Im Handumdrehen machten die chrowotischen Blätter aus der überwiegend erzchrowotischen Landbevölkerung »fanatisierte Serben«, um die an der antichrowotischen Volkbewegung vielleicht nur nebenbei oder gar nicht beteiligten serbischen Stammbrüder zu verunglimpfen. Auch versuchen dieselben Blätter, die Juden und Magyaren für das Elend des Volkes verantwortlich zu machen; bisher freilich ohne Erfolg; denn gerade die Gegend Chrowotiens, in der der Aufstand losbrach, ist ganz und gar, wie man im Antisemitenargot sagen würde, juden- und magyarenrein. Das ist der Humor bei der Tragödie des Volkjammers, zu der gleich das Gewehrgeknatter dreier Regimenter Soldaten Musik aufspielte. Bei der ersten Bewegung wurde ein Bauernweib (eine Schwangere) erschossen und sieben Bauern empfingen schwere Verwundungen. »Dreissig »Rädelsführer« glückte es ehebald einzukerkern, die anderen flohen in die Wälder.« Vom Frühjahr 1897 bis zum 23. September 1897 erforderte der chrowotische Ghost-Dance 53 Tote, 137 Schwerverwundete und netto 70 zu mehrjähriger Kerkerstrafe verurteilte »Sozialisten«. (Nach Berichten aus Agram). Bis zum 3. Oktober hatten die Behörden bereits 200 Bauern eingekerkert.

Mich schmerzeten diese Kunden unsäglich. Weiland Brozović war einer meiner letzten Jugendgespielen, mit dem ich mich gut vertragen. Mein wissenschaftliches Sondergebiet sind die Südslaven; mein Leben und meine Liebe dient auch ihnen. Wie vielen von den unglückseligen Bauern mag ich mehr als einmal auf meinen Reisen freundschaftlich die Hand gedrückt haben! Das Los der chrowotischen Bauern ist das der Indianer: Aussterben!


[1] Rich. Andree: Die Anthropophagie, Leipzig 1887. — Dr. P. Bergemann: Die Verbreitung der Anthropophagie und Ermittelung einiger Wesenzüge dieses Brauches. Eine ethnographisch-ethnologische Studie. Bunzlau 1893. — Dr. Rudolf S. Steinmetz: Endokannibalismus. Wien 1896. — H. Kern: Menschenfleisch als Arzenei (Festgabe zur Feier des 70. Geburtstages von Prof. Ad. Bastian) Leiden 1896, S. 37–40. — Dr. K. Th. Preuss: Menschenopfer und Selbstverstümmlung bei der Totentrauer in Amerika. Festschrift f. A. Bastian, Berlin 1896, S. 197–230. — Von psychologischer Seite aus vorzüglich mit Rücksicht auf die Naturvölker erörtert das Menschenfleischessen L. Krzywicki (Ludožerstwo, Wisla [2] XII. S. 100 ff.). — Die Verschiedenheit zwischen Menschenopferkult und Menschenfleischessen, die nicht selten miteinander vermengt oder verwechselt werden, legt für Hawaii Karl von den Steinen klar (Reise nach den Marquesas-Inseln. Verh. d. Gesellschaft für Erdkunde, Berlin 1898, S. 510 ff.). — Wertvolles Material liefern Gaidoz, Mélusine III (acht Artikel) und Herm. Strack, Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit, München 1900.

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[3] Cit. bei J. Grimm, Deutsche Rechtaltertümer, 488. Verweise auf diese Stellen auch bei Steinmetz, Endokann. 24, der auch auf P. Sartori’s vorzügliche Untersuchung: Die Sitte der Alten- und Krankentötung (Braunschw. 1895) Bezug nimmt.

[4] K. A. Šapkarev: Sbornik ot blgarsk. nar. umotvor. Sofija 1892. S. 77.

[5] Pjevanija cernogorska i hercegovačka sabrana Čubrom Čojkovićem cernogorcem pa i njim izdana istim. Leipzig 1837. S. 247b.

[6] Text und Verdeutschung bei Fauriel-Müller, Neugriech. Volklieder. Leipzig 1825. I. S. 15. Nr. VII. Vom Schulterfleisch siehe II. S. 47. Nr. XXI. V. 19 ff.

[7] Bei Luka Marjanović: Hrvatske nar. pjesme, što se pjevaju u gornjoj Hrvatskoj, krajini i u turskoj Hrvatskoj. Svezak I. Agram 1864. Nr. XXIII. S. 138 f. V. 98 ff.