Nichts! Er ist diesen Nachmittag lange mit ihr spatzieren gegangen, er war sehr freundlich mit ihr, und sie lachte einigemal laut auf.

»Lachte?« rief ich mit Bitterkeit.

Ja, ich begreif' es auch nicht, wie sie lachen kann und wie er lachen kann. Er hat mich wohl zehnmal gefragt: »also nur auf den Knieen lag er vor ihr?« – Ja, Gnädiger Herr, sagte ich. – »Alter Narr,« sagte er darauf, »so lange man auf den Knieen liegt, hat es nichts zu sagen. – Indessen laß ihn sitzen bey Brot und Wasser!« – Aber wie lange, gnädiger Herr? – »So lange ich will!« sagte er und kehrte mir den Rücken zu. O, lieber Wilhelm, diese kurze Antwort that mir sehr weh.

»Und mir thuts weh,« rief ich in rasender Wuth, »daß ich – daß ich dich nicht habe – daß ich dich nicht den Berg hinabstürzen kann – du alter verwünschter Zeitungsträger!«

Ich fuhr bey diesen Worten mit dem Arm plötzlich durch die Klappe, packte ihn bey der Schulter, und schüttelte ihn gewaltig.

»Weiß man es dir nun Dank?« fuhr ich fort, indem ich ihn bey jeder der folgenden Fragen aus allen Kräften zusammenrüttelte: »Hast du mich nicht muthwillig in dies Loch gebracht? Habe ich dich nicht fast auf den Knieen gebeten, du solltest mich nicht verrathen? Und doch (hier schüttelte ich ihn am allergewaltigsten) und doch gehst du hin und giebst mich an?«

Mein Gott, rief er, ich wußte ja nicht, daß das Knieen nichts auf sich habe!

Ich ließ ihn endlich los, und er schlich sich kopfhängend davon. In dem Augenblicke dauerte er mich wieder.

Zehntes Kapitel.
Noch ein Besuch.

Als ich mich bückte, um meine Gefangenkost aufzuheben, fand ich weder Wasser noch Brot. Ich hatte in der Hitze die Wasserflasche zertreten, und das Brot hinter mir die Treppe, die in das unterirrdische Gefängniß führte, mit dem Fuß hinabgestoßen. Kaum war ich dieses Unglücks gewiß, als ich die Klappe in der Thür aufriß, und ein paarmal Tobias! Tobias! mit solcher Anstrengung herausbrüllte, daß das Echo ein zehnfaches Tobias, Tobias, von den umliegenden Felsen eben so gewaltig zurückgab.