5dass ellendick dein Flügel werd und spannendick die Klaue!

In Luros und Xeromeros war ich ein Armatole,

in Chasia und auf diesem Berg zwölf Jahre lang ein Klephte.

Vom eigentlichen Kannibalismus, dem Genuss von Menschenfleisch zur Befriedigung des Hungers, berichtet meines Wissens, nur eine einzige Stelle in einem Guslarenliede. Es ist unzweifelhaft freie, dichterische Erfindung, die ein Greis vorbringt, um eine wegen des Unglücks ihres Sohnes trostlose Mutter durch die Schilderung seines unvergleichlich grässlicheren Jammers zu beruhigen:

Ja sam imo do osam sinova, Besessen hab ich wohl an Söhnen acht,
sve sam osam starac oženio ich greiser Mann hatt alle acht beweibt,
i osmero imo unučadi; und Enkel ich besass auch ihrer acht;
pak su došli pasoglavi turci da brachen hundeköpfige Türken ein
5 pak pojeli do osam sinova und frassen auf wohl alle Söhne acht,
i pojeli do osam snašica und frassen auf acht meiner Schwiegertöchter
i osmero jošter unučadi.[7] und überdies acht meiner Enkelkinder.

Die Hundeköpfe sind in der slovenischen und chrowotischen Überlieferung sehr häufig, doch sehr selten in der serbischen und bulgarischen. Dieser Sagenstoff ist wohl aus der Fremde.

Ein bosnisches Guslarenlied, in dem sich der Heiland als menschenfleischlüstern ankündigt, halte ich lediglich für eine Umdichtung der Sage von der Opferung Isaaks. Zu Todor am Meere fiel ein Himmelbrief hernieder, darin geschrieben stand, Christus lade sich zu Gaste ein, und wünsche Johannes, den Sohn Todors gebraten zum Mahle zu verzehren. Angjelija, die Mutter, lockt durch eine Finte ihren Sohn aus dem Gebirge von den Schafen nach Haus und zeigt ihm den Brief, worin zu lesen, »Christus verlange, dass Todor den einzigen Sohn schächte, gleichwie ein blödes Lamm, ihn brate, gleichwie ein blödes Lamm, denn Christus wolle den Sohn zu Nacht verspeisen.« Der Sohn fügt sich bereitwilligst dem höchsten Wunsche, der Vater fesselt ihm Hände und Füsse, verbindet ihm die Augen, schächtet ihn, brät ihn am Spiesse und setzt ihn gar dem inzwischen eingetroffenen Gaste vor. Christus fand daran grosses Vergnügen, schlug ein schallend Gelächter auf, nahm Rotwein, wusch den Braten, und siehe da, Johannes sprang frisch und fröhlich auf die Beine auf. Alsdann sprach der HERR: »Du warst der Hirt Johannes bis jetzunder, — von itzt du sei der heilige Johannes, — verbleibst bei mir von nun in Ewigkeit!«[8]

Dem gleichen Vorstellungkreis gehört auch die Opferung des einzigen Sohnes zu Heilzwecken an. Ein Vater tötete den einzigen Spross, um mit dessen Blute neun blinden Hausgenossen die Augen zu waschen und sie sehend zu machen. Indessen glaubt er bloss, dass er den Sohn umgebracht, da es sich nachträglich nach der Vollbringung der Wunderheilung herausstellt, dass der vermeintliche Sohn nur ein Lämmchen gewesen sei.[9]

Ein abstruses Märlein ersann B. Petranović, ein serbischer Veckenstedt[10] (dem er zwar an Begabung und Bildung nachsteht), um in einem Zuge seinem Deutschen- und Katholikenhass Befriedigung zu verschaffen. Er lässt den Wiener Kaiser für seine serbischen Hochzeitgäste, die für den Kämpen Jakšić die deutsche Prinzessin heimzuführen kamen, ein thyestisches Mahl aus den tückisch ermordeten zwei serbischen Brautführern bereiten. Die Gäste tun sich an dem Braten, den sie für einen Schafbraten halten, recht gütlich, bis Prinz Marko auf den Geschmack kommt, sich erbricht und den Herrschaften zuruft, das Fleisch dufte nach Branntwein und Tabak, also sei es Heldenfleisch. Zur Strafe steckt er an eiserne Spiesse des Kaisers beide Prinzen an, brät sie und stopft Stück für Stück vom Braten mit dem Schlachtkolben dem Kaiser in den Mund hinein. P. mochte schwanen, dass ihm wohl nicht leicht einer diese Geschichte als Erzeugnis der Volkpoesie hinnehmen dürfte und erfand zur grösseren Beglaubigung noch zwei Varianten dazu.[11] Auch die sind nicht minder wunderschön und einzig und gereichen dem Erfinder zur Ehre.

Einen in der gesamten südslavischen Volküberlieferung unerhörten Schwur leistete Held Ljutica Bogdan bei demselben Korallenfabrikanten.[12] Bogdan hatte um Geld, fabelt P., seiner Gevatterin bei der Taufe für ein Knäblein ein Mägdlein unterschoben. Als die Frau auf den Betrug kam, stellte sie den God zur Rede. Er aber leistet den Meineid: