Barak (tritt ihm in den Weg und hält ihm das Schwert auf die Brust).
Halt ein, Unglücklicher! Du bist des Todes!
(Pause. Beide sehen einander erstaunt an. Unterdessen hat sich
Kalaf mit den Soldaten entfernt.)
Wer bist du, Alter? Woher kommst du? Sprich!
Daß du den Namen dieses Jünglings weißt?
Timur. Was seh' ich? Gott! Du, Barak? Du in Peckin?
Du sein Verräther? Ein Rebell? Und zückst
Das Schwert auf deinen König?
Barak (läßt erstaunt das Schwert sinken). Große Götter!
Ist's möglich?—Timur?
Timur. Ja, Verräther!
Ich bin es, dein unglücklicher Monarch,
Von aller Welt, nun auch von dir verrathen!
Was zögerst du? Nimm dieses Leben hin!
Verhaßt ist mir's, da ich die treusten Diener
Um schnöden Vortheils willen undankbar
Und meinen Sohn dem Tod geopfert sehe!
Barak. Herr!—Herr! O Gott! Das ist mein Fürst, mein König!
Er ist's! Nur allzuwohl erkenn' ich ihn. (Fällt ihm zu Füßen.)
In diesem Staub! In dieser Niedrigkeit!
Ihr Götter, muß mein Auge dies erleben!
—Verzeiht, Gebieter, meiner blinden Wuth!
Die Liebe ist's zu Eurem Sohn, die Angst,
Die treue Sorge, die mich hingerissen.
So lieb Euch Eures Sohnes Heil, so komme
Der Name Kalaf nie aus Eurem Munde!
—Ich nenne mich hier Hassan. nicht mehr Barak—
—Ach, weh mir! Wenn uns Jemand hier behorchte!—
Sagt, ob Elmaze, meine Königin,
Sich auch mit Euch in dieser Stadt befindet?
Timur. Still, Barak—still! O, sprich mir nicht von ihr!
In unserm traur'gen Aufenthalt zu Berlas
Verzehrte sie der Gram um unsern Sohn,
—Sie starb in diesen lebensmüden Armen.
Barak. O die Bejammernswürdige!
Timur. Ich floh!
Ich konnt' es, einsam, dort nicht mehr ertragen.
Des Sohnes Spuren folgend, frag' ich mich
Von Land zu Land, von einer Stadt zur andern.
Und jetzt, da mich nach langem Irren endlich
Der Götter Hand hieher geleitet, ist
Mein erster Anblick der gefangne Sohn,
Den man zum Tode führt.