihr leicht den Garaus machen, wenn er nur herausbekommt, auf welcher Seite ihr Kopf liegt. Trifft man die Hexe nicht gerade auf den Kopf, so mag man drei Tage lang auf den Gegenstand losschlagen und man wird der Hexe dennoch nicht das Geringste anhaben. Versetzt man ihr aber einen rechten Schlag auf den Kopf, so bleibt sie für immer tot liegen, und zwar in der Gestalt, die sie angenommen hat.[52]
Bäuerinnen, die an Hexen glauben, pflegen Schweinedreck in einen Leinwandlappen einzuwickeln, den Lappen fest zuzubinden und als Amulet an einer Schnur um den Hals zu tragen. Diese Schnur muss aber eben so lang sein als das Weib gross ist, das die Schnur braucht, dann kann kein Teufel und keine Hexe dem Weibe etwas anhaben. (Aus Krapina Toplice in Chrowotien.)
Um sich vor Hexen zu schützen, trägt man Schlehdornen im Kleid eingenäht. Mit Schlehdornen bannt man Hexen und Teufel. In Häusern, wo es kleine Kinder gibt, befestigt man an Türen und Fenstern Schlehdornen.[53] (Slavonien.)
Wie erwähnt benötigen die Hexen eines Zauberfettes. Wer davon isst, versteht die Tiersprache. Wie dieses Fett gewonnen wird, erzählt folgende Sage aus Kreutz in Chrowotien.
Es war einmal eine Hexe, bei der es niemand im Dienste aushalten konnte. Nun ging einmal ein Junge des Weges, erblickte die Hexe und bot ihr einen »guten Tag« zum Gruss. Sie winkte ihm freundlich zu, fragte ihn, wohin er wandere, und er antwortete, er gehe einen Dienst suchen. Sie sagte ihm gleich, bei ihr wär eben eine Stelle frei und er dürfe nur eintreten, und so trat der Junge bei ihr in Dienst ein. Sie schärfte ihm sogleich ein, er müsse sich brav aufführen, bei ihr habe schon eine Menge Leute gedient, weil sich die aber nicht brav aufgeführt, deshalb habe sie ihnen allen der Reihe nach den Garaus gemacht. Der Junge gab ihr das feste Versprechen, sich stets brav aufzuführen. Abends setzte sie ihm ein gutes Nachtmahl vor und befahl ihm, er müsse morgen in der Frühe zeitlich aufstehen, um aufs Feld ackern zu gehen. Der Junge erwachte zeitlich in der Früh und ging ackern. Um die Mittagstunde setzte er sich zum Essen und liess die Ochsen lange Rast halten. Als er abends heimkehrte, fragte ihn die Vettel, wieviel er aufgeackert; und er antwortete »so und soviel«. — Der Alten schien das wenig zu sein und sie schalt ihn einen trägen Arbeiter. Hierauf begab er sich zur Ruhe, um am folgenden Tage wieder seine Arbeit aufzunehmen. In der Früh trug ihm die Alte auf, er müsse das, was er zuerst aufackere, es mag was immer sein, auf der Stelle nach Hause bringen. Er begab sich aufs Feld, stemmte die Pflugschar ein und ackerte eine Kröte heraus. Die nahm er sogleich und trug sie der Alten heim. Die Alte sprach: »Gut mein Kind, gut«, und der Junge kehrte wieder aufs Feld zurück. Nun klagte ihm einer der Ochsen, er sei ganz müde, denn die Alte sei die ganze Nacht auf ihm herumgeritten; deshalb gönnte der Junge den Ochsen wiederum eine lange Rast. Er kommt nach Haus und seine Herrin fragt ihn: »Wie viel hast du aufgeackert?« — »So und so viel.« Hierauf begab sich die Alte in die Stube, der Junge aber huschte schnell in die Küche, um nachzusehen, was die Alte koche und sah die Kröte in einer Rein braten. Schnell ergriff er einen Löffel, schöpfte ihn voll Sahne, in der die Kröte briet, und schlürfte den Saft hinunter. Sodann schaffte er die Ochsen in den Stall und ging nachtmahlen, doch bekam er nicht die Kröte zu essen. Nachdem er sich sattgegessen, begab er sich zur Ruhe. Am dritten Tage gönnte er wiederum den Ochsen eine lange Rast. Als er abends heimkehrte, stand er eine Weile mit der Alten im Hofe. Die Alte besass eine Gluck, die ein hinkendes Küchlein hatte. Da machte die Gluck dem hinkenden Küchlein Vorwürfe, warum es sich nicht tummle, es sehe ja, ein Geier schwirre durch die Lüfte. Der Junge verstand das ganze Gespräch und erzählte es der Alten. Die Alte hiess ihn näher treten und sagte: »Geh’, komm’, zeig mir mal deine Zunge!« — Er streckte die Zunge aus, die Alte aber nahm einen Löffel und schabte das wenige von der Sahne ab, das noch auf seiner Zunge klebte. Seit diesem Augenblicke verstand er nicht mehr die Sprache der Tiere.
