Der Vampir vermag sich ferner z. B. in einen Schmetterling, eine Schlange oder gar in einen Heuschober zu verwandeln. Die Bäuerin Margita Josipović erzählte am 17. Juli 1888 meiner verewigten Mutter folgendes »Erlebnis« (aus Pleternica): »Als vierzehnjähriges Mädchen besuchte ich einmal mit meiner Mutter eine Spinnstubenunterhaltung (prelo). Wir sassen bis Mitternacht in Gesellschaft und dann gingen wir, von einigen Weibern aus dem betreffenden Hause begleitet, heim. Als wir an das Hintertürchen kamen, bemerkte ich auf der Strasse ein Heuschöberchen, das sich von selber vorwärts bewegte. Ich sagte zu meinem Mütterlein: »Schau Mütterchen, da bewegt sich ein kleiner Heuschober. Weder sieht man einen Wagen noch Pferde, er zieht aber doch vor uns daher, als ob ihn etwas führte.« Wir bleiben stehen, der Heuschober bleibt stehen. Wir schauen hin, uns wird bänglich zu Mute und wir laufen ins Haus zurück und wecken den Hausvorstand auf. Der sagt uns, wir dürfen diese Nacht nicht heim gehen, denn der Heuschober könnte uns den Weg verrammeln. Das sei ein Werwolf (vukodlak) und wir könnten in grosses Unheil geraten. Das sei ein solcher Toter, über welchen, als er aufgebahrt in der Stube gelegen, ein Hund oder eine Katze gesprungen. Ein solcher muss sich ja in einen Werwolf verwandeln.« Die Frau meinte einen Vampir.

Ein zuverlässiges Schutzmittel gegen Vampirbesuche gäbe es nicht, sagt das Volk, und man glaubt, es sei am tunlichsten, ihn durch gute Bewirtung milde und versöhnlich zu stimmen. Ist sein Hunger gestillt, so greift er keinen Menschen an. In Chrowotien glaubt man, dass, wenn ein Toter einmal zum Vampir geworden, er allnächtlich um Mitternacht nach Hause komme, und die ehemaligen Hausgenossen lassen ihm jeden Abend seinen Anteil vom Nachtessen stehen, um sich von ihm loszukaufen. Er isst aber auch alles bei Putz und Stengel auf. Weiter südlich herrscht eine andere Auffassung vor.

Die Moslimen glauben, der Vampir kehre gleich in der ersten Nacht nach dem Begräbnis in sein Haus zurück, zeige sich, falls er beweibt gewesen, zuerst seiner Frau und frage sie, ob sie für ihn etwas zu essen bereit habe. Sagt sie ja, und gibt sie ihm zu essen, dann wird es, glaubt man, ihr und dem ganzen Dorfe sehr schlimm ergehen; denn der Vampir werde sie nun allnächtlich heimsuchen, das Volk im Dorfe würgen und ihm das Blut aussaugen. Ein kluges und verständiges Weib wird aber gleich in der ersten Nacht ihrem Manne, dem Vampir, antworten, sie habe gar nichts für ihn bereit, und da er nicht ablässt, in sie zu dringen, so wird sie ihn heissen, er soll ins Meer gehen, um Fische zu essen, oder er soll im Dorfe die Hunde oder im Gebirge wilde Tiere fressen. Er müsse ihr hierin wie in allen übrigen Stücken, die sie ihm gebietet, unbedingt Folge leisten.

Darum sagt das Volk sprichwörtlich: »Ein gescheidtes Weib kann es verhindern, dass der Vampir sie besucht und die Leute hinmorde« (pametna žena more zaprečiti, da vampir k njoj ne dolazi i da svijeta ne tare).

Es hat sich der Fall schon sehr oft ereignet, dass bei einem grösseren Sterben im Dorfe das Weib eines kürzlich verstorbenen Mannes von den Dorfbewohnern misshandelt wurde, bis sie eingestand, dass ihr Mann sie besuche und sie das Versprechen gab, sie werde ihn bestimmen, die Leute nicht zu morden.

Christen und Moslimen glauben steif und fest daran, dass ein Vampir mit einer ihn überlebenden Ehegattin regelmässig nächtlichen Beischlaf ausüben könne und dass ein solches Weib auch öfters, von einem Vampir geschwängert, Kinder zur Welt gebracht habe, nur hätten solche Kinder gar keine Knochen im Leibe, sondern wären aus lauter Fleisch gebaut. Solchen Kindern ist nur ein kurzes Leben beschieden.

Sobald sich in einem Dorfe die Todfälle jählings mehren, fängt man an, davon zu sprechen, im Friedhofe müsse ein Vampir hausen. Bald finden sich Gläubige, die behaupten, sie hätten einen nachts mit dem Leichentuche umgehen gesehen. Nun rät man hin und her, wer sich wohl von den Verstorbenen zum Vampir verwandelt haben dürfte. Die Herzogländer bestreuen die verdächtigten Gräber ringsum mit Asche und schauen in der Früh nach, ob in der Asche Fussspuren zu entdecken seien und ob auf dem Grabe irgend ein Gewandstück liege. In einer serbischen Schulfibel (bukvar) aus dem Anfange des XIX. Jahrhunderts (Druckort Ofen) steht die Belehrung: »Ist ein Grab eingesunken, hat das Kreuz eine schiefe Stellung eingenommen, und noch dergleichen Merkmale weisen darauf hin, dass sich der Tote in einen Vampir verwandelt habe.« An manchen Orten in Serbien und Bulgarien wählt man ein fleckenloses Füllen, führt es auf den Friedhof hinaus und geleitet es über die Gräber hin, in denen man einen Vampir vermutet. Man glaubt nämlich, dass sich das Füllen um keinen Preis über das Grab eines Vampirs zu schreiten getraue und es auch nicht dürfe. Man versteht dieses Vorgehen aus der uralten Anschauung aller europäischen Völker, nicht zum geringsten der slavischen, die auf Pferdeorakel als auf die wichtigste Kundgebung göttlichen Willens einen hohen Wert gelegt haben. »Bei den alten Germanen hielt man das Pferd als mitwissenden Vertrauten der Götter« (L. Hopf). Die Südslaven glauben aber noch gegenwärtig, dass Pferde nächtlich Geister erschauen und Gastmählern der Vilen ausweichen.

Geben die Orakel keine befriedigende Auskunft, so öffnet man der Reihe nach die Gräber der jüngst Verstorbenen. Im Jahre 1732 entstand im Dorfe Medvegja in dem damals zu Österreich gehörenden Serbien eine Seuche. Das Volk schrie über Vampirplage, und die deutsche Regierung sah sich veranlasst, das Volk belehren zu lassen. Über den Fall erschienen in Deutschland in den nächsten Jahren nicht weniger als zwölf Schriften und vier Dissertationen, die die Art der Vampire erörterten. Es verlohnt sich, das »Visum et Repertum« des Feldscherers Johann Flückinger vom 29. Februar 1732 im Wortlaut zu wiederholen:

»Bericht von der Dorffschaft Metwett an der Morava, welche sich beklagten, eines sterbes, darauf Ich alss Physicus Contumaciae Caesareae zu Parakin dahin gegangen, selbiges Dorff von hauss zu hauss wohl und genau durchsuchte und examinirete den 12. Decembris. 731. Allein darinnen keine einzige ansteckende Krankheiten oder Contagiose Zustände gefunden, alss tertian und quartan Fieber, seithenstechen und Brust-beschwährungen, welche alle von gehabten Depouchen vor ihrer Räzischen Fasten herrühren. Da Ich aber weithers inquirirete, warumben sie sich dann also beschwähren, dass durch 6 Wochen 13 Persohnen gestorben seyen, und in was Sie sich beklagten, bevor Sie seynd abgeschieden, meldeten Sie ingleichen, das seithenstechen und brust-beschwährnussen auch lang gehabten Fiebern und glieder-reissen, von welchen zuständen aber Sie vermeinen, die all zu geschwinde begräbnussen nach ein ander nicht möglich seyn kann, herzurühren: wohl aber weill die genannten Vambires oder Bluth Seiger vorhanden seynd, darauf Ich alss auch ihre eigene officiers nach aller möglichkeit ihnen es auss dem Sünn zu bringen in beyseyn des Führers von Kragolaz alss Corporalen von Stallada redeten, und explicireten, allein nicht möglich ihre opinion zu benehmen ware, und sageten ehe Sie sich lassen dergestalten umbringen, wollen Sie sich lieber auf ein anderes orth sezen. Wie auch 2, 3 Häuser nächtlicher Zeit zusamben gehen, theils schlaffen, die andere wachen, es werde auch nicht ehender aufhören zu sterben, biss nicht von einer Löblichen obrigkeit nach selbst eigener resolution eine execution denen benannten Vampires angeschaffet und angethan werde, dann bey lebs zeiten waren in dem Dorff zwey weiber, welche sich haben vervampiret und nach ihrem todt werden Sie ingleichen Vampires, die Sie wiederumb andere werden vervampiren, gesprochen, solche also seynd vor 7. wochen gestorben und pertinaciter die leuth darauf verharren, absonderlich auf jenes altes weib, dannenhero habe ich 10 gräber eröffnen lassen, umb gründliche warheit zu berichten und zwar erstlichen jenes altes Weib, auf welches Sie sich steiffen, den anfang gemacht zu haben, mit nahmen Miliza.

Vampier alt 50 Jahr, liegt 7 Wochen, ist vor 6 Jahren von türckischer seithen herübergekommen und hat sich zu Metwett gesezet, allezeit nachbahrlich gelebet niehmals wissend, ob Sie etwas habe Diabolisches geglaubet oder gekünstlet, dür hägerichter Constitution, währender lebszeit aber gegen denen Nachbahren erzehlet, Sie habe 2 Schaff gegessen in dem Türckischen, welche die Vampires umbgebracht, dannenhero, wann sie sterben werde, ingleichen ein Vampir seyn wird, auf welche reden der gemeine Pevel ihre opinion vestiglich gründet, solche Persohn Ich auch würcklichen gesehen und weillen selbe solte vorhin einer dürhägrichten Constitution des leibs seyn gewesen, alt von Jahren 7 wochen lang gelegen, in keiner truchen, sondern blossen seichten Erden wäre nothwendig halbs schon verwesen zu seyn; allein Sie ware annoch vollkommen das Maul offen habend, das helle frische bluth auss Nasen und Maul heraussgeflossen, der leib hoch aufgeblasen und mit bluth unterloffen, welches mir selbst suspect vorkommet und denen Leuthen nicht unrecht geben kann, nach entgegen eröffnung einiger gräber, welche waren Jünger von Jahren, fetter Constitution bey lebenszeit, kurz von ausgestandenen krankheits zeit und zwar geringer krankheit, alss solche alte, seynd also verweesen, wie siches auf einen rechtmässigen Leichnamb gehöret, das andere weib alss.