»Aber ein Ehrendieb,« fuhr er fort, »ein Ehrendieb meines Herrn, meines Grafen – Nein, ich kann dich nicht mehr ansehen. Geh mir aus den Augen!«

»Lieber Tobias,« rief ich: »wenn du auch mich nicht schonen willst, so schone doch wenigstens die arme Gräfin!«

Er stutzte einen Augenblick. Ich benetzte seine rechte Hand mit meinen Thränen, während er mit der linken die seinigen abwischte.

»Ach Gott,« rief er, indem er den Kopf langsam und entkräftet auf die linke Schulter sinken ließ: »ich kann es ja nicht verschweigen, ich darf es ja nicht verschweigen!«

»Fodere was du willst,« rief ich, »von der Gräfin und von mir: du sollst es haben. Lege mir irgend etwas auf, das ich für dich thun soll, ich ruhe nicht, bis ich es gethan habe. Willst du dich glücklich machen, deine ganze Familie glücklich machen, so rede, ich bringe dir die ganze Schatulle der Gräfin!«

»Wie,« rief er, und der Zorn gab seinen Augen neues Leben: »du willst mir meine Pflicht abkaufen?«

Er schob mich unsanft von sich.

»Hättest du mir doch lieber ein Messer ins Herz gestoßen, Wilhelm, als das gesagt!« – setzte er sanfter hinzu. –

Wir waren während der Zeit bis vor seine Kammer gekommen. Er trat hinein, und ich wollte ihm folgen, aber er drückte die Thür vor mir zu und schloß sie ab.

Achtes Kapitel.
Moriz läuft Sturm.