Das Fett, mit dem sich die Hexen einreiben, um fliegen zu können, besteht nach einem andern Volkglauben aus Stutenbutter.[54] Ein Bauer aus Toplice (dem Kurort bei Warasdin) erzählte folgendes Erlebnis: »Ich habe an diesen Weihnachttagen ein Weib gesehen, das hat drei Tage hindurch nach Stutenbutter gesucht (iskala konjsku putru, wörtl. sie verlangte Pferdebutter.) Dann hab’ ich sie gesehn, dass sie welche gefunden hat, wo die Pferde weiden. Ich bin ihr nun entgegengetreten, sie hat aber die Butter unter die Schürze versteckt. Ich hab’ gesehen, wie ein bisschen davon hervorschaut und hab’ sie gefragt: »Was fangen Sie damit an, Gevatterin?« (Kaj bute kuma s tem?) Da verschwand sie augenblicklich spurlos, ich aber war in Furcht, weil ich mich ganz allein befand. Ja, wenn ich sie nicht gefragt hätte, sie hätten gesehen, sogleich hätt’ sie mich zu Staub und Asche zermalmt. Wenn sie mit dieser Butter zaubern will, da muss sie sie in der Mitternachtmette mit haben, und beim Segen muss sie auf ihr knieen. Sobald die Mette aus ist, da muss die Hexe hurtig heim eilen, damit sie von gar niemand wahrgenommen wird. Diese Zauberei (Hexerei, coprija) ist zu folgendem gut: Wenn die Hexe alles, wie es sein muss, mit dieser Butter vollbringt, so kann sie auf ihr (na njoj) wie ein Pfeil dahinreiten und wird von niemand erblickt. Man sagt auch, dass es zuweilen nur darum saust (fućka, vom Pfeifen des Wirbelwindes), weil eine Hexe durch die Luft reitet, andere sagen wohl auch, der Teufel führe Geld.« In Biškupec in Chrowotien glaubt das Volk, dass die Hexen zu Pfingsten (na duhovo) um halb zwölf nachts das Fett bereiten, das sie zum Fliegen befähigt.
Dieses Fett wirkt so kräftig, dass alles und jedes in Bewegung gerät, was damit bestrichen wird.
Es war einmal eine Hexe, die befahl ihrem Sohne, aus dem Kasten Fett zu nehmen und den Wagen zu schmieren. Der Junge ging in die Stube und nahm das Fett heraus, vergriff sich aber und nahm ein Fett, das seine Mutter brauchte. Er bestreicht das eine Rad und es fängt an sich zu drehen, er bestreicht das zweite, auch dieses dreht sich, so das dritte und das vierte, da flog der Wagen auf den grossen Nussbaum, der vor dem Hause stand. Der Junge lief nun schnell zu seiner Mutter und erhob ein Geschrei: »Mütterchen, Mütterchen, der Wagen ist mir auf den Nussbaum hinaufgefahren.« — Sie: »Ja, was hast du angerichtet? — Hab’ ich dir denn befohlen, mit diesem Fett den Wagen zu bestreichen?« Hierauf ging sie hinaus und beschwor den Wagen vom Baume herab, was niemand anderem als nur ihr gelingen konnte.