Auch Todesgefahr, rief ich, auch Todesgefahr, wenn ich ein Leben dadurch retten kann, das mehr werth ist, als Millionen andre!

»Guter, guter Wilhelm!« rief sie, und ich – stürzte ihr zu Füßen. Mein Auge suchte das ihrige und fand es, meine Seele folgte meinen Blicken, und ich sog aus den ihrigen ihre Seele. Dies war der Augenblick, wo Herz und Herz einander entgegen flogen, wo innig und innig verschwistert und verschlungen, beyde dem Körper sich entschwangen; wo Auge und Lippe, wo Finger und Arm, wo jeder Nerve, jede Fiber und jeder Pulsschlag: ich liebe dich! ich liebe dich! zu sagen sich bestrebte, und nur die Zunge allein schwieg. – O Sprache, arme Sprache, woher nimmst du Worte für diesen Augenblick? der uns in ein Elysium hinüber zauberte, in welchem tausend neue Elysien mit ihren Freuden vor unserm verklärten Auge in himmlischer Schönheit sich entwickelten!

Plötzlich hörte ich einen lauten Seufzer, und in eben dem Nu flatterte ein Vogel zur Laube herein, der mit seinen Flügeln die Decke derselben rauschend schlug. Ich sprang auf, und sah den alten Tobias vor mir. Die Gräfin sank ohnmächtig zurück.

Siebentes Kapitel.
Freundschaft und Pflicht.

Lieber Tobias, rief ich, und die Worte erstarben mir auf der Zunge.

Er drehete sich um, und sagte: »Ich bin dein lieber Tobias nicht mehr, und du bist mein lieber Wilhelm nicht mehr.« – Ich wollte ihn halten, aber er riß sich von mir los.

»Sieh nur,« rief ich und zeigte auf die Gräfin, »hilf doch!«

Hilf Du selbst! sagte er unwillig, und ging mit schnellen Schritten aus der Laube.

Ich sprang, zwischen Schrecken und Angst und Liebe und Mitleid getheilt, zur Gräfin zurück, und schüttete ein ganzes Glas Wasser, das beym Schokolate stand, ihr über das Gesicht! Sie schlug die Augen auf!