Vampir mit Nahmen Stanno ein weib in gebähren gestorben, das Kind auf die welt gebracht, aber auch gleich gestorben, ware alt 20 Jahr, liegt begrabener 1 Monath, bekennete und erzehlete, gegen denen Nachbahrn bey lebens zeit, dass Sie, da Sie noch in dem Türckischen ware, allwo die Vampires auch sehr starckh regiereten, umb Sie vor solche zu beschüzen, schmürete Sie sich einstens mit eines Vampires bluth, wo Sie auch nach ihren todt ein Vampir wird werden, gesprochen, welche also beschaffen ware, wie die erstere, ingleichen das unmündige Kind und weillen dieses Kind die Tauff noch nicht hat empfangen, haben Sie es nicht in den Freydhoff geleget, sondern hinter einen Zauhn, allwo die Mutter hat gewohnet, welches ich auch gesehen habe. Ingleichen waren die andere also beschaffen und kurz nach einander darauf gestorben, welche sich mit vervampiret haben, nach denen leuthen ihrer opinion. Alss Vampir: Milloi ein Kerl von 14 Jahren, liegt 5 wochen. Joachim ein Kerl von 15 Jahren, liegt 5 Wochen, seyn 1 tag von einander gestorben, alss vorgehabter depouchen ihrer fasten bei einen Nahmenstag eines dorff Heyduckhen seynd in gleichen wie die andern also beschaffen.
Ruschiza ein Weib von 40 Jahren, liegt 15 tag, ist halbs suspect.
Peter ein Künd von 15 tag alt, liegt 5 wochen, ist sehr suspect.
Nunmehro weillen jezige von jüngeren Jahren waren, kürzer von krankheits affliction und zwar sehr schlechterer auch kürzerer zeit in grab liegen, gänzlich, wie sich es gehöret, verwesen sein, sagen die Metweger, warumb dise und die andere nicht, da Sie viel stärcker corpulenter Jünger und frischer waren, alss die anderen, dannoch schon gänzlich verwesen seyn, welche raison nicht uneben scheinet und seyn jenige, alss
Milosowa von Heyduckhen seine Frau ware alt 30 Jahr, liegt 3 wochen, ist vor dise zeit zimblich verwesen, wie sich es gehört, auch jenige, wie folgen.
Radi ein Kerl von 24 Jahren, liegt 3 wochen. Wuschiza ein Jung von 9 Jahren, liegt 1 Monath. Dannenhero bitten Sie unterthänig, es möchte doch von einer Löblichen Obrigkeit eine execution nach guttachten dises malum abzuwenden ergehen, woselbst ich vor gut halte, umb selbe unterthanen zu befridigen, dieweillen es ein zimbliches grosses dorf ist, dann in re ipsa befindet es sich also.«
* * *
Über die Art und Weise der völligen Vernichtung eines Vampirs haben einige Gelehrte unklare Ansichten geäussert, während gar kein Anhalt zu einer Meinungverschiedenheit vorhanden ist. Der Vampir ist ein Toter, der zu Nachtzeiten lebendig wird, also vernichtet man ihn, wie man ein lebendes Wesen der völligen Auflösung nur zuführen kann: durch Tötung, in diesem Falle gewöhnlich entweder durch Durchpfählung oder durch Verbrennung des Leichnams. Der körperlose Geist wird ledig oder verflüchtet sich und vermag nicht mehr jemandem zu schaden.
Gesteht ein Weib, dass ihr verstorbener Gatte als Vampir sie besuche, oder sprechen andere Anzeichen dafür, z. B. nächtliches Rumoren im Hause, herumfliegendes Kochgeschirr, ein jähes Sterben im Dorfe oder gar unmittelbare Begegnungen mit dem Vampir auf Kreuzwegen zur Nachtzeit, so versammeln sich die ernstesten und reifsten Männer des Dorfes zur Beratung, um im Einverständnis mit den Angehörigen des Vampirs, das Grab aufzudecken, um sich erst zu vergewissern, ob der Verdächtige wirklich zum Vampir geworden ist. Die Moslimen sagen, der Leib eines solchen Vampirs, mag er auch längere Zeit gelegen sein, sei unverwest geblieben, nur die Augen seien gross wie die eines Ochsen und blutunterlaufen. Darauf macht man im Grab ein Feuer an, spitzt einen Weissdornpfahl zu und durchsticht damit den Leib. Oft sei es vorgekommen, dass sich der Vampir während der Durchstechung ganz gekrümmt habe und dass ihm viel Blut aus dem Leibe gespritzt sei. Während die einen den Vampir behandeln, passen die übrigen ängstlich auf, ob nicht ein Falter (oder Schmetterling) aus dem Grabe davonfliegt. Fliegt einer heraus, so laufen ihm alle nach, um ihn einzufangen, und fangen sie ihn ein, so werfen sie ihn auf einen Brandhaufen, damit er umkomme. Dann erst ist dem Vampir der Garaus gemacht. Entwischt jedoch der Falter, dann ach und wehe dem Dorfe, denn der Vampir rächt sich fürchterlich, bis nicht endlich seine sieben Jahre ablaufen. In der oberen Krajina glauben die Moslimen und Christen, der Vampir könne durch nichts anderes getötet werden, als wenn man ihm einen Weissdornpfahl (glogovi kolac) durch den Leib treibe. Einige behaupteten in meiner Gegenwart, man dürfe den Vampir auch mit einem Messer durchstechen, mit dem man noch nie ein Brot geschnitten. Die Herzogländer orthodoxer Konfession durchstossen den Vampir durch eine getrocknete Haut eines jungen Stieres, weil sie glauben (gleich den Serben in der Morava und den Bulgaren in Rumelien), dass sich jeder, den das Blut des Vampirs bespritzen würde, auch selber in einen Vampir verwandeln, und dass er bald darauf sterben müsste. Die Orthodoxen in dem Herzögischen verbrennen den Vampir nicht, ebensowenig die Katholiken in Slavonien. Im oberen bosnischen Drinagebiete an der serbischen Grenze begibt sich der Pope mit den Bauern auf den Friedhof, sie scharren das Grab des Verstorbenen auf, stopfen das Grab mit einem Wagen Stroh voll an, durchspiessen durch das Stroh hindurch den Leichnam mit einem Weissdornpfahl und zünden das Stroh an. Das Feuer wird so lange genährt, bis der Leib des Vampirs gänzlich zu Asche geworden. Damit erst glauben sie jede weitere Wiederkehr des Vampirs zu verhindern.
Der Bauer Lako Petrović in Zabrgje erzählt: »Vor etwa 150 Jahren lebte im Dorfe Čengić, im Bezirke Zvornik eine Popenfrau (popadija), nach deren Ableben ein grosses Sterben im Hause einriss. Damals starben auch dem Grossvater meiner Mutter, dem Bauer Pero, alle Hausleute bis auf drei Knaben ab und er verlegte sich darauf, nachts aufzupassen. Er zündete in der Küche (dem eigentlichen Hause) ein grosses Feuer an und wartete. Plötzlich um Mitternacht erscheint die Popadija im Hause, Pero aber springt auf, ergreift ein Weissdornbrandscheit vom Feuer weg, fängt an auf die Popadija dreinzuschlagen und jagt sie hinaus. Sie bleibt jedoch vor dem Hause und ruft: »Komm mal hier heraus, greiser Pero, schlag mich nur ein wenig und ich werde gleich krepieren!« (izigji sijedi Pero amo pa me se samo malo vati, ja ću odma crći!). Pero entgegnete: »Hinaus gehe ich nicht und ins Haus herein lasse ich dich nicht!« (izić ne ću a u kuću ti ne dam!). Darauf sie: »Na wart nur, greiser Pero, es wird dir kein einziger Sohn bleiben, bei dem du dich verschwören könntest!« (neka te sijedi Pero! ne ćeš se nijednim sinom zakleti!). Als am Morgen der Tag graute, begab sich Pero mit dem Dorfschulzen und einem Bauern zum Popen und meldete ihm, die Popadija sei auferstanden und raffe die Leute hin. Der Pope sagte: »Es ist nicht wahr!« Pero jedoch ging vor Gericht nach Zvornik und sagte, die Popadija habe sich in einen Vampir verwandelt (povukodlačila se) und er habe ihr in vergangener Nacht im Hause (der Küche) die Leichendecke berusst, als er sie geschlagen. Das Gericht gestattete ihm, das Grab aufzugraben. Im Verein mit den angesehensten Männern im Dorfe grub er das Grab auf. Da fanden sie die Popadija wie einen Bottich aufgeschwollen, und sie nahmen einen zugespitzten Weissdornpfahl, pflanzten ihn der Popadija auf den Bauch und schlugen ihr mit einem Hammer den Pfahl in den Leib hinein. Darauf machten sie ein grosses Feuer an und verbrannten sie zu Asche und Kohle. Ja richtig, als sie das Grab aufzuscharren anfingen, kroch eine Natter heraus, Pero aber erschlug die Natter auf der Stelle. Von da ab hatten sie Ruhe im Dorfe und das jähe Sterben hörte auf.«[5